Unsere Tochter ist gerade in der Kita-Eingewöhnung und ich merke, wie sehr mich das Abgeben mitnimmt. Morgens klammert sie sich an mich, weint richtig und ruft „Papa mit“. Laut Erzieherin beruhigt sie sich nach wenigen Minuten, spielt dann und isst sogar mit. Beim Abholen ist sie müde, aber nicht völlig fertig.
Trotzdem gehe ich danach mit schlechtem Gewissen zur Arbeit. Ich weiß rational, dass Eingewöhnung nicht ohne Tränen laufen muss. Emotional fühlt es sich aber an, als würde ich sie im Stich lassen. Meine Partnerin sagt, ich soll den Abschied kürzer machen und nicht dreimal zurückkommen. Wahrscheinlich hat sie recht.
Wie habt ihr das gemacht? Lieber kurz und klar, auch wenn geweint wird? Oder noch länger bleiben? Ich will nicht hart sein, aber dieses zögerliche Rumstehen macht es vielleicht schlimmer.
Kita-Eingewöhnung: Kind weint beim Abgeben, ist danach aber wohl okay
Gestartet von abendbrotpapa · 26. Juli 2026
@abendbrotpapa, ich würde deiner Partnerin da vorsichtig zustimmen: kurz und klar ist meistens liebevoller als zehnmal halb gehen. Unser Sohn war bei der Eingewöhnung ähnlich. Beim Abschied großes Drama, drei Minuten später saß er mit Bagger in der Bauecke. Ich dachte erst, die Erzieherinnen beschönigen das, aber ich habe es einmal durchs Fenster gesehen. Wirklich: Schalter um.
Wichtig fand ich ein gleiches Ritual. Jacke aufhängen, kurz drücken, Satz: „Ich gehe arbeiten, nach dem Mittagessen hole ich dich.“ Dann gehen. Nicht heimlich verschwinden, aber auch nicht verhandeln. Wenn ich unsicher wurde, wurde er unsicherer.
Tränen heißen nicht automatisch Schaden. Sie heißen oft: Übergang ist schwer. Wenn sie sich danach beruhigt, Kontakt zu den Erzieherinnen aufnimmt und beim Abholen nicht völlig verstört wirkt, klingt das erstmal nach normaler Eingewöhnung. Trotzdem darfst du traurig sein. Abgeben lernt man als Eltern auch.
Aus Mama-/Partnerinnen-Sicht: Ich finde, man darf bei Eingewöhnung beides sehen: Das Kind hat echte Gefühle, und die Eltern auch. Mich hat das Weinen beim Abgeben körperlich richtig getroffen. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mein langes Trösten manchmal mehr mit meiner Beruhigung zu tun hatte als mit ihrer.
Bei uns wurde es besser, als mein Partner und ich denselben Satz benutzt haben. Nicht einer locker, einer dramatisch. „Ich bringe dich rein, dann gehe ich, nach dem Schlafen holen wir dich.“ Dazu ein Kuscheltuch und ein Abschied am gleichen Ort.
Ich würde aber die Erzieherinnen konkret fragen: Wie lange weint sie? Lässt sie sich trösten? Spielt sie? Isst/trinkt sie? Sucht sie Kontakt? Das sind bessere Hinweise als nur „hat geweint“. Wenn sie sich wirklich schnell fängt, ist kurzer Abschied nicht hart, sondern verlässlich. Und danach darfst du im Auto trotzdem kurz schlucken.
Danke euch, das hilft mir wirklich. Heute Morgen habe ich den Abschied kürzer gemacht. Nicht kalt, aber klar: Jacke aus, einmal drücken, „Ich hole dich nach dem Essen“, Übergabe an die Erzieherin, raus. Ich stand danach draußen trotzdem mit Kloß im Hals.
Die Erzieherin schrieb später, dass sie nach zwei Minuten beim Kneten saß. Das erleichtert mich, auch wenn es beim Abgeben mies bleibt. @e_wie_edgar, dein Satz mit dem halb gehen hat getroffen. Ich glaube, ich habe ihr mit meinem Zögern eher gezeigt, dass etwas Gefährliches passiert.
@abendbrotpapa, aus Mama-Sicht: Ich finde gut, dass du deine eigenen Gefühle nicht wegdrückst. Abschied kann für Eltern richtig körperlich wehtun. Trotzdem braucht das Kind in dem Moment eher deinen sicheren Ton als deine ganze innere Debatte.
Was bei uns half: ein immer gleicher Satz und ein kleines Ritual. Kuss auf die Hand, winken am Fenster, dann wirklich gehen. Nicht nochmal zurück, wenn das Weinen lauter wird, außer die Erzieherin holt euch. Danach durfte ich im Auto kurz heulen :) Aber vor dem Kind blieb ich klar.
