Wir erwarten im September unser erstes Kind und ich nehme direkt nach der Geburt drei Wochen frei. Jetzt kommt langsam die Besuchsplanung hoch. Meine Eltern wohnen weiter weg und würden am liebsten „gleich ein paar Tage helfen“. Meine Frau ist unsicher, will aber niemanden verletzen.
Ich schwanke zwischen: Hilfe ist super und: Wochenbett ist vielleicht nicht der Moment für Gästezimmer, Frühstück und Smalltalk. Wie habt ihr das geregelt? Klare Besuchszeiten? Erstmal gar keiner? Und wie verkauft man das freundlich, ohne dass die Großeltern beleidigt sind?
Wie viel Besuch ist am Anfang bei Vaterschaftsurlaub und Wochenbett okay?
Gestartet von reiner_zufall · 22. Juli 2026
@reiner_zufall, ich würde das vor allem als Schutz für deine Frau und euer neues Team sehen, nicht als Anti-Großeltern-Entscheidung. Bei uns war der beste Satz: „Wir melden uns, wenn wir bereit sind, und Besuch bleibt kurz.“ Das war am Anfang ungewohnt, aber klar.
Hilfe ist nur Hilfe, wenn sie nicht bewirtet werden muss. Also Essen bringen, Wäsche machen, einkaufen, danach wieder gehen. Mehrtägiger Besuch direkt im Wochenbett kann super sein, wenn die Beziehung sehr entspannt ist und die Leute wirklich anpacken. Wenn deine Frau jetzt schon zögert, würde ich eher klein starten. Du bist in den drei Wochen auch Türsteher, Koch und Puffer.
Aus Mama-Sicht: Bitte nimm das Zögern deiner Frau ernst. Nach der Geburt ist man körperlich und emotional oft viel offener, als man vorher denkt. Ich wollte beim ersten Kind niemanden enttäuschen und saß dann wund, müde und heulnah auf dem Sofa, während Besuch Kaffee wollte. Das war nicht böse gemeint, aber zu viel.
Beim zweiten Kind haben wir gesagt: die ersten Tage nur wir, dann kurze Besuche nach Absprache, maximal eine Stunde. Wer kommt, bringt Essen mit oder erledigt etwas. Kein Herumreichen des Babys, wenn ich das nicht möchte. Freundlich formuliert: „Wir freuen uns auf euch, aber wir brauchen erstmal Ruhe zum Ankommen.“ Das reicht.
@reiner_zufall, ich habe beim ersten Kind unterschätzt, wie sehr ich selbst im Wochenbett gebraucht werde. Nicht nur fürs Baby, sondern für alles drumherum: Getränke hinstellen, Essen organisieren, Hebammeninfos merken, Besuch bremsen, nachts mit wach sein. Drei Wochen frei sind Gold wert, aber sie sind nicht Urlaub mit Babyshow.
Wir haben Großeltern konkret eingebunden: „Könnt ihr am Dienstag Auflauf bringen und eine Stunde bleiben?“ Das klang weniger abweisend als „kommt nicht“. Gleichzeitig gab es keine Übernachtungen in den ersten zwei Wochen. Wer beleidigt war, musste damit leben. Das Baby und die Erholung deiner Frau sind wichtiger als erwachsene Erwartungen.
Aus Partnerinnen-Sicht kann ich @lena.87 nur unterstreichen. Dieses „Wir kommen nur kurz“ ist nach der Geburt manchmal trotzdem zu viel, weil kurz eben nicht kurz ist, wenn man vorher stillt, danach blutet, zwischendurch heult und eigentlich duschen wollte. Bei uns war hilfreich, dass mein Partner die Kommunikation komplett übernommen hat. Nicht ich musste meiner Schwiegermutter erklären, warum heute nicht passt, sondern er. Und zwar ohne mich als „die will nicht“ vorzuschieben. Eher: „Wir brauchen heute Ruhe, wir melden uns.“ Das hat sich für mich sicher angefühlt.
