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Sohn redet nur mit mir, kaum noch mit seiner Mutter

Gestartet von maik_2000 · 21. Juni 2026

maik_2000Eröffnung
Vielleicht ein etwas ungewöhnliches Thema: Mein Sohn (15) redet in letzter Zeit fast nur mit mir, und seine Mutter fühlt sich richtig ausgeschlossen und ist verletzt. Ich freue mich einerseits über den guten Draht zu ihm, andererseits tut mir meine Frau leid und ich will da auf keinen Fall zum Keil zwischen den beiden werden. Kennt ihr das, und wie geht man damit um, ohne dass sich einer zurückgesetzt fühlt?
ronny_b
Bei uns war es andersrum, da lief alles über die Mutter und ich stand außen vor. Das tat weh, ich weiß also, wie sich deine Frau gerade fühlt. Was mir geholfen hat: dass meine Frau mir bewusst Räume überlassen hat, gemeinsame Sachen nur mit ihm, ohne dass sie dabei war. Vielleicht kannst du das umgekehrt machen und deiner Frau aktiv Themen zuspielen, 'das kann dir Mama besser erklären', damit sie ihre eigenen Anknüpfungspunkte bekommt.
bine_1985
> ich weiß also, wie sich deine Frau gerade fühlt Genau da war ich auch, @ronny_b, ich melde mich mal als Mama, weil ich genau die Rolle hatte. Am meisten geholfen hat mir zu verstehen, dass es keine Ablehnung von mir war, sondern eine Phase. Jugendliche suchen sich mal den einen, mal den anderen Elternteil, und das wechselt oft wieder. Gutgetan hat mir, wenn mein Mann mich nicht 'ersetzt', sondern eingebunden hat, indem er zu Hause positiv von den Gesprächen erzählt hat, ohne Details zu verraten. So habe ich mich als Teil des Teams gefühlt statt abgehängt.
tino_ausm_pott
Wichtig finde ich, dass du vor dem Sohn nie den Eindruck erweckst, ihr zwei wärt ein Bund gegen die Mutter, sonst zementierst du das nur. Bleib der, der die Brücke baut. Und sag deiner Frau ruhig direkt, dass das eine Phase ist und nichts mit ihr als Mutter zu tun hat, das hört sie in dem Moment wahrscheinlich dringend.
maik_2000
Danke, das ordnet das für mich. Ich werde bewusst zur Brücke, spiele Themen aktiv an meine Frau zurück und erzähle zu Hause positiv, ohne sein Vertrauen zu brechen, guter Punkt @tino_ausm_pott mit dem 'kein Bund gegen die Mutter'. Und @bine_1985, danke für die Mama-Sicht, ich sage meiner Frau heute Abend, dass es eine Phase ist und nichts gegen sie.
pixel_kalle
> kein Bund gegen die Mutter Das finde ich zentral, @tino_ausm_pott. Bei uns war es eine Zeit lang ähnlich, nur andersrum: Unsere Tochter kam mit allem zu meiner Frau, und ich stand daneben wie der Hausmeister. Was mir geholfen hätte, wäre genau dieses bewusste Brückenbauen gewesen. Also nicht beleidigt zurückziehen, aber auch nicht drängen. Wenn dein Sohn dir etwas erzählt, könntest du manchmal sagen: Das wäre auch ein gutes Thema für Mama, soll ich dabei sein, wenn du es ihr sagst? So bleibt sein Vertrauen gewahrt und sie wird nicht ausgeschlossen.