@abendbrotpapa, dein kurzer Abschied klingt gut. Nicht hart, sondern verlässlich. Bei unserem Sohn war mein längeres Trösten auch eher für mich. Er wurde dabei nicht ruhiger, sondern suchte immer mehr nach meinem Gesicht: Ist Papa sicher oder bricht hier gleich alles zusammen?
Was half: gleicher Satz, gleiche Reihenfolge, gleiche Erzieherin, wenn möglich. Und danach wirklich gehen. Ich habe anfangs noch durchs Fenster gelinst. Schlechte Idee. Er sah mich einmal und alles ging von vorn los. Seitdem: Übergabe, raus, einmal tief atmen, Kaffee.
Ich finde wichtig, dass man Weinen nicht automatisch als Scheitern liest. @frau_wagner hat das schön geschrieben. Unsere Tochter hat beim Abgeben oft geweint und saß zehn Minuten später mit Knete am Tisch.
Trotzdem würde ich die Kita ernst nehmen, wenn sie sagen, dass das Kind lange nicht ins Spiel findet. Dann muss man schauen. Aber wenn der Schmerz kurz am Übergang sitzt, ist das nicht zwingend ein Zeichen gegen die Kita. Bei uns half ein kleines Foto von uns im Fach. Nicht als Dramaanker, eher als „Papa kommt wieder“. Abholen dann wirklich pünktlich.
Danke euch nochmal. Ich merke, dass mein längerer Abschied wirklich mehr für mich war. Heute habe ich es kurz gemacht: Jacke aus, drücken, „Ich hole dich nach dem Mittagessen“, winken, raus. Im Flur war ich trotzdem weichgekocht.
Die Erzieherin schrieb später, dass sie nach fünf Minuten am Maltisch saß. Das hilft meinem Kopf. Nicht, weil Tränen egal sind, sondern weil ich sehe: Sie kann sich dort fangen. Morgen probiere ich denselben Ablauf wieder.
@abendbrotpapa, genau so. Gleicher Satz, gleicher Ablauf, nicht jeden Morgen neu verhandeln. Unser Sohn hat damals gemerkt, wenn ich innerlich gewackelt habe. Dann hing er an mir wie ein nasser Sack Kartoffeln.
Was bei uns half: ein kleines Abschiedsritual mit Handkuss in die Jackentasche. Klingt kitschig, war aber schnell. Kein zweites Zurückkommen ans Fenster. Das war hart für mich, aber für ihn klarer. Und danach durfte ich im Auto kurz seufzen ;)
@abendbrotpapa, das klingt nach einem richtig guten Schritt. Im Flur weichgekocht sein darfst du ja. Wichtig ist nur, dass dein Kind den Abschied nicht jedes Mal neu mit dir aushandeln muss.
Bei uns war der gleiche Satz Gold wert: „Ich hole dich nach dem Essen.“ Nicht „gleich“, nicht „später“, sondern ein Punkt, den sie kannte. Wenn die Erzieherin danach schrieb, dass sie spielt, habe ich versucht, das ernst zu nehmen und nicht trotzdem innerlich weiter Drama zu fahren. @baustellenchef, Handkuss in die Jackentasche hatten wir auch. Manchmal musste ich mir selbst einen einstecken ;)
@Klinker_Klaus, Weinen nicht als Scheitern lesen war bei uns der Knackpunkt. Ich habe am Anfang jedes Tränchen wie eine schlechte Vater-Note genommen. Die Erzieherin sagte dann sehr trocken: „Er darf traurig sein und trotzdem hier gut ankommen.“ Das hat gesessen.
@abendbrotpapa, ich würde die Nachricht nach fünf Minuten Spiel als echtes Signal nehmen. Nicht als Garantie für jeden Tag, aber als Hinweis: Der Abschied ist hart, der Vormittag kann trotzdem gut sein. Bei uns waren Montage lange mieser als Donnerstage. Nach Wochenende war der Schnitt einfach größer. Mit gleichem Ablauf wurde es langsam besser.
@Klinker_Klaus, ich glaube, mein größter Fehler war wirklich, dass ich ihr Weinen wie eine Abstimmung über die Kita gelesen habe. Heute war wieder kurz Tränenalarm, aber ich bin bei unserem Satz geblieben. Jacke aus, drücken, „Ich hole dich nach dem Mittagessen“, winken.