@reiner_zufall, wir sind gerade noch relativ nah dran an der Baby-Anfangszeit. Ich hatte mir vorher auch vorgestellt, dass Besuch irgendwie dazugehört und schön ist. War es teilweise auch, aber nur, wenn die Leute wirklich gekommen sind, um zu helfen. Meine Eltern haben Essen vor die Tür gestellt, Baby einmal angeschaut, 20 Minuten später weg. Das war top. Andere wollten sitzen, erzählen, Kaffee. Das war anstrengend. Ich würde vorher klare Spielregeln formulieren und nicht im Wochenbett diskutieren. Schlafmangel macht aus kleinen Grenzüberschreitungen schnell riesige Konflikte.
@reiner_zufall, ich würde Besuch im Wochenbett eher wie ein Medikament dosieren: kann helfen, kann aber Nebenwirkungen haben :) Beim ersten Kind hatten wir zu viele „nur kurz“-Besuche. Alle waren lieb, aber nach dem dritten Kaffee musste irgendwer Tassen wegräumen, und das waren am Ende wir.
Beim zweiten Kind haben wir vorher klare Regeln gesagt: maximal eine Stunde, niemand kommt krank, Essen mitbringen ist besser als Blumen, und Baby wird nicht von Arm zu Arm gereicht. Das klang streng, war aber viel entspannter. Wer beleidigt war, war ehrlich gesagt nicht unser größtes Problem.
Drei Wochen frei, wie @rasenmähermann schreibt, finde ich auch realistisch wertvoll. Nicht als Urlaub mit Baby, sondern als Schutzraum. Du hältst Alltag, Besuch, Einkauf, Hebammeninfos und manchmal auch die Stimmung zusammen. Das ist nicht glamourös, aber genau da beginnt Vatersein sehr praktisch.
@C.A.M., „Besuch wie Medikament dosieren“ merke ich mir :) Wir haben bei unserer Kleinen am Anfang gemerkt, dass Hilfe und Besuch zwei völlig verschiedene Dinge sind. Hilfe war: Suppe hinstellen, Müll mit runternehmen, nach 40 Minuten gehen. Besuch war: auf dem Sofa sitzen, Baby halten wollen und fragen, ob noch Kaffee da ist.
Ich war in Elternzeit und dachte vorher, ich hätte dann ja Zeit. Aber Wochenbettzeit ist nicht frei, sie ist nur anders voll. Stillen, Spucken, Wickeln, Schlafversuche, Hebamme, kurze emotionale Abstürze, dazu Haushalt auf Sparflamme.
Was ich jedem werdenden Vater raten würde: Vorher mit der Partnerin Besuchsregeln absprechen und sie dann auch vertreten. Nicht im Kreißsaal oder am zweiten Tag fragen: „Darf meine Mutter kurz kommen?“ Da ist man als Partner gefragt, Schutzschild zu sein, auch wenn Oma kurz schmollt.
Aus Mama-/Partnerinnen-Sicht: Ich würde Besuchsregeln wirklich vorher besprechen, nicht erst, wenn das Baby da ist und alle emotional sind. Nach der Geburt ist man körperlich und seelisch so offen, dass selbst liebe Menschen zu viel sein können. Ich hatte beim ersten Kind das Gefühl, funktionieren zu müssen, weil alle sich so freuten.
Was mir geholfen hätte: Mein Partner sagt klarer ab, ohne mich als Grund vorzuschieben. Also nicht „Claudia möchte nicht“, sondern „Wir machen heute keinen Besuch“. Das schützt die Mutter davor, als empfindlich oder zickig dazustehen.
Und Hilfe bitte konkret. Essen vor die Tür, Einkauf, Geschwisterkind zum Spielplatz. Nicht zwei Stunden Baby halten, während die Wäsche weiterliegt. Ich finde es schön, wenn Familie Anteil nimmt. Aber Wochenbett ist keine öffentliche Kennenlernveranstaltung. Es ist Heilung, Ankommen und manchmal einfach nur Überleben bis zur nächsten Dusche.
@frau_wagner, genau das mit „vorher besprechen“ kann ich nur unterschreiben. Im Wochenbett ist man nicht mehr in der Lage, noch diplomatisch Familienpolitik zu betreiben. Beim ersten Kind dachte ich: Ach, wir schauen spontan. Ergebnis: spontane Überforderung.
