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Kita-Eingewöhnung: Wie sie abläuft und wie lange sie dauert

Von Michael Schöttler ·

EU AI Act: Text ist vom Autor · Bilder KI erstellt

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Vater begleitet sein Kind mit Kuscheltier in der Kita, während eine Erzieherin es im Flur begrüßt. (mit KI erstellt)

Das Wichtigste in Kürze

  • Fast jede Kita arbeitet nach dem Berliner oder dem Münchner Modell. Frag im Aufnahmegespräch nach, welches es ist. Davon hängt ab, wie viele Wochen du einplanen musst.
  • Im Berliner Modell bleibt ein Elternteil drei Tage lang je ein bis zwei Stunden dabei. Der erste Trennungsversuch folgt am vierten Tag.
  • Weint dein Kind bei der ersten Trennung, dauert die Eingewöhnung länger. Das ist im Modell so vorgesehen und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft.
  • Plane zwei bis drei Wochen ein, beim Münchner Modell fünf bis sechs. Einen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung für die Eingewöhnung gibt es nicht.
  • Verabschiede dich immer gleich und immer sichtbar. Heimliches Verschwinden macht die nächste Trennung schwerer.

Mehr zum Kita-Start findest du auf unserer Themenseite Kita & Betreuung. Ich bin Michael, Vater von drei Jungs, und ich habe drei Eingewöhnungen mitgemacht.

Bei der ersten saß ich am vierten Tag im Auto und starrte aufs Handy. Drinnen weinte mein Sohn, und ich war sicher, dass wir gerade etwas kaputt machen. Die Erzieherin sagte danach, das sei ein gutes Zeichen.

Das hat mich in dem Moment geärgert. Heute weiß ich, dass sie recht hatte. Kinder, die bei der Trennung protestieren, bekommen im Berliner Modell mehr Zeit als Kinder, die ruhig bleiben.

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Wie läuft die Eingewöhnung in der Kita ab?

Die Eingewöhnung folgt in fast jeder deutschen Kita einem von zwei Modellen: dem Berliner oder dem Münchner Modell. Beide beginnen damit, dass ein Elternteil mit in die Gruppe geht. Beide enden damit, dass dein Kind sich von einer Fachkraft trösten lässt.

Der Unterschied liegt im Tempo und in der Rolle deines Kindes. Das Berliner Modell trennt früh und in kurzen Schritten. Das Münchner Modell lässt dein Kind erst zwei Wochen lang mitlaufen, bevor du zum ersten Mal gehst.

Frag im Aufnahmegespräch, nach welchem Modell die Kita arbeitet. Die Antwort entscheidet, ob du zwei oder sechs Wochen einplanen musst. Das ist die Zahl, die du für Urlaubsantrag und Arbeitgeber brauchst.


Was ist das Berliner Modell bei der Kita-Eingewöhnung?

Das Berliner Modell ist der Ablauf, nach dem die meisten Kitas eingewöhnen. Entwickelt wurde es am INFANS-Institut in Berlin von Hans-Joachim Laewen, Beate Andres und Éva Hédervári-Heller. Es besteht aus vier Abschnitten: Grundphase, erster Trennungsversuch, Stabilisierung und Schlussphase.

In der Grundphase kommst du drei Tage lang mit deinem Kind für ein bis zwei Stunden in die Gruppe. Du bist der sichere Hafen im Hintergrund. Wickeln und Füttern übernimmst weiterhin du, nicht die Fachkraft.

Am vierten Tag folgt der erste Trennungsversuch. Du verabschiedest dich sichtbar und verlässt den Raum. Wie lange du wegbleibst, entscheidet die Reaktion deines Kindes: bei einem ruhigen Kind etwa 30 Minuten, bei einem weinenden Kind nur zwei bis drei Minuten.

Danach übernimmt die Fachkraft nach und nach die Aufgaben, die bisher bei dir lagen. Die Übergabe beginnt am fünften Tag und wird bewusst nicht auf einen Montag gelegt. Der Mittagsschlaf in der Kita kommt bei einer längeren Eingewöhnung etwa ab dem neunten Tag dazu.

Wie unterscheidet sich das Münchner Modell vom Berliner Modell?

Das Münchner Modell dauert länger und trennt später. Es umfasst fünf Phasen: Vorbereitung, Kennenlernen, Sicherheit, Vertrauen und Auswertung. Insgesamt sind fünf bis sechs Wochen vorgesehen, gegenüber zwei bis drei Wochen beim Berliner Modell.

Der wichtigere Unterschied ist die Rolle deines Kindes. Im Berliner Modell wird dein Kind eingewöhnt. Im Münchner Modell gewöhnt es sich selbst ein, und zwar mit Hilfe der anderen Kinder in der Gruppe.

Praktisch heißt das: Du bist die ersten zwei Wochen mehrere Stunden am Tag dabei und erlebst den normalen Tagesablauf mit. Die Fachkraft hält sich in dieser Zeit zurück. Erst danach kommt die erste Trennung.

Für dich als Vater ist das ein Unterschied in der Planung, nicht in der Qualität. Beide Modelle sind fachlich anerkannt. Das Münchner Modell kostet dich nur deutlich mehr Arbeitszeit.

Wie lange dauert die Eingewöhnung in der Kita?

