Unser Sohn (2,5) findet abends tausend Gründe, warum er noch nicht schlafen kann: nochmal trinken, nochmal aufs Klo, nochmal ein Buch, das Kuscheltier ist verrutscht, teilweise eine Stunde lang. Wir sind abends komplett ausgelaugt und werden dann ungeduldig, was alles nur schlimmer macht. Wie sieht eure Abendroutine aus, und wie zieht ihr eine Grenze, ohne dass es jeden Abend Geschrei gibt?
Kleinkind will abends nicht ins Bett - eure Abendroutine?
Gestartet von loot_lars · 23. Juni 2026
Bei uns war ein immer gleicher, vorhersehbarer Ablauf der Schlüssel, wirklich jeden Abend in exakt derselben Reihenfolge: Zähne putzen, Schlafanzug an, zwei Bücher (die Anzahl vorher klar angekündigt), ein Lied, kurz kuscheln, Licht aus. Kinder lieben diese Vorhersehbarkeit, weil das Gehirn lernt: Diese Kette bedeutet, jetzt kommt Schlaf. Nach zwei, drei Wochen läuft das oft wie von selbst.
> zwei Bücher (die Anzahl vorher klar angekündigt)
Die feste Anzahl Bücher hat bei uns den Durchbruch gebracht, kann ich nur unterstreichen @christian1980. Am Anfang gab es massiven Widerstand, aber wir sind konsequent geblieben, und nach etwa einer Woche war es akzeptierte Routine.
Für das Nachschieben von 'nochmal trinken, nochmal Klo' haben wir das Gleiche gemacht: gehört fest zur Routine, davor. Danach steht ein kleines Glas Wasser am Bett, sodass es keinen Grund mehr gibt, aufzustehen. Wichtig war für mich, selbst ruhig zu bleiben, weil meine Anspannung sich sofort übertragen hat.
Ein Gedanke noch: Schaut mal, ob der Mittagsschlaf noch passt oder ob er zu lang oder zu spät ist. Als wir den etwas gekürzt und früher gelegt haben, ging das abendliche Einschlafen deutlich einfacher. Manchmal liegt die Ursache fürs Abendtheater gar nicht am Abend selbst.
Feste Anzahl Bücher plus Wasser ans Bett, das ergibt total Sinn, so nehmen wir ihm die Gründe zum Aufstehen. Und den Mittagsschlaf schauen wir uns auch mal an, den hatte ich gar nicht auf dem Schirm, danke @baustellenchef und @Zylinderkopf_Tom! Wir ziehen das ab heute durch :)
@loot_lars, das mit Wasser ans Bett und fester Bücherzahl hat bei uns auch Wunder gewirkt. Unser Sohn hatte vorher ein erstaunliches Talent, nach dem Lichtaus noch 17 Gründe zu finden, warum er aufstehen muss :) Wir haben dann eine kleine Abendkarte gemalt: Zähne, Schlafanzug, zwei Bücher, Kuscheln, Licht aus. Er durfte die Symbole abhaken. Klingt nach Bürokratie fürs Kleinkind, aber es gab ihm offenbar Kontrolle. > Mittagsschlaf anschauen Sehr guter Punkt von @Zylinderkopf_Tom. Bei uns war 30 Minuten früher wecken am Mittag der Unterschied zwischen zwei Stunden Theater und halbwegs friedlichem Einschlafen. Nicht sofort perfekt, aber deutlich weniger Kampf.
> feste Abfolge: Bad, Pyjama, Buch, Licht aus
Läuft bei uns ähnlich, nur mit einer kleinen Abweichung: Nach dem Buch noch zwei Minuten 'Kuschel-Ecke' am Bett, dann Schluss. Seitdem weniger Diskussion. Dauert trotzdem manchmal 40 Minuten, aber ohne Schreien – Fortschritt :)
> feste Bücherzahl plus Wasser ans Bett Das war bei uns tatsächlich der Gamechanger, @loot_lars. Vorher war nach dem Lichtaus plötzlich alles dringend: Durst, anderes Kuscheltier, noch ein Lied, falsche Decke. Jetzt gibt es zwei Bücher, ein Lied, Wasser steht da, Kuscheltier wird vorher gemeinsam ausgesucht. Wichtig war bei uns, dass ich nicht jedes Mal neu verhandle. Wenn ich einmal weich wurde, hatten wir am nächsten Abend wieder Theater. Nicht hart im Ton, aber klar in der Sache. Und wenn es doch Tränen gibt, bleibe ich kurz da, ohne das Programm neu zu starten.
@mausefalle_80, diese zwei Minuten Kuschel-Ecke haben wir ähnlich eingeführt, nur nennen wir es 'Tank auffüllen'. Unsere Tochter darf sich einmal richtig ankuscheln, dann sagen wir gemeinsam gute Nacht zu drei Dingen im Zimmer und danach ist Schluss. Klingt albern, aber es gibt ihr offenbar das Gefühl, dass sie nicht einfach abgeschoben wird. Was ich unterschätzt habe: die Uhrzeit. Wenn wir sie zu spät ins Bett bringen, ist sie nicht müder, sondern komplett drüber. Dann hilft die schönste Routine nichts mehr. Seit wir früher starten, ist es nicht perfekt, aber deutlich friedlicher.
@kaffee_junkie, dieses „Tank auffüllen“ finde ich schön formuliert. Bei unserem Sohn war das Einschlafen lange ein Thema, und wir haben irgendwann gemerkt: Je mehr wir erklären, verhandeln und reden, desto wacher wurde er. Also haben wir die Routine sehr vorhersehbar gemacht.
Bei uns: Zähne, Schlafanzug, ein Buch, ein Lied, kurze Kuschelzeit, dann derselbe Satz: „Ich bin da, du darfst schlafen.“ Danach möglichst langweilig bleiben. Nicht kalt, aber langweilig ;) Wenn er nochmal rauskommt, bringen wir ihn ruhig zurück, ohne neue Diskussion.
Was ich aus der Sprachentwicklungszeit gelernt habe: Kinder verstehen oft viel mehr, als sie selbst ausdrücken können. Deshalb helfen klare, immer gleiche Abläufe enorm. Und früher anfangen, wie du schon schreibst, ist bei uns entscheidend. Wenn der Müdigkeitspunkt überschritten ist, wird aus Routine schnell Akrobatik.
@stefan.schulz88, „langweilig bleiben“ ist bei uns auch der schwierigste und wichtigste Teil. Ich kann tagsüber geduldig erklären, aber abends um halb neun werde ich innerlich zum Fahrkartenkontrolleur. Unsere Tochter merkt das sofort und dreht dann erst recht auf.
Wir fahren mit dem „Tank auffüllen“ weiter ganz gut. Wichtig ist bei uns, dass es vor dem eigentlichen Schlafen passiert, nicht als Verhandlung nach dem Lichtaus. Also: Kuscheln, drei Dingen Gute Nacht sagen, Wasser steht da, dann Licht aus. Wenn danach noch „Papa?“ kommt, antworte ich kurz, aber starte keine neue Runde.
@X_L_80, das mit Wasser und Kuscheltier vorher festlegen war bei uns ebenfalls ein Gamechanger. Vorher war das Bett plötzlich ein Service-Schalter. Jetzt gibt es weniger Ausreden. Nicht null, aber weniger ;) Und ja: früh genug anfangen rettet wirklich Nerven.