Beim zweiten hatten wir eine klare Ansage: die ersten Tage niemand, danach nur nach Einladung, maximal eine Stunde, kein Weiterreichen des Babys wie ein Pokal. Und wer kommt, bringt Essen mit oder erledigt etwas. Klingt unromantisch, war aber viel liebevoller als diese offene Tür für alle.
> Hilfe und Besuch zwei völlig verschiedene Dinge
@windelwechselprofi, das ist der Kernsatz. Meine Schwägerin kam einmal, stellte Lasagne hin, räumte die Spülmaschine aus und ging wieder. Das war der beste Besuch der ersten Wochen :) Kaffee trinken und Geburtsbericht abfragen kann warten.
Aus Mama-/Partnerinnen-Sicht: Ich finde wichtig, dass der Partner die Besuchsgrenze auch nach außen vertritt. Nicht nur gemeinsam beschließen und dann bei der eigenen Mutter einknicken, weil „sie meint es doch gut“. Natürlich meinen es die meisten gut. Trotzdem lag ich da mit Milcheinschuss, Schmerzen und Tränen wegen einer falsch geschnittenen Brotscheibe.
Mir hat geholfen, dass mein Mann Sätze vorher parat hatte: „Wir melden uns, wenn wir bereit sind.“ Oder: „Heute passt es nicht, danke fürs Verständnis.“ Ohne große Erklärung. Je mehr erklärt wird, desto mehr wird verhandelt.
Und bitte nicht die frisch gebackene Mama zur Empfangschefin machen. Wenn Besuch da ist, sollte der Vater mitdenken: Getränke, Dauer, Abschied einleiten. Ich wollte damals nicht unhöflich sein und habe viel zu lange durchgehalten.
Noch ein Gedanke zum Vaterschaftsurlaub: Plant nicht nur Besuchsabwehr, sondern auch echte Ruhezeiten für euch als neues Team. Ich hatte beim ersten Kind frei und habe die freie Zeit teilweise mit Orga vollgestopft. Amt, Einkaufen, Baumarkt, Verwandtschaft informieren. Alles wichtig, aber ich war kaum einfach da.
Beim zweiten habe ich bewusster geblockt: Vormittag nur Baby/Mama/Haushalt, keine Termine außer medizinisch nötig. Handy auf leise, Familienchat nicht im Minutentakt bedienen. Das war deutlich besser.
@C.A.M., dein Medikamentenvergleich passt auch hier: Besuch, Nachrichten, Aufgaben, alles dosieren. Und wenn jemand beleidigt ist, weil er das Baby erst nach zehn Tagen sieht, ist das ein Erwachsenengefühl. Das Neugeborene führt keine Gästeliste. Wochenbett ist kein Tag der offenen Tür, sondern Regeneration und Kennenlernen.
@Stromer_81, ja! Ruhezeit als neues Team wird so oft vergessen. Aus Partnerinnen-Sicht war für mich nicht nur der Besuch anstrengend, sondern auch dieses dauernde „Wir müssen noch schnell…“. Schnell zur Apotheke, schnell Fotos schicken, schnell die Geburtskarte besprechen. Nichts davon fühlte sich schnell an.
Ich war meinem Partner sehr dankbar, als er irgendwann sagte: „Heute passiert außer Stillen, Wickeln, Essen und Schlafen nichts.“ Das klang fast zu einfach, war aber genau richtig.
Und zu Besuch: Wenn vorher klar ist, dass der Partner absagt, muss die frisch gebackene Mama nicht mit wunden Brustwarzen und Tränen in den Augen noch freundlich Grenzen erklären. Das ist wirklich Partnerschaft, nicht Türsteher spielen.
@bine_1985, dein Satz „nicht einknicken, weil sie es gut meint“ ist Gold wert. Genau daran scheitert es oft. Natürlich meint Oma es gut. Trotzdem kann gut gemeinter Besuch im falschen Moment einfach zu viel sein.
Ich habe beim zweiten Kind vorher eine Nachricht an Familie geschrieben: Wir melden uns, wenn Besuch passt. Keine Überraschungen, keine beleidigten Nachfragen. Das war anfangs ungewohnt, aber alle haben es überlebt :)
@Stromer_81 hat recht: Urlaub nach Geburt ist nicht automatisch Erholung, wenn man ihn mit Orga füllt. Ich habe bewusst jeden Tag einen Mittagsschlafblock geschützt. Nicht romantisch, aber lebensrettend.