dirk_b
@maik_2000, ich finde gut, dass du das nicht als „gewonnen“ verbuchst, sondern wirklich als Brückenjob siehst. Das ist schwerer, als es klingt. Bei uns war eine Zeit lang ich derjenige, der von unserem Sohn alles über Schule, Freunde und Stress erfahren hat. Meine Frau war sichtbar verletzt, hat aber versucht, es nicht zu zeigen. Was geholfen hat: Ich habe nicht direkt alles weitergetragen, aber Themen bewusst geöffnet. Also eher: „Deine Mutter kennt sich da besser aus, wollen wir sie mal fragen?“ oder „Erzähl ihr das mit dem Trainer ruhig selbst, sie freut sich.“ Dadurch blieb sein Vertrauen bei mir, aber sie war nicht außen vor. > kein Bund gegen die Mutter Das ist echt der entscheidende Punkt. Teenager testen Nähe manchmal sehr einseitig, aber wir Erwachsenen müssen das System stabil halten.
reboot_now
@maik_2000, ich finde dieses Brückenbauen sehr wichtig, aber auch heikel. Unser Sohn erzählt mir manche Teenager-Themen eher nebenbei beim Autofahren. Wenn ich danach sofort zur Mutter renne, ist das Vertrauen weg. Ich versuche deshalb zu unterscheiden: Ist es nur sein Gefühl, dann frage ich, ob er möchte, dass ich es mit seiner Mutter anspreche. Betrifft es die Familie oder etwas Ernstes, sage ich offen, dass ich es nicht komplett für mich behalten kann. Und ich erzähle ihm auch bewusst, wo seine Mutter gute Punkte hat. Nicht als Werbung, sondern damit kein stilles Lager entsteht.
pixel_kalle
@dirk_b, dein Hausmeister-Bild hat mich erwischt, weil ich genau so neben meiner Tochter stand, als sie eine Phase lang nur zu meiner Frau ging. Man fühlt sich schnell abgewertet, obwohl das Kind gar keine Rangliste aufmacht. @maik_2000, ich würde aufpassen, dass du die Rolle nicht heimlich genießt. Das klingt hart, aber ich kenne diesen kleinen inneren Triumph: Zu mir kommt er wenigstens. Genau da muss man gegensteuern. Nicht Vertrauen verraten, aber Türen öffnen: Das wäre auch ein Thema, das Mama gut versteht. Oder: Frag sie mal, die kennt das von sich.
torben_hh
@maik_2000, ich kenne diese Schieflage von unserer Tochter. Eine Zeit lang kamen alle Schul- und Freundinnenthemen zu mir, meine Frau bekam nur Einsilber. Erst war ich ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz, bis ich gemerkt habe, wie weh das meiner Frau tut. Was geholfen hat: Ich habe nicht Inhalte weitergetragen, sondern Brücken gebaut. Also eher: „Mama würde gern heute Abend mit dir die Serie weiterschauen“ statt „Ich weiß jetzt alles und vermittle“. Und ich habe unserer Tochter gesagt, dass ich mich freue, wenn sie mir vertraut, aber dass Mama nicht Gegnerin ist. Das musste mehrfach kommen, ohne Druck. Vertrauen bleibt, Beziehung wird breiter.
torben_hh
@maik_2000, ich finde, du hast da eine ziemlich verantwortungsvolle Rolle. Nicht Vermittler im Sinne von „ich bringe alles zur Mutter“, sondern eher Türöffner. Unser 15-Jähriger erzählt mir auch manchmal Dinge, die meine Frau erst später erfährt. Wenn ich das sofort weitertrage, ist der Kanal dicht. Was bei uns hilft: Ich sage manchmal ganz offen: „Das klingt so, als wäre es gut, wenn Mama das auch weiß. Willst du es ihr sagen oder soll ich mit dabeisitzen?“ Dann bleibt es bei ihm und ich mache keinen Geheimdienst daraus. @reboot_now hat recht: Es gibt einen Unterschied zwischen Vertrauen und notwendigem Weitergeben. Gefahr, Selbstverletzung, Mobbing, ernste Sachen, da bin ich nicht neutral. Aber bei Gefühlen oder Genervtsein halte ich erstmal die Klappe.