Nach dem Berliner Modell dauert die Eingewöhnung zwei bis drei Wochen, in kurzen Verläufen etwa eine Woche. Das Münchner Modell braucht fünf bis sechs Wochen. Diese Zeitangaben gelten für den Regelfall und verschieben sich, sobald dein Kind krank wird.

Die Dauer hängt an der Reaktion beim ersten Trennungsversuch. Protestiert dein Kind deutlich, plant die Kita mehr Zeit ein. Bleibt es ruhig, geht es schneller.

Rechne bei jeder Krankheit mit einem Rückschritt. Nach einer Woche Fieber fängt die Eingewöhnung oft nicht bei null an, aber ein paar Tage gehen verloren. Wie häufig Infekte im ersten Kita-Jahr sind, haben wir in einem eigenen Beitrag zu Dauerinfekten im ersten Kita-Jahr aufgeschrieben.

Bedeutet eine kurze Eingewöhnung eine schlechte Bindung?

Vater kniet neben Kleinkind in der Kita-Garderobe, eine Erzieherin sitzt in der Nähe. (mit KI erstellt)
Eine kurze Eingewöhnung kann bedeuten, dass sich ein Kind in der Kita schnell sicher fühlt.

Nein. Eine kurze Eingewöhnung ist kein Urteil über euch als Eltern. Sie sagt etwas darüber, wie dein Kind an diesem Tag auf die Trennung reagiert hat, mehr nicht.

Der Zusammenhang hinter dieser Frage ist echt. Er wird nur oft falsch wiedergegeben. Das Berliner Modell plant für Kinder, die bei der Trennung protestieren, zwei bis drei Wochen ein. Für Kinder, die gleichmütig bleiben, etwa eine Woche.

Daraus lässt sich nicht ableiten, dass ein schnell eingewöhntes Kind schlechter gebunden ist. Kinder sind unterschiedlich temperamentvoll, manche waren schon bei einer Tagesmutter, andere haben ältere Geschwister in derselben Kita. Wenn dich die Frage umtreibt, sprich sie im Elterngespräch direkt an.

Was tun, wenn die Kita-Eingewöhnung nicht klappt?

Geh einen Schritt zurück und verkürze die Trennungszeit, statt sie zu verlängern. Das ist die Reaktion, die im Berliner Modell vorgesehen ist. Ein Kind, das nach 30 Minuten nicht zu beruhigen war, schafft vielleicht fünf.

Vereinbare dafür einen eigenen Termin mit der Bezugserzieherin. Ein Gespräch zwischen Tür und Angel bringt nichts, weil sie in dem Moment acht andere Kinder im Blick hat. Frag konkret: Wie lange hat es gedauert, bis dein Kind sich beruhigt hat, und wie war der Rest des Vormittags?

Halte das Abschiedsritual kurz und immer gleich. Zwei Sätze, eine Umarmung, dann gehst du. Zurückkommen, weil das Weinen lauter wird, verlängert die Szene und macht den nächsten Morgen schwerer.

Verschwinde nie heimlich. Es wirkt im Moment einfacher und kostet dich am Tag darauf mehr, weil dein Kind dich dann nicht mehr aus den Augen lässt.

Tut sich nach vier Wochen nichts, ist ein längeres Gespräch fällig. Mögliche Wege sind ein Wechsel der Bezugserzieherin, ein späterer Start oder ein anderes Modell. Eine Kita, die auf keinen dieser Punkte eingeht, ist ein Warnsignal.

Welche Fehler passieren bei der Kita-Eingewöhnung am häufigsten?

Der häufigste Fehler ist der Vergleich mit anderen Kindern. Das Nachbarskind bleibt nach drei Tagen bis zum Mittagessen. Deins braucht nach zwei Wochen noch kurze Tage. Die beiden starten mit unterschiedlichem Temperament und unterschiedlicher Trennungserfahrung.

Der zweite Fehler ist der lange Abschied. Noch ein Kuss, noch eine Erklärung, noch ein Blick zurück von der Tür. Jede dieser Schleifen verlängert den schweren Moment, statt ihn zu beenden.

Der dritte Fehler passiert zu Hause. Sprich vor deinem Kind nicht über Personalmangel, schlechte Erfahrungen oder deine eigenen Zweifel. Kinder hören den Tonfall, lange bevor sie die Sätze verstehen. Kritik an der Kita gehört unter Erwachsene.

Ist mein Kind mit zwei Jahren zu jung für die Kita?

Nein, zwei Jahre sind ein üblicher Zeitpunkt. In Deutschland gibt es ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, und viele Kinder starten mit einem oder zwei Jahren. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Betreuung im ersten Jahr danach.

Sieh dir den Personalschlüssel in der Gruppe an und frag nach einer festen Bezugserzieherin. Ein Kind mit zwei Jahren braucht eine Person, an die es sich halten kann. Wechselnde Gesichter machen die Eingewöhnung schwerer als das Alter.

Frag außerdem, wie die Kita mit Krankheitswellen umgeht. In Gruppen mit vielen Zweijährigen fällt regelmäßig Personal aus, und dann wird die Eingewöhnung unterbrochen.

Was kann ich als Vater bei der Eingewöhnung übernehmen?

Vater begleitet Kleinkind beim