@bine_1985, dieses „schnell noch“ ist im Wochenbett wirklich tückisch. Ich dachte damals, ich entlaste, wenn ich alles sofort erledige. In Wahrheit war ich dauernd unterwegs und meine Frau saß mit Baby allein da.
Beim zweiten Kind habe ich mir eine simple Frage gestellt: Muss das heute sein, oder hält die Welt es bis nächste Woche aus? Sehr viel hielt aus. Besuch haben wir klarer gesteuert. Nicht: „Kommt gern mal vorbei.“ Sondern: „Samstag 15 Uhr für eine Stunde, wenn es uns gut geht.“ Das klingt streng, war aber friedlicher für alle.
@rasenmähermann, danke für den Punkt mit der Nachricht an die Familie. Aus Mama-Sicht ist es eine enorme Entlastung, wenn der Partner diese Grenze wirklich übernimmt. Nicht nur danebenstehen und sagen: „Du musst halt sagen, wenn es dir zu viel ist.“
Nach Geburt ist man müde, wund, hormonell durcheinander und will trotzdem niemanden verletzen. Da hilft ein Partner, der freundlich klar ist: Heute kein Besuch. Oder: Bitte nur kurz und bringt Essen mit. Ich musste mich dann nicht auch noch rechtfertigen. Das war für mich echte Unterstützung.
Wir haben beim zweiten Kind eine kleine Standardnachricht vorbereitet. Kein Roman, nur: „Wir melden uns, wenn wir bereit für Besuch sind. Bitte nicht unangekündigt kommen.“ Ich hatte erst Angst, das wirkt hart. Am Ende waren die meisten dankbar für klare Worte.
@Stromer_81, Ruhezeit als Team unterschreibe ich. Ich war beim ersten Kind ständig auf Achse und nannte es kümmern. Meine Frau brauchte aber oft einfach, dass ich neben ihr sitze, Wasser nachfülle, Essen warm mache und das Handy weglege. Das war weniger sichtbar, aber viel wichtiger.
@abendbrot_papa, so eine Standardnachricht hätte uns beim ersten Kind viel Stress erspart. Ich habe damals jeden Besuch einzeln weichgespült. „Vielleicht kurz, wenn es passt, wir schauen mal.“ Das war für manche wie eine Einladung zum Nachhaken.
Beim zweiten Kind war ich klarer. Ich habe geschrieben, dass wir uns melden und dass Essen vor der Tür sehr willkommen ist. Wer beleidigt war, musste damit leben. Wochenbett ist nicht die Zeit, in der die frisch gebackene Mutter diplomatisch alle Gefühle der Verwandtschaft sortiert. Das ist Job vom anderen Elternteil.
@C.A.M. schreibt hier zwar schon, aber ich nicke bei meinem alten Fehler innerlich nochmal. Dieses „Ich erledige schnell alles“ sah nach Hilfe aus und war manchmal Abwesenheit mit gutem Gewissen.
Wenn ich heute einem werdenden Vater einen Satz geben müsste: Sei im Wochenbett nicht der Projektleiter draußen, sondern der ruhige Mensch drinnen. Einkaufen ja, Apotheke ja, aber nicht fünf Zusatzwege, weil man sich nützlich fühlen will. Manchmal ist nützlich, neben der Mutter zu sitzen, Wasser nachzuschenken, Besuch abzufangen und das Baby zu nehmen, damit sie duschen kann.
Aus Mama-Sicht: Bitte unterschätzt nicht, wie schwer es nach Geburt sein kann, selbst Grenzen zu setzen. Ich war beim ersten Kind freundlich, müde und wund, und habe trotzdem noch Kaffee angeboten. Nicht, weil ich Besuch wollte, sondern weil mein Autopilot „Gastgeberin“ lief.
Darum fand ich es beim zweiten Kind so wichtig, dass mein Mann vorher sagte: „Ich kümmere mich um die Tür und die Nachrichten.“ Nicht fragen: „Soll ich deine Mutter absagen?“ Sondern gemeinsam vorher klären und dann handeln. Das fühlt sich nach Schutz an, nicht nach Bevormundung.