sandra_b
Ich schreibe mal aus Partnerinnen-Sicht: Für die Mutterseite kann das echt wehtun, auch wenn man rational weiß, dass Teenager phasenweise ihre Ansprechpersonen wechseln. Bei uns war ich eine Zeit lang „die Nervige“, mein Mann der entspannte Zuhörer. Das war nicht schön. Was mir geholfen hätte: nicht jedes Detail zu erfahren, aber von meinem Mann gespiegelt zu bekommen, dass ich nicht unwichtig bin. Also nicht: „Tja, mit mir redet er halt“, sondern eher: „Er braucht gerade weniger Fragen, aber du bist ihm nicht egal.“ @maik_2000, vielleicht kannst du deine Frau stärken, ohne euren Sohn zu verraten. Und vielleicht kleine Situationen schaffen, in denen sie nicht gleich ein großes Gespräch starten muss. Autofahrt, Einkauf, Hundespaziergang, sowas.
sandra_b
Aus Mama-/Partnerinnen-Sicht: Es tut weh, wenn ein Kind scheinbar nur noch zum anderen Elternteil geht, auch wenn man rational weiß, dass das keine Liebeswertung ist. Was mir damals geholfen hätte: nicht zu hören „Stell dich nicht so an“, sondern dass mein Mann meine Kränkung sieht, ohne dem Kind Schuld zu geben. @maik_2000, vielleicht kannst du deiner Partnerin auch kleine, machbare Türen öffnen. Nicht: „Rede jetzt mal mit Mama über dein Problem“, sondern gemeinsame neutrale Momente ermöglichen. Essen holen, Serie, kurze Autofahrt. Und dem Sohn signalisieren: Mama ist sicher, nicht peinlich, nicht automatisch Drama. Das braucht Geduld, aber es kann sich drehen.
sofa_general_01
@maik_2000, aus Patchwork-Erfahrung würde ich sagen: Pass auf, dass du nicht unbewusst zum „besseren“ Elternteil wirst. Das passiert schnell, wenn ein Teenager den einen Elternteil als entspannt erlebt und den anderen als anstrengend. Kurzfristig fühlt es sich gut an, langfristig entsteht Schieflage. Ich würde deinem Sohn signalisieren: „Du darfst mit mir reden, ich trage nicht alles ungefragt weiter. Aber deine Mutter ist nicht der Gegner.“ Und deiner Frau/Mutterseite gegenüber keine Sprüche wie „Bei mir erzählt er halt“. Das verletzt nur. Vielleicht könnt ihr kleine positive Kontakte zwischen den beiden erleichtern, ohne daraus ein Klärungsgespräch zu machen. Gemeinsam einkaufen, Serie, Hundegang, irgendwas Niedriges. Beziehung repariert sich selten im Familienrat, eher in vielen kleinen Momenten ohne Druck.
Zylinderkopf_Tom
Ich würde auch die Mutter nicht in eine Warteschleife setzen nach dem Motto: „Irgendwann kommt er schon wieder.“ Ja, Phasen wechseln, aber die Kränkung auf Elternseite ist real. Gleichzeitig darf sie ihren Schmerz nicht beim Sohn abladen. Vielleicht könntest du eine Art Übersetzer sein, ohne Geheimnisse zu verraten. Also nicht: „Er hat gesagt, du nervst“, sondern eher: „Ich glaube, er braucht gerade weniger Nachfragen direkt nach der Schule.“ Das ist hilfreicher und weniger verräterisch. Bei uns hat geholfen, dass meine Frau nicht mehr an der Zimmertür „Wie war dein Tag?“ fragte, sondern kleine konkrete Sachen machte: Tee hinstellen, kurze Frage zu Essen, später erst Gespräch. Teenager riechen Erwartungsdruck. Wenn Kontakt nicht sofort bewertet wird, kommt manchmal wieder mehr.
