Unser Sohn ist sechs Wochen alt und schläft nachts maximal zwei Stunden am Stück, oft weniger. Ich arbeite tagsüber Vollzeit und merke, wie ich langsam neben der Spur laufe, ich vergesse Termine, bin gereizt und hatte gestern fast einen Unfall auf dem Heimweg. Meine Frau stillt und ist logischerweise nachts sowieso ständig dran. Wie teilt ihr euch die Nächte auf, damit nicht einer komplett ausbrennt, gerade wenn gestillt wird?
Schlafmangel mit Neugeborenem - wie teilt ihr euch die Nächte?
Gestartet von X_L_80 · 1. Juli 2026
Willkommen im Club der Übermüdeten :) ich schreibe hier auch nicht ohne Grund unter diesem Namen.
Bei uns hat ein festes Schichtsystem den Unterschied gemacht, auch trotz Stillen. Konkret: Ich habe abends nach dem Stillen die 'Wachschicht' übernommen, also das Kind nach dem Anlegen aufnehmen, wickeln, in den Schlaf begleiten. Meine Frau ist dafür direkt wieder eingeschlafen. Ab drei Uhr haben wir getauscht. So hatte jeder einen zusammenhängenden Block von vier, fünf Stunden, und genau dieser durchgehende Schlaf ist es, der einen wieder funktionsfähig macht. Fünf einzelne Stunden über die Nacht verteilt sind viel weniger wert als vier am Stück.
> genau dieser durchgehende Schlaf ist es, der einen wieder funktionsfähig macht
So ist es, @jens_k77. Ich ergänze etwas, das ich viel zu spät kapiert habe: Leg dich tagsüber wirklich hin, wenn das Baby schläft, statt die Spülmaschine auszuräumen. Der Haushalt darf in dieser Phase liegen bleiben, das ist keine Faulheit, das ist Selbsterhaltung. Wir haben uns viel zu lange eingeredet, dass wir das schon hinkriegen, und sind beide auf dem Zahnfleisch gegangen.
Diese Phase geht vorbei, auch wenn sie sich gerade endlos anfühlt, das kann ich dir nach drei Kindern versprechen. Bei allen dreien kam irgendwann zwischen Woche zehn und Woche sechzehn der Punkt, an dem sich der Schlaf plötzlich sortiert hat. Haltet durch, redet miteinander, wenn einer am Limit ist, und rechnet es euch nicht gegenseitig auf, wer müder ist. Ihr macht das gut!
Danke euch, das mit dem zusammenhängenden Block leuchtet total ein, wir haben bisher beide bei jedem Mucks gleichzeitig wach gelegen, das ist ja doppelt blöd. Und @gipfelstürmer, du hast recht, ich lehne Schlaf tagsüber oft aus einer Art Stolz ab. Das ändere ich ab heute!
Kleines Update von uns, falls es jemanden gerade trifft: Wir haben das Schichtsystem jetzt seit knapp zehn Tagen durchgezogen und es wird langsam besser. Nicht perfekt, aber spürbar. Was mir zusätzlich geholfen hat: abends vor der Spätschicht schon mal eine Stunde hinlegen, bevor es losgeht, statt noch 'schnell was zu erledigen'. Klingt banal, aber diese eine Stunde macht den Unterschied zwischen 'ich halte es aus' und 'ich bin ein Zombie'. Haltet durch, das geht wirklich vorbei :)
@andreas_ohv, dieses wirklich Durchschlafen bis 2 Uhr war bei uns auch der Knackpunkt. Am Anfang lag ich in meiner freien Phase trotzdem wach und habe auf jedes Geräusch gelauscht. Totaler Quatsch, aber Kopf ausmachen ist schwer. Wir haben dann bewusst getrennt geschlafen: einer im Schlafzimmer mit Baby, einer auf dem Sofa mit Ohropax. Klingt hart, war aber liebevoller als beide halbtot. > beide bei jedem Mucks gleichzeitig wach Genau das macht einen fertig, @X_L_80. Und tagsüber Schlaf annehmen ist keine Niederlage. Wenn Besuch kommt und fragt, was er tun kann: Babywagen schieben oder Küche machen lassen. Nicht Kaffee kochen und Smalltalk erzwingen.
> Wir haben eine feste Reihenfolge pro Nacht
Das haben wir auch probiert – bei uns war der Knackpunkt, dass die erste Schicht wirklich bis 2 Uhr durchschläft und nicht alle zehn Minuten aufsteht. Seit wir das klar ausgesprochen haben, ist es deutlich entspannter. Kleiner Tipp: Handy weglegen, sonst merkt man den Schlaf gar nicht.
@andreas_ohv, das mit dem wirklich Durchschlafen in der freien Schicht ist der Knackpunkt. Ich habe beim ersten Kind auch gedacht, ich sei besonders aufmerksam, wenn ich trotzdem bei jedem Geräusch hochschrecke. Am Ende waren einfach beide Eltern wach und keiner erholt.
Bei uns hat erst eine klare räumliche Trennung geholfen. Wer frei hatte, lag mit Ohrstöpseln im Schlafzimmer. Wer Dienst hatte, war mit Baby im Wohnzimmer mit Matratze, Wasser, Windeln und allem. Nicht romantisch, aber effektiv. Nach zwei oder drei Stunden wurde gewechselt.
Wichtig fand ich auch, tagsüber nicht aufzurechnen wie Buchhalter. Natürlich war man versucht zu sagen: „Ich hatte aber die schlimmere Schicht!“ Das bringt nachts um vier gar nichts. Lieber einmal am Tag kurz besprechen, was funktioniert und was nicht. Schlafmangel macht aus Kleinigkeiten sonst echt Monster.