Meine Tochter ist 15 und redet kaum noch mit mir. Tür zu, Kopfhörer auf, auf Fragen kommen einsilbige Antworten, alles Wichtige findet mit den Freundinnen statt. Ich weiß, dass das zur Pubertät gehört, aber es tut trotzdem weh, weil wir früher so ein enges Verhältnis hatten. Wie haltet ihr in dieser Phase den Draht zu euren Teenagern, ohne zu nerven?
Mein Teenager zieht sich komplett zurück - wie halte ich den Draht?
Gestartet von altheizer · 24. Juni 2026
Das kenne ich gut, und ja, es gehört leider dazu, aber es tut trotzdem weh, da hast du völlig recht. Diese Ablösung ist notwendig, aber als Vater fühlt es sich erstmal wie ein Verlust an.
Was mir am meisten geholfen hat, war, den Kontakt über gemeinsame Aktivitäten zu halten, statt über direkte Gespräche. Teenager machen bei 'Wollen wir mal reden?' fast reflexartig dicht. Aber beim Autofahren, beim gemeinsamen Kochen oder beim Abwasch nebeneinander, wenn man Schulter an Schulter statt gegenüber ist, kommen plötzlich die ehrlichsten Sätze.
Und signalisiere immer wieder, dass die Tür offen ist, ohne zu drängen. Ich sage ab und zu einfach nur: 'Ich bin da, wenn du reden willst.' Und dann lasse ich es.
> beim Autofahren ... kommen plötzlich die ehrlichsten Sätze
Zu hundert Prozent, @J.D.84, bei uns funktioniert das Auto auch am besten. Ich glaube, es liegt am fehlenden direkten Blickkontakt. Was ich noch gelernt habe: Wenn sie dann von sich aus was erzählt, bloß nicht sofort bewerten oder belehren, sonst macht sie beim nächsten Mal wieder zu. Erstmal nur zuhören, das ist schwer, aber es hält die Tür offen.
Danke, das tut gut zu lesen und ordnet meine Gefühle. Ich habe bisher wahrscheinlich zu viel direkt nachgefragt und damit genau das Gegenteil erreicht. Ich verlege das auf gemeinsame Aktivitäten und übe mich im Zuhören ohne sofort zu kommentieren, danke @J.D.84 und @stefan.schulz88.
> Nebeneinander statt Face-to-Face Das kann ich nur unterschreiben, @nerven_schoner. Bei meinem 16-Jährigen funktionieren Gespräche am besten, wenn ich irgendwas Praktisches mache: Reifen aufpumpen, Grill sauber machen, Getränkekisten wegräumen. Dann steht er plötzlich daneben und erzählt zwei Sätze, manchmal auch zehn. Wenn ich mich dagegen extra hinsetze und sage: Wir müssen mal reden, ist sofort Rollladen unten. Was mir schwerfällt: die Pausen auszuhalten. Früher habe ich jede Stille gefüllt, heute warte ich. Oft kommt nach einer Minute noch der eigentlich wichtige Satz. @altheizer, weniger direktes Fragen ist kein Desinteresse, sondern manchmal genau der Raum, den sie brauchen.
> Nebeneinander statt Face-to-Face
Das ist bei uns gerade der Gamechanger, @altheizer. Beim Abwasch oder in der Autofahrt zum Training plaudert mein 15-Jähriger plötzlich mehr als am Esstisch. Kein Blickkontakt-Zwang, einfach nebenher – klingt banal, hilft aber.