Kind will an manchen Wochenenden nicht zu mir - normal?

Gestartet von altheizer · 21. Juni 2026

altheizerEröffnung
Meine Tochter (9) hat an manchen Umgangswochenenden schlicht keine Lust, zu mir zu kommen. Sie will lieber bei ihren Freundinnen bleiben oder wirkt lustlos, wenn ich sie abhole. Ich versuche, ruhig zu bleiben, aber innerlich tut es weh und ich frage mich sofort, ob sie lieber bei der Mama ist, ob ich etwas falsch mache oder ob da gegen mich gestichelt wird. Kennt ihr das, und wie geht ihr damit um, ohne es persönlich zu nehmen?
J.D.84
Ja, das kenne ich, und es fühlt sich zutiefst persönlich an, obwohl es das meistens gar nicht ist. In dem Alter ist das oft schlicht Entwicklung: Freundinnen und das eigene soziale Leben werden wichtiger. Das gilt genauso bei Kindern im selben Haushalt, nur fällt es bei getrennten Eltern stärker auf. Was bei uns geholfen hat, war, die Tochter einzubeziehen und die Wochenenden nicht komplett durchzuplanen. Ich habe angefangen zu fragen: 'Was würdest du am Wochenende gern machen?' Manchmal wollte sie eine Freundin mitbringen, was ich ermöglicht habe. Als sie gemerkt hat, dass bei Papa auch ihr eigenes Leben Platz hat, wurde der Widerstand kleiner. Dranbleiben, ohne Druck und ohne ihr ein schlechtes Gewissen zu machen.
frank_l68
Ein Punkt, der mir wichtig ist: Bloß nicht schlecht über die Mutter reden oder Andeutungen machen, auch wenn du selbst verletzt bist. Kinder spüren das sofort und geraten in einen fürchterlichen Loyalitätskonflikt. Das schadet eurer Beziehung mehr als das eine verpasste Wochenende. Bleib der ruhige, verlässliche Pol, zu dem sie gern kommt.
Stromer_81
> dass sie eine Freundin mitbringen darf Das war bei uns der Gamechanger, @J.D.84! Dann war das Wochenende bei Papa plötzlich attraktiv statt eine Unterbrechung ihres Lebens. Und nicht jede Lustlosigkeit gleich bewerten, Kinder haben auch mal einfach einen schlechten Tag.
altheizer
Sie stärker mitplanen lassen, Freundinnen mitbringen dürfen und den Druck rausnehmen, das probiere ich. Und ich muss echt aufpassen, aus dem Schmerz heraus nichts gegen die Mutter zu sagen, danke für die klare Ansage @frank_l68. Beruhigend zu hören, dass das in dem Alter oft einfach Entwicklung ist, danke @J.D.84.
sofa_general_01
@altheizer, ich finde gut, dass du deinen Schmerz siehst und trotzdem nicht daraus handelst. Das ist in Trennungs- oder Umgangssituationen echt schwer. Kinder sagen manchmal „Ich will nicht“, meinen aber ganz Unterschiedliches: müde, keine Lust auf Tasche packen, Freundin vermissen, Übergang doof, Loyalitätskonflikt. @frank_l68 hat völlig recht: keine Spitzen gegen die Mutter. Auch keine subtilen Sätze wie „Bei mir darfst du wenigstens...“ oder „Mama macht es dir schwer“. Das landet beim Kind wie eine Last. Was bei uns im Patchwork geholfen hat: feste kleine Anker am Wochenende, aber trotzdem Mitbestimmung. Also nicht komplettes Wunschkonzert, sondern: Freitag Pizza und runterkommen, Samstag darf ein Freund dazu oder sie sucht zwischen zwei Aktivitäten. Und wenn ein Wochenende mal zäh startet, nicht sofort Beziehungskrise draus machen. Manchmal kippt die Stimmung nach zwei Stunden ganz von allein.
loot_lars
@altheizer, auch wenn ich nicht in genau derselben Situation bin, kenne ich dieses Ziehen im Bauch aus dem Patchwork. Der Sohn meiner Partnerin ist jedes zweite Wochenende bei uns und manchmal merkt man schon beim Reinkommen: Eigentlich wäre er lieber woanders. Früher habe ich das persönlich genommen und innerlich dagegen angekämpft. Das machte es nur angespannter. Was geholfen hat, war ein sanfter Start statt sofort Programm. Erst ankommen, Snack, bisschen Ruhe, dann schauen wir gemeinsam, was passt. Und klare Regeln bleiben trotzdem klar. Nicht als Strafe, sondern weil unser Zuhause eben unser Rahmen ist. > nicht jede Lustlosigkeit gleich bewerten Das von @Stromer_81 finde ich wichtig. Kinder haben eigene Pläne, Freundschaften, Stimmungen. Wenn man jedes „keine Lust“ als Ablehnung deutet, wird der Umgang für beide schwer. Mitplanen lassen, ohne sich komplett abhängig zu machen, klingt für mich nach einem guten Mittelweg.
sonja_k74
@altheizer, aus Mama- und Patchwork-Sicht finde ich es stark, dass du den Schmerz nicht am Kind auslässt. Kinder merken leider sofort, wenn sie zwischen den Stühlen sitzen. Bei meiner Tochter war ein Nein zum Wochenende manchmal gar kein Nein zur Person, sondern eher: Ich will gerade nicht packen, ich will meine Freundin sehen, ich will nicht umschalten. Wenn du ihr kleine Wahlmöglichkeiten gibst, ohne den Umgang grundsätzlich in Frage zu stellen, kann das viel Druck rausnehmen. Also: Möchtest du Samstag erst ausschlafen oder direkt los? Freundin mitnehmen ja/nein? Wichtig ist, dass sie nicht das Gefühl bekommt, dich trösten zu müssen.
sofa_general_01
@altheizer, ich würde @loot_lars da zustimmen: Man spürt manchmal schon an der Tür, dass das Kind innerlich woanders ist. Das ist nicht schön, aber auch nicht automatisch Ablehnung. Was bei uns im Patchwork geholfen hat, war ein ruhiger Ankommensritus. Nicht sofort Programm, nicht sofort Fragen, sondern Tasche abstellen, was trinken, zehn Minuten runterkommen. Danach war oft viel mehr möglich. Und ganz wichtig: nicht beleidigt sein. Kinder dürfen ambivalent sein. Wenn du stabil bleibst und nicht in Konkurrenz zur Mutter gehst, gibst du ihr langfristig etwas sehr Wertvolles: Sie muss sich nicht entscheiden, wen sie lieber hat.
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