@bine_1985, Autopilot Gastgeberin ist ein starkes Bild. Ich habe das bei meiner Frau zu spät verstanden. Sie sagte zwar „geht schon“, aber ihr Gesicht sagte etwas ganz anderes. Ich hätte nicht auf das höfliche Wort hören sollen, sondern auf die Lage.
Beim zweiten Kind habe ich Besuch nicht mehr durchgereicht. Eine Person, kurze Zeit, kein Baby auf Wanderschaft. Und wenn Stillen, Schlaf oder Tränen dran waren, war Besuch vorbei. Nicht unfreundlich, sondern normal.
@rasenmähermann, dieses Weichspülen kenne ich. „Vielleicht kurz“ ist für manche Leute leider ein Termin mit offenem Ende. Beim zweiten Kind habe ich auch gemerkt, dass klare Sätze weniger Streit machen als freundliche Nebelwolken.
Unsere Nachricht war: „Wir kommen erstmal zuhause an. Besuch planen wir später. Essen vor der Tür nehmen wir gern.“ Das hat sogar manchen geholfen, weil sie wussten, was wirklich nützt. Niemand musste raten, ob Blumen, Kaffee oder Babyhalten gefragt ist.
@abendbrot_papa, „freundliche Nebelwolken“ trifft es leider. Aus Mama-Sicht war für mich nicht der Besuch an sich das Problem, sondern dieses offene Ende. Wenn jemand mit Kuchen kam und dann zwei Stunden auf dem Sofa saß, war ich danach komplett leer.
Ich fand klare Sätze von meinem Partner sehr entlastend. „Heute nicht“ oder „Eine halbe Stunde, ich mache danach die Tür wieder zu.“ Nicht grob, aber eindeutig. Und bitte nicht die frisch gebackene Mama fragen, während Besuch schon im Flur steht. Dann sagt sie aus Höflichkeit oft ja. Vorher zusammen absprechen, danach schützen. Das ist Liebe in Jogginghose.
@bine_1985, Liebe in Jogginghose ist schön gesagt. Ich habe beim ersten Kind zu sehr auf Harmonie mit der Verwandtschaft geachtet. Alle sollten sich gesehen fühlen, Baby gucken, Kaffee bekommen. Meine Frau saß daneben wie ein Akku bei zwei Prozent.
Beim zweiten Kind war ich klarer. Besuch erst nach Nachricht von uns, keine spontanen Runden, Kaffee macht sich jeder selbst oder es gibt keinen. Klingt kleinlich, war aber friedlicher. @Stromer_81, dieses aufs Gesicht achten statt auf „geht schon“ habe ich auch gelernt. „Geht schon“ heißt im Wochenbett manchmal: Bitte merk es selbst.
@abendbrot_papa, Akku bei zwei Prozent kenne ich aus dem Wochenbett meiner Frau noch ziemlich deutlich. Nur hatte ich damals nicht den Blick dafür. Ich dachte: Besuch freut sich, Baby schläft, läuft doch. Dass meine Frau innerlich nur noch „bitte alle raus“ dachte, habe ich zu spät gemerkt.
Beim zweiten Kind war unser Satz an die Familie: „Kurzer Besuch ja, wenn wir uns melden. Kein Weiterreichen, kein Kaffeeprogramm.“ Manche fanden das erstmal kühl. War mir dann aber egal.
@bine_1985, Liebe in Jogginghose ist super. Genau das ist Wochenbett. Nicht Empfang, nicht Show, nicht Familienfest. Eher Suppe, Wäsche, Ruhe und leise Türen.
@abendbrot_papa, ich glaube, viele Partner unterschätzen dieses offene Ende. Für Besuch klingt „nur kurz“ harmlos. Für eine frisch gebackene Mutter kann jede Minute nach der eigenen Grenze zu viel sein.
Aus Mama-Sicht fand ich am besten, wenn mein Mann vorher sagte: „Wir haben 30 Minuten, dann ruht sie.“ Nicht: „Mal schauen, wie es läuft.“ Denn dann muss ich währenddessen Signale senden, hoffen, dass er sie liest, und mich am Ende schlecht fühlen.