Die Erzieherin sagte später, sie habe sich nach ein paar Minuten ein Buch geholt. Das hätte ich vor zwei Wochen kaum glauben können. @baustellenchef, der Handkuss ist bei uns jetzt in der Hosentasche. Sie kontrolliert morgens sogar, ob ich meinen auch eingesteckt habe. Ich stehe dann draußen trotzdem kurz mit Kloß im Hals, aber es geht.
@abendbrotpapa, das klingt für mich nach einem sehr guten Weg. Nicht hart, sondern klar. Viele verwechseln klar mit kalt. Dabei kann man sein Kind drücken, traurig sein lassen und trotzdem gehen.
Bei uns war der schwerste Teil mein Gesicht. Ich habe am Anfang beim Abschied geguckt, als würde ich mein Kind an einem Bahnhof verlieren. Natürlich hat er gemerkt: Papa findet das hier selbst nicht sicher. Als ich ruhiger wurde, wurde nicht sofort alles leicht, aber der Abschied hatte weniger Drama.
> „Ich hole dich nach dem Mittagessen“
Das ist ein starker Satz, weil er konkret ist. „Gleich“ war bei uns Mist, weil gleich für ein Kleinkind alles sein kann. Nach Essen, nach Schlafen, nach Garten, das konnte unser Sohn greifen. Und falls du im Flur weich wirst: völlig normal. Nur nicht zurück in die Tür und nochmal neu starten.
@abendbrotpapa, ich erkenne mich wieder. Ich stand damals vor der Kita und hätte am liebsten die Erzieherin gefragt, ob sie mir eine Live-Schalte schicken kann. Dabei war unser Sohn nach drei Minuten beim Bagger. Nur ich war noch im Abschied hängen geblieben.
@Klinker_Klaus hat recht mit dem Satz, der nicht jedes Mal neu erfunden wird. Bei uns war es: „Kuss, Winken, Papa kommt nach dem Garten.“ Jeden Morgen gleich. Wenn ich anfing mit „Heute wird bestimmt schön, und wenn was ist, und du weißt ja...“, wurde es schlimmer. Mein Gerede war Benzin fürs Feuer.
Was mir half: Nach dem Abgeben nicht direkt im Auto grübeln, sondern eine kleine feste Sache machen. Kaffee holen, kurze Nachricht an meine Frau, fertig. Nicht zehnmal die Kita-App aufmachen. Weinen beim Abschied heißt nicht, dass der ganze Vormittag schlecht ist.
@sandkastenchef, „schlechte Vater-Note“ kenne ich. Man steht da, das Kind weint, andere Eltern gehen locker raus, und man denkt: Alle können das, nur ich nicht. Dabei sieht man von den anderen nur drei Sekunden Flur.
@abendbrotpapa, bleib bei eurem Ablauf. Ich würde nur mit den Erziehern absprechen, dass du eine kurze Rückmeldung bekommst, aber nicht im Minutentakt. Bei uns kam nach der ersten Woche nur noch: „Hat nach dem Abschied gespielt“ oder „Heute brauchte sie länger.“ Das hat gereicht.
Wichtig fand ich, zuhause nicht ständig nachzubohren. Ich fragte am Anfang: „Warst du traurig? Hast du geweint? War die Erzieherin lieb?“ Damit habe ich die Kita jeden Nachmittag wieder schwer gemacht. Besser war: Snack hinlegen, spielen lassen, später vielleicht fragen: „Gab es heute Sand oder Fahrzeuge?“ Da kamen eher kleine echte Sachen.
Danke euch nochmal. @e_wie_edgar, „klar ist nicht kalt“ habe ich mir fast auf die Hand schreiben wollen. Heute Morgen war der Abschied wieder mit Tränen, aber ich bin nicht zurück in die Schleife gegangen.
Unser Ablauf: Jacke aus, kurzer Blick auf die Bildkarte, Umarmung, Satz „Ich hole dich nach dem Essen ab“, dann Übergabe an die Erzieherin. Ich habe diesmal nicht noch dreimal gewunken. Schwerer für mich als für sie, glaube ich.
Nachmittags kam sie mir mit Farbe an der Hose entgegen und erzählte vom Matschtisch. Also ja, mein Kopf hängt länger im Flur als mein Kind. Das zu merken hilft, auch wenn es morgens trotzdem piekst.
@sandkastenchef, Live-Schalte aus der Kita hätte ich damals auch genommen. Am besten mit Ton und Herzfrequenz vom Kind, damit ich draußen weiter nervös sein kann :)
@abendbrotpapa, bei uns half ein fester Abschiedssatz. Nicht jeden Tag neu erklären, warum Papa arbeiten muss und Kita schön ist. Unser Sohn hörte irgendwann nur noch Papas Unsicherheit. Der Satz war: „Ich gehe jetzt, du spielst hier, nach dem Mittag komme ich.“ Dazu einmal drücken.