reboot_now
@maik_2000, ich würde versuchen, die Exklusivität nicht zu genießen, auch wenn es sich natürlich erstmal nach Vertrauen anfühlt. Bei meinem Sohn gab es auch Phasen, da kam alles zu mir: Schule, Freunde, Stress. Ich war stolz und habe gleichzeitig gemerkt, dass ich damit schnell eine Schieflage baue. Ich sage dann manchmal bewusst: „Das klingt nach etwas, das Mama auch wissen sollte. Willst du es ihr sagen oder soll ich dir helfen, einen Einstieg zu finden?“ Nicht als Verrat, sondern als Brücke. Manche Dinge bleiben natürlich vertraulich, gerade wenn es nur sortieren ist. Aber wenn es die Familie betrifft, versuche ich ihn nicht in meinem Lager zu behalten. Und zur Mutter: Ich würde ihr nicht sagen „Sei halt lockerer“. Das kränkt nur. Eher übersetzen: Er kommt nicht, weil du unwichtig bist, sondern weil Gespräche mit dir gerade schneller ernst werden. Das kann man ändern, ohne Schuldige zu suchen.
katha_ffm
Aus Mama-/Partnerinnen-Sicht: Ich finde @rene hat einen wichtigen Punkt. Wenn ein Teenager gerade lieber zum Vater geht, kann das für die Mutter richtig weh tun, auch wenn man sich bemüht, erwachsen zu bleiben. Was dann gar nicht hilft, ist, wenn der Vater diese Sonderrolle heimlich genießt oder die Mutter als „zu streng“ darstellt. Ich würde mir wünschen, dass mein Partner in so einer Situation nicht alles weiterträgt, aber Brücken baut. Also nicht vertrauliche Gespräche ausplaudern, sondern dem Kind zeigt: Mama ist kein Gegner. Vielleicht auch mal sagen: „Ich verstehe, dass dich ihre Fragen nerven. Sie fragt aber nicht, weil sie dich kontrollieren will, sondern weil sie dich im Blick behalten möchte.“ Und an die Mutterseite: Man muss die Kränkung bei Erwachsenen abladen, nicht beim Kind. Eine Freundin, Partnergespräch, Spaziergang. Aber nicht: „Warum erzählst du mir nichts mehr?“ Das macht nur dicht.
Zylinderkopf_Tom
@reboot_now, ich finde deinen Hinweis auf die Exklusivität wichtig. Als Vater kann man sich schnell geschmeichelt fühlen: Er vertraut mir, ich bin der sichere Hafen. Das darf man auch kurz schön finden. Aber wenn daraus ein stilles Bündnis gegen die Mutter wird, kippt es. Ich würde dem Sohn nicht sagen: „Du musst mit Mama reden.“ Das erzeugt nur Druck. Eher Brücken bauen: „Das Thema wäre auch für Mama wichtig, wollen wir überlegen, wie du es ihr sagen kannst?“ Oder mit der Mutter absprechen, dass sie kleine, druckfreie Angebote macht. Spaziergang, Fahrt, Küche, keine frontale Gesprächseinladung mit traurigem Blick. > Übersetzungsfunktion Ja, aber vorsichtig. Nicht Geheimnisse weitertragen, sondern Stimmungen entdramatisieren. Der Mutter sagen: „Er zieht sich nicht gegen dich zurück, er sortiert gerade.“ Und dem Sohn zeigen: Mama bleibt ansprechbar, ohne dass er ihre Gefühle reparieren muss.
frau_wagner
Aus Mama-/Partnerinnen-Sicht: Ich kann @katha_ffm sehr gut verstehen. Man nimmt sich vor, erwachsen zu bleiben, und trotzdem tut es weh, wenn das Kind scheinbar an einem vorbeiredet. Gerade als Mutter fragt man sich schnell: Habe ich zu viel gefragt? War ich zu streng? Bin ich peinlich? Was mir helfen würde: wenn der Vater nicht triumphiert, auch nicht subtil. Also keine Sätze wie „Bei mir erzählt er halt mehr“. Das sticht. Besser wäre: „Er redet gerade leichter mit mir, aber du bist ihm nicht egal.“ Und dann wirklich aktiv Brücken bauen. Gleichzeitig sollte die Mutter den Sohn nicht mit ihrer Kränkung belasten. Kein „Früher hast du mir alles erzählt“. Lieber kleine Angebote ohne Erwartungsdruck. Tee machen, kurze Autofahrt, beim Einkaufen fragen: „Brauchst du was?“ Manchmal ist Nähe bei Teenagern sehr unspektakulär.