Und bitte keine Babyübergabe ohne Blick zur Mutter. Manchmal wollte ich das Baby bei mir behalten, auch wenn Tante oder Oma schon die Arme ausstreckten. Da braucht es keinen großen Streit, nur einen Partner, der sagt: „Heute bleibt es bei Mama.“
@bine_1985, danke für die Mama-Sicht. Wir sind kurz vor der Geburt und ich merke, wie schnell ich in Gastgebermodus rutsche. Meine Mutter fragt schon, wann sie „nur kurz“ kommen kann. Früher hätte ich gesagt: Klar, wir melden uns spontan.
Jetzt habe ich mit meiner Partnerin besprochen, dass ich der Türsteher bin, freundlich aber klar. Erst ankommen, dann sehen wir weiter. Kein Besuch ohne Uhrzeit und Ende. Wenn sie stillen, schlafen oder weinen will, ist das kein Sonderfall, sondern Wochenbett.
@abendbrot_papa, Akku bei zwei Prozent habe ich meiner Partnerin vorgelesen. Sie nickte sehr deutlich ;)
@bastian.k, mach es wirklich vorher klar. Im Wochenbett noch zu verhandeln ist Mist. Da ist man müde, stolz, dünnhäutig und will niemanden verletzen. Genau dann sagt man schnell ja, obwohl der Körper nein schreit.
Bei uns stand auf dem Zettel am Kühlschrank: Besuch nur nach Absprache, maximal 45 Minuten, Essen gern, Baby rumreichen nein. Klingt hart, war aber entspannter als diese offene Kaffeerunde.
Und du darfst ruhig derjenige sein, der beendet. „Wir machen jetzt Pause“ reicht. Nicht erklären, nicht entschuldigen, nicht noch Kuchen einpacken. Deine kleine Familie ist in dem Moment der Mittelpunkt, nicht die Erwartung der Verwandtschaft.
@bastian.k, mach die Besuchsregel wirklich vor der Geburt klar. Nicht als große Ansage gegen die Familie, sondern als Schutz für euch. „Wir melden uns, wenn wir bereit sind“ ist ein vollständiger Satz.
Beim ersten Kind hatten wir zu viel Besuch. Alle meinten es lieb, aber danach lagen wir da mit leerem Kühlschrank, vollem Wohnzimmer und einem Baby, das nicht runterkam. Beim zweiten Kind gab es Zeitfenster und klare Aufgaben. Wer kommt, bringt Essen mit oder stellt die Spülmaschine an. Baby gucken allein war kein Beitrag.
@bine_1985, das offene Ende ist genau der Punkt. „Nur kurz“ kann im Wochenbett sehr lang sein.
@bastian.k, ich war beim ersten Kind auch sofort im Gastgebermodus. Kaffee kochen, Kuchen hinstellen, noch schnell aufräumen. Völlig irre, wenn ich zurückblicke. Meine Partnerin saß müde auf dem Sofa und ich fragte Gäste, ob sie Milch möchten.
Beim zweiten Mal würde ich es so machen: Besuch nur nach Absprache, maximal eine Stunde, keine Übergabe von Baby zu Babyarm, wenn die Mutter das nicht will. Und ich wäre der Türsteher, nicht der Kellner.
@rasenmähermann, Kühlschrankzettel finde ich gut. Wenn man es vorher aufschreibt, muss man im müden Moment nicht mutig formulieren.
@bastian.k, ich würde wirklich vorher einen Satz festlegen, den ihr beide sagen könnt, ohne zu diskutieren. Bei uns war es: „Heute passt es nicht, wir melden uns.“ Mehr nicht.
Beim ersten Kind haben wir jeden Besuch reingelassen, weil alle so lieb waren. Danach war das Wohnzimmer voll und meine Frau leer. Beim zweiten Kind gab es kurze Besuche, Essen durfte mitgebracht werden, Baby wurde nicht weitergereicht. Das war für uns viel ruhiger und für das Baby auch.
@bastian.k, aus Mama-Sicht: Bitte nicht erst im Wochenbett fragen, was deine Partnerin möchte. Da ist man oft zu müde, um klare Grenzen freundlich zu verpacken. Klärt vorher, wer kommen darf, wie lange und was passiert, wenn es doch zu viel ist.
Mir half sehr, dass mein Mann Besuch rausbegleitet hat, ohne mich als Grund vorzuschieben. Also nicht: „Sie kann nicht mehr.“ Sondern: „Wir machen jetzt Pause.“ Das fühlt sich viel mehr nach Team an.
@abendbrotpapa, Gastgebermodus trifft es leider. Ich habe beim ersten Kind auch gedacht, ich müsste beweisen, dass wir alles im Griff haben. Kaffee, Kekse, Baby zeigen, Geburt erzählen. Danach saßen wir da wie zwei leere Akkus.
Beim zweiten Kind würde ich es so machen: Besuch erst ab Tag X, nur eine Stunde, Essen mitbringen, keine Erwartung an Ordnung. Und wenn das Baby schläft, schläft es. Dann wird nicht extra geweckt, nur weil jemand gerade Zeit hatte.
@abendbrotpapa, Gastgebermodus ist im Wochenbett echt eine Falle. Aus Partnerinnen-Sicht: Wenn Besuch kommt, sollte der nicht bewirtet werden, sondern helfen oder schnell wieder gehen. Eine Suppe mitbringen, Müll runterbringen, kurz Baby anschauen, fertig.
@bastian.k, ich würde vorher mit deiner Partnerin auch klären, wer Nachrichten beantwortet. Nach der Geburt hatte ich keine Lust, jedem einzeln freundlich zu schreiben. Mein Mann hat damals gesammelt geantwortet: „Uns geht es gut, wir melden uns, wenn Besuch passt.“ Das war so eine Entlastung.
@bastian.k, beim ersten Kind haben wir Besuch wie einen Pokal rumgereicht. Alle waren glücklich, nur wir waren danach platt. Beim zweiten Kind gab es klare Zeitfenster. Maximal eine Stunde, keine spontanen Runden, niemand kommt krank. Klingt streng, war aber friedlicher.
> Heute passt es nicht, wir melden uns.
Dieser Satz von @Stromer_81 ist Gold. Du musst nicht erklären, warum es nicht passt. Baby schläft, Mama weint, Papa stinkt nach drei Tagen ohne Dusche, alles legitime Gründe. Aber du musst sie nicht alle nennen.
@bastian.k, rechne damit, dass ihr eure Meinung ändern dürft. Vorher sagt man leicht: Klar, Oma kann am zweiten Tag kommen. Dann ist das Baby da, die Nacht war wild, und plötzlich fühlt sich selbst lieber Besuch zu viel an.
Ich würde allen vorher sagen: „Wir planen erstmal vorsichtig und schauen tagesformabhängig.“ Das nimmt Druck raus. Und wenn jemand beleidigt ist, darf er beleidigt sein. Das Wochenbett ist nicht der Moment, in dem ihr erwachsene Verwandte emotional bei Laune halten müsst. Eure kleine Familie hat Vorrang.
@Stromer_81, das mit dem Pokal rumreichen kenne ich leider. Bei uns war es zwar nett gemeint, aber nach drei Besuchen am Wochenende war meine Frau blass und ich stand abends noch mit Tassen in der Küche.
@bastian.k, ich würde Besuch nicht nach Verwandtschaftsgrad planen, sondern nach Wirkung. Wer Ruhe reinbringt, darf eher kommen. Wer erwartet, dass Kaffee da ist und das Baby wach gezeigt wird, kommt später. Sagt vorher klar: kurze Besuche, keine kranken Leute, kein Bewirten. Und wenn ihr nach 20 Minuten merkt, es reicht, dann ist Schluss. Ihr müsst im Wochenbett keine Gastgeber sein.
@papierkram_hasser, dieses „Meinung ändern dürfen“ ist aus Partnerinnen-Sicht Gold wert. Ich hatte vor der Geburt auch gedacht, ich will meine Mutter sofort sehen. Nach der Geburt wollte ich erstmal duschen, schlafen und nicht erklären, warum ich weine.
@bastian.k, sprich mit deiner Partnerin nicht nur darüber, wer kommen darf, sondern auch über ein Abbruchsignal. Ein Wort oder Blick, bei dem du Besuch freundlich rausbegleitest. Nicht fragen: „Geht es noch?“ vor allen Leuten. Dann sagt man oft ja, obwohl man nein meint. Lieber vorher abmachen: Wenn sie sagt „Ich bin müde“, machst du die Tür langsam wieder frei.