Hallo zusammen, in vier Wochen ist der errechnete Termin und ich merke, dass ich richtig nervös werde. Kurioserweise ist meine Frau die Ruhe selbst, und ich bin derjenige, der nachts wach liegt und Szenarien durchspielt: Was, wenn die Wehen mitten in der Nacht losgehen, was, wenn ich im entscheidenden Moment das Falsche sage oder einfach nur im Weg stehe?
Wir haben einen Geburtsvorbereitungskurs gemacht, aber da ging es viel um Atmung und wenig darum, was eigentlich meine Rolle ist. Mich würde ehrlich interessieren, wie das bei euch beim ersten Mal war. Was hat euch geholfen, ruhig zu bleiben, und wie habt ihr eure Partnerin konkret unterstützt, ohne zu nerven?
Bald ist es soweit - wie war eure erste Zeit im Kreißsaal?
Gestartet von kaffeetrinker · 20. Juni 2026
Willkommen und Glückwunsch, das wird schon! :) Die Nervosität ist total normal, mir ging es vor der ersten Geburt ganz genauso, ich hab sogar heimlich den Weg zur Klinik zweimal abgefahren, um die Zeit zu stoppen.
Was mir rückblickend am meisten Sicherheit gegeben hat, war Vorbereitung bei den banalen Dingen. Tasche stand seit Woche 36 fertig gepackt im Flur, Krankenkassenkarte, Mutterpass und Ausweis in einer Klarsichthülle obendrauf, Tank immer mindestens halb voll. Klingt spießig, aber im Ernstfall musst du dann nicht auch noch nachdenken, sondern kannst einfach losfahren und dich auf deine Frau konzentrieren.
Im Kreißsaal selbst war meine wichtigste Aufgabe erstaunlich schlicht: da sein, Hand halten, ansprechbar bleiben. Ich hab ihr zwischen den Wehen kleine Schlucke Wasser gereicht, ihr den Rücken massiert, wo sie es wollte, und ansonsten den Mund gehalten und die Hebamme machen lassen. Deine Ruhe überträgt sich, deine Hektik aber eben auch, das ist das Einzige, worauf ich wirklich geachtet habe.
> Tank immer mindestens halb voll
Genau das, @micha_79! Und ich häng noch ein Detail dran, das oft untergeht: Trink selbst genug und iss was, bevor es losgeht und auch zwischendurch. Eine Geburt kann sich über zwölf Stunden und länger ziehen, und wenn du als Papa mit Unterzucker und leerem Magen umkippst, hilft das keinem. Ich hatte Traubenzucker und ein paar belegte Brote in der Tasche, das war Gold wert.
Das mit der Klarsichthülle und dem vollen Tank schreib ich mir sofort auf, an sowas denkt man echt nicht. Und stimmt @netzwerkheini, ans Essen für mich selbst hätte ich nie gedacht, ich war so auf sie fixiert. Danke euch beiden, das nimmt schon ordentlich Druck raus!
Ein Punkt, der bei uns wirklich den Unterschied gemacht hat: Sprecht vorher ab, was sie sich von dir wünscht. Manche Frauen wollen ständig Zuspruch und Berührung, andere finden genau das in dem Moment unerträglich und brauchen einfach Ruhe. Meine Frau meinte vorher, sie will viel Nähe, und war dann während der Wehen froh, wenn ich einfach nur still neben ihr saß. Wenn du dieses Gespräch vorher führst, nimmt es euch beiden Druck, weil du nicht raten musst.
Und falls doch ein Kaiserschnitt oder eine unerwartete Situation kommt: Auch das ist okay und macht dich nicht zu einem schlechteren Vater. Wir hatten uns eine bilderbuchmäßige Spontangeburt ausgemalt und am Ende lief vieles anders. Rückblickend war das völlig egal, gesund ist gesund. Wird super, da bin ich sicher!
@kaffeetrinker, ich kann deine Nervosität gut verstehen. Ich war damals so darauf fixiert, nichts falsch zu machen, dass ich fast vergessen hätte, einfach da zu sein. Der Tipp von @andreas_ohv ist Gold wert: vorher absprechen, was sie möchte. Meine Frau wollte in der Eröffnungsphase Berührung und später plötzlich gar nicht mehr. Hätte ich das persönlich genommen, wäre es blöd geworden. Also: nicht beleidigt sein, wenn sie dich wegschiebt oder kurz angebunden ist. Geburt ist Ausnahmezustand. Praktisch noch: bequeme Schuhe anziehen. Ich stand ewig, und irgendwann merkt man jeden Knochen. Und nimm was zu trinken mit, nicht nur für sie, auch für dich.
@andreas_ohv, dein Punkt mit vorher absprechen, was sie von einem braucht, ist Gold wert. Ich war beim ersten Kind so im Modus 'ich muss helfen', dass ich fast zu viel gemacht habe: Wasser anbieten, Rücken streicheln, reden, fragen. Irgendwann sagte meine Frau nur noch: bitte leise. Beim zweiten Kind haben wir vorher geklärt, dass ich eher der ruhige Fels bin und nur auf Ansage anfasse. Das hat uns beiden Druck genommen. Und ja, @netzwerkheini: Essen für den Papa ist kein Luxus. Ich hatte Müsliriegel dabei und war sehr dankbar dafür :)
Ich lese hier gerade sehr aufmerksam mit, weil es bei uns auch nicht mehr lange dauert. @rasenmähermann, dein „ruhiger Fels“ bleibt bei mir hängen. Ich neige nämlich dazu, Nervosität mit Aktivität zu überspielen. Also Wasser holen, fragen, nochmal fragen, irgendwas richten. Wahrscheinlich genau das, was im Kreißsaal schnell nervt.
@andreas_ohv, das vorherige Absprechen machen wir heute Abend. Nicht nur „Brauchst du mich?“, sondern konkreter: Möchtest du Berührung? Soll ich reden oder eher still sein? Darf ich für dich mit der Hebamme sprechen, wenn du keine Kraft hast?
Ich merke, dass mir diese Vorbereitung die Angst nimmt. Nicht, weil ich dann alles kontrollieren kann, sondern weil ich eine Haltung habe: da sein, ruhig bleiben, auf sie achten. Klingt simpel, aber für mich als werdenden Vater ist das gerade ein echter Anker.
@bastian.k, dieses Aktivwerden aus Nervosität kenne ich wirklich zu gut. Beim ersten Kind dachte ich, ich müsste ständig beweisen, dass ich nützlich bin. Am Ende war meine Frau eher genervt, weil ich ihr mit Wasser, Waschlappen und Fragen fast im Weg stand. Beim zweiten Mal haben wir vorher ganz konkret besprochen: Wenn sie nichts sagt, bleibe ich ruhig neben ihr, atme mit, halte Hand, und rede nicht alles voll. Das war viel besser. Ein Satz, der mir geholfen hat: Du bist nicht der Geburtsmanager, sondern die vertraute Person im Raum. Klingt simpel, aber im Kreißsaal vergisst man das schnell :)
@rasenmähermann, das mit dem ruhigen Fels trifft es wirklich gut. Ich war bei unserer ersten Geburt auch eher im Aktionismus unterwegs, weil ich dachte, still daneben sitzen sei zu wenig. Im Nachhinein war genau das Gegenteil wichtig: ruhig bleiben, Blickkontakt halten, nicht beleidigt sein, wenn eine Antwort kurz oder schroff kommt. @bastian.k, wenn du weißt, dass du Nervosität mit Aktivität überspielst, sag das vorher deiner Partnerin. Wir hatten dann so eine einfache Absprache: Wenn sie meine Hand nimmt, bleibe ich einfach da. Wenn sie sagt Wasser, hole ich Wasser. Alles andere lasse ich. Das hat mir total geholfen, nicht dauernd zu fragen. Und pack dir selbst auch was zu trinken und einen Müsliriegel ein. Ein wackliger Papa hilft keinem ;)
@bastian.k, was @rasenmähermann und @eckensteherMS_79 schreiben, kann ich nur unterschreiben. Ich habe beim ersten Kind auch gedacht, ich müsste im Kreißsaal möglichst viel machen. Dabei war das Wichtigste, dass meine Partnerin nicht noch meine Unsicherheit tragen musste. Vorher absprechen hilft enorm: Will sie angesprochen werden oder eher Ruhe? Möchte sie erinnert werden zu trinken oder nervt sie das? Und ganz praktisch: Handy weg, Essen für dich einpacken, bequeme Schuhe. Klingt banal, aber wenn du nach acht Stunden selbst wacklig wirst, bist du keine große Hilfe mehr. Dieses Hineinwachsen in die Vaterrolle fängt da schon an :)
@bastian.k, ich musste bei deinem Aktivismus schmunzeln, weil ich genau so war. Ich habe dreimal gefragt, ob sie Wasser will, bis meine Frau irgendwann nur noch meinte: Wenn ich Wasser will, sage ich Wasser. Das war nicht böse, aber sehr klar ;) Beim zweiten Kind hatte ich dann zwei Aufgaben: da sein und auf Ansage reagieren. Nicht den Ablauf kontrollieren, nicht dauernd mit der Hebamme diskutieren, sondern ruhig bleiben. Was mir half: einmal tief durchatmen, bevor ich etwas gesagt habe. Oft war die beste Hilfe wirklich nur Hand halten und nicht hektisch im Raum rumwuseln.