Angst, den Anforderungen als Vater nicht gerecht zu werden

Gestartet von Zylinderkopf_Tom · 11. Juni 2026

Zylinderkopf_TomEröffnung
Ich freue mich riesig auf unser Kind, aber je näher der Termin rückt, desto lauter wird eine Stimme in mir, die fragt, ob ich das überhaupt kann. Meine eigene Kindheit war nicht immer einfach, mein Vater war emotional oft abwesend, und ich habe echte Angst, dieselben Muster unbewusst zu wiederholen. Gleichzeitig will ich nicht ins andere Extrem kippen und alles überkompensieren. Kennt ihr dieses Gefühl, und wie seid ihr damit umgegangen?
stefan.schulz88
Ja, das kenne ich sehr gut, bei mir war es fast wortgleich. Und ich glaube, allein die Tatsache, dass du dir diese Gedanken machst, ist schon der halbe Unterschied. Väter, die das Muster unreflektiert wiederholen, stellen sich diese Fragen nämlich gar nicht erst.
J.D.84
Sei geduldig mit dir selbst, das ist mein wichtigster Rat. Du wirst Fehler machen, das gehört dazu und ist völlig normal. Kein Vater weiß am Anfang, wie es geht. Der Punkt ist nicht, keine Fehler zu machen, sondern sie zu bemerken und dich hinterher beim Kind zu melden. Gerade wenn die eigene Kindheit schwierig war, kann das sogar eine Stärke sein. Du weißt sehr genau, was du anders machen willst. Mir hat außerdem geholfen, mir konkret zu überlegen: Was hat mir als Kind gefehlt? In meinem Fall war es, dass mein Vater nie zugehört hat. Also habe ich mir vorgenommen, genau das zu üben. Kinder brauchen keinen perfekten Vater, sondern einen, der präsent ist und zuhört.
andreas_ohv
> Was hat mir als Kind gefehlt? Starker Ansatz, @J.D.84. Was mir zusätzlich geholfen hat: mit meiner Partnerin offen über diese Ängste zu reden, statt sie allein mit mir auszumachen. Ich hatte lange das Gefühl, ich müsse die Stärke sein und dürfe keine Zweifel zeigen. Als ich es endlich ausgesprochen habe, ist ein riesiger Druck abgefallen, und wir konnten uns als Team vornehmen, aufeinander aufzupassen.
Zylinderkopf_Tom
Danke euch, das tut wirklich gut zu lesen. Vor allem der Gedanke von @J.D.84, dass die schwierige eigene Kindheit auch eine Stärke sein kann, geht mir nach. Ich rede heute Abend mal offen mit meiner Frau darüber, das habe ich mich bisher nicht getraut.
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