Zylinderkopf_Tom
@frau_wagner, danke für die Mama-Perspektive. Ich glaube, als Vater kann man leicht unterschätzen, wie sehr dieses „er redet nur mit mir“ beim anderen Elternteil reinhaut. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil man plötzlich das Gefühl hat, draußen zu stehen. Ich würde deshalb bewusst keine Geheimnisecke daraus machen. Wenn mein Sohn mir etwas Persönliches erzählt, petze ich das nicht weiter. Aber ich sage manchmal: „Mama ist nicht gegen dich, auch wenn ihr gerade aneckt.“ Das hält die Tür offen. Und ich versuche meiner Frau nicht triumphierend zu erzählen, dass er mit mir geredet hat. Eher sachlich: Er ist gerade dicht, aber nicht weg.
konsolen_ritter
@Zylinderkopf_Tom, das stille Bündnis ist in Patchwork nochmal eine Extra-Falle. Wenn ein Kind einem Bonus- oder Wochenend-Elternteil mehr erzählt, fühlt man sich schnell besonders wichtig. Aber genau dann muss man aufpassen, nicht gegen den anderen Haushalt zu punkten. Bei uns gilt: Ich höre zu, ich nehme ernst, aber ich kommentiere die Mutter nicht abwertend. Auch nicht mit Augenrollen. Wenn ich etwas anders sehe, sage ich: „Bei uns machen wir es so.“ @frau_wagner, dass es weh tut, finde ich total nachvollziehbar. Teenager meinen mit ihrem Rückzug nicht immer Ablehnung, aber es fühlt sich für Erwachsene trotzdem so an.
reboot_now
@konsolen_ritter, dieses „besonders wichtig fühlen“ ist echt tückisch. Wenn mein Sohn mir etwas erzählt, was er seiner Mutter nicht sagt, merke ich manchmal so einen kleinen Stolz. Und genau da muss ich aufpassen. Ich sage dann eher: „Danke, dass du mir das erzählst. Willst du, dass Mama das auch weiß, oder brauchst du erstmal nur ein Ohr?“ Bei harmlosen Sachen bleibt es bei mir. Bei Themen, die sie als Mutter kennen muss, sage ich vorher, dass ich es nicht komplett für mich behalten kann. Keine Hinterzimmerpolitik, sonst knallt es später.
Zylinderkopf_Tom
@frau_wagner, dein Satz mit dem Schmerz hat bei mir hängen geblieben. Ich glaube, man kann dem Teenager ruhig zeigen, dass beide Eltern da sind, ohne ihn zum Ausgleich zu benutzen. Bei uns hieß das: Wenn unser Sohn mit mir über Schule oder Freunde sprach, habe ich nicht sofort gesagt „Das musst du Mama erzählen“. Das wäre Druck. Aber ich habe später im Alltag kleine Brücken gebaut: „Mama kennt sich damit besser aus, wenn du magst, frag sie mal.“ Und meiner Frau habe ich nicht jedes Wort weitergegeben, sondern eher: „Er braucht gerade wenig Fragen, aber Nähe merkt er.“
dirk_b
@reboot_now, diesen kleinen Stolz kenne ich leider auch. Wenn mein Sohn mir etwas erzählt und meiner Frau nicht, fühlt sich das kurz wie ein Vertrauensorden an. Aber wenn ich den Orden anstecke, hat das Kind ein Problem. Ich sage inzwischen ähnlich wie du: „Danke, dass du mir das sagst. Wollen wir überlegen, ob Mama einen Teil wissen sollte?“ Nicht als Weiterleitung gegen seinen Willen, sondern als Brücke. Wichtig ist auch, mit der Mutter nicht beleidigt darüber zu sprechen. Also nicht: „Mir erzählt er alles.“ Sondern eher: „Er wirkt gerade gestresst, lass uns beide ruhig verfügbar bleiben.“ Nähe ist kein Wettbewerb.
nordwind_84
@frau_wagner, ich fand deinen Hinweis wichtig, den Teenager nicht für den Schmerz der Mutter zuständig zu machen. Jugendliche ziehen sich sonst noch mehr zurück, weil jedes Gespräch gleich eine emotionale Rechnung öffnet. Bei uns hilft Nebenbei-Zeit. Auto fahren, Küche aufräumen, Hund raus, falls vorhanden. Nicht hinsetzen mit „Wir müssen reden“. Da klappt mein Sohn innerlich zu wie ein Taschenmesser. @reboot_now, kurz spiegeln und dann Pause ist schwer, aber gut. „Klingt nervig“ reicht oft. Wenn ich direkt drei Fragen nachschiebe, bereut er schon den ersten Satz. Schweigen ist manchmal keine Wand, sondern eine Tür, die nur langsam aufgeht.
reboot_now
@henning, Nebenbei-Zeit ist hier auch der Schlüssel. Mein Sohn erzählt im direkten Blickkontakt fast nichts. Im Auto oder beim Pfannkuchenwenden kommt plötzlich ein Satz über Schule, der offenbar seit Tagen in ihm lag. Ich musste lernen, nicht sofort mit Taschenlampe reinzuleuchten. Früher kam von mir: „Wie meinst du das? Wer war dabei? Was hat der Lehrer gesagt?“ Danach war Funkstille. Jetzt sage ich eher: „Klingt ätzend.“ Dann rühre ich weiter. Manchmal kommt noch was, manchmal nicht. Und wenn es etwas Wichtiges ist, frage ich später, ob seine Mutter es wissen sollte. Nicht heimlich weitertragen, aber auch nicht als Tresor gegen sie werden.
dirk_b
@reboot_now, dieses nicht mit der Taschenlampe reinleuchten ist schwer. Ich merke bei mir, wie schnell ich aus einem Satz eine ganze Lagebesprechung machen will. Mein Sohn sagt „Mathe nervt“ und ich bin innerlich schon bei Nachhilfe, Lehrer, Zukunft. Was besser klappt: Ich sage nur „Klingt anstrengend“ und mache weiter mit dem, was ich gerade tue. Manchmal kommt dann noch was. Manchmal nicht. Und meiner Frau erzähle ich nicht jedes Detail, sondern eher: „Er wirkt gerade schulmüde, vielleicht gehst du mal locker über Essen rein.“
nordwind_84
@dirk_b, der Vertrauensorden ist ein gutes Bild. Ich glaube, viele Väter kennen dieses kleine innere Aufrichten, wenn der Teenager gerade zu einem selbst kommt. Wichtig ist, dass man daraus keine heimliche Koalition macht. @frau_wagner, ich würde als Mutter trotzdem präsent bleiben, aber ohne Kassenbon. Also nicht: „Warum erzählst du Papa alles und mir nichts?“ Eher: „Ich bin da, wenn du reden willst.“ Und dann wirklich aushalten, wenn erstmal nichts kommt. Teenager testen oft, ob Nähe ohne Druck bleibt.
reboot_now
@nordwind_84, emotionale Rechnung ist genau der Punkt. Mein Sohn riecht es zehn Meter gegen den Wind, wenn ich eigentlich Trost von ihm will. Dann macht er dicht. Ich habe mir angewöhnt, nach einem guten Gespräch nicht sofort mit meiner Frau vor Freude alles auszubreiten. Wenn es sicherheitsrelevant ist, klar. Aber vieles darf erstmal bei mir bleiben. Ich sage meinem Sohn auch: „Ich erzähle Mama nicht jedes Wort, aber ich helfe euch, nicht aneinander vorbeizulaufen.“ Das versteht er besser als lange Elternreden.
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