Und dann wirklich gehen. Nicht kalt, nicht fluchtartig, aber zuverlässig. Wenn die Erzieherin sagt, sie fängt sich schnell, würde ich ihr erstmal glauben. Die sehen das jeden Morgen hundertmal nüchterner als wir.
@abendbrotpapa, das klingt nach einem stabilen Weg. Ich würde nur aufpassen, dass du nicht jeden Nachmittag nach Beweisen suchst, dass es okay war. Das habe ich gemacht. „Hast du geweint? Warst du traurig? Wer hat dich getröstet?“ Irgendwann habe ich mein Kind an den Abschied erinnert, obwohl sie längst beim Nachmittag war.
Besser: Erzieherin kurz fragen, Kind normal begrüßen. „Schön, dass du da bist.“ Wenn sie erzählen will, erzählt sie.
@Klinker_Klaus hier, kurzer fester Abschied bleibt für mich der Schlüssel. Weinen darf sein. Es heißt nicht automatisch, dass Kita falsch ist. Es heißt oft nur: Übergang ist schwer.
@abendbrotpapa, klingt nach einem guten Morgen, auch wenn Tränen dabei sind. Ich finde den Punkt von @Klinker_Klaus wichtig: Nachmittags nicht den ganzen Abschied wieder aufmachen. Das habe ich am Anfang auch gemacht und mein Kind quasi zurück in den Morgen gezogen.
Bei uns frage ich eher: „Was habt ihr gebaut?“ oder „Wer war draußen?“ Wenn sie vom Weinen erzählen will, darf sie. Aber ich suche nicht mehr nach Beweisen, dass alles okay war. Das macht mich auch ruhiger.
@abendbrotpapa, „klar ist nicht kalt“ gilt wirklich weiter. Ein kurzer Abschied mit warmem Ton ist für viele Kinder leichter als fünf Schleifen mit schlechtem Gewissen. Ich musste das auch lernen.
Was bei uns half: Den Satz immer gleich lassen. Nicht morgens neu begründen, warum Arbeit wichtig ist und Kita schön. Das Kind hört sonst nur: Papa ist unsicher. Lieber: „Ich hole dich nach dem Snack ab. Ich hab dich lieb.“ Dann gehen. Schwer, aber oft fairer.
Danke euch noch mal. @Klinker_Klaus und @sandkastenchef, ihr habt mich erwischt mit dem Nachmittagsfragen. Ich wollte Sicherheit, habe aber jeden Tag den Morgen wieder aufgemacht. Seit drei Tagen frage ich nur noch: „Was war heute schön oder komisch?“ Manchmal kommt nichts, manchmal „Banane“, auch gut.
Der Abschied ist noch mit Tränen, aber kürzer. Unser Satz ist jetzt immer gleich: „Ich bringe dich rein, ich gebe dir einen Kuss, nach dem Mittagessen hole ich dich.“ Dann gehe ich. Innerlich nicht immer ruhig, aber außen klarer. Die Erzieherin sagt, sie spielt nach ein paar Minuten. Das versuche ich jetzt zu glauben.
@abendbrotpapa, das klingt nach Fortschritt, auch wenn es sich morgens noch nicht so anfühlt. Tränen bedeuten nicht automatisch, dass der Plan falsch ist. Manchmal heißt es nur: Abschied ist doof.
Bei uns war wichtig, dass ich nicht noch drei Extras angeboten habe. „Willst du noch winken? Soll ich kurz bleiben? Soll ich der Erzieherin sagen, dass du traurig bist?“ Damit habe ich alles größer gemacht. Besser war ein Ablauf wie bei dir. Jacke, Haken, Kuss, Satz, raus. Danach durfte mein Kind traurig sein, und die Erzieherin durfte trösten. Das musste ich als Vater auch erstmal aushalten.
@guido, „Abschied ist doof“ ist genau die richtige Ebene. Ich habe früher versucht, meinem Kind morgens zu beweisen, dass Kita schön ist. „Da sind deine Freunde, da gibt es Frühstück, gestern hast du gelacht.“ Das war zu viel Gerede für ein trauriges Kind.
@abendbrotpapa, bleib bei deinem Satz. Warm, kurz, gleich. Und nachmittags eher Verbindung als Analyse. Ein Snack, Heimweg, vielleicht später spielen. Wenn dein Kind etwas erzählen will, kommt es oft nebenbei. Beim Bauen, Baden oder im Auto. Nicht direkt mit Rucksack noch auf dem Rücken. Da ist der Tag noch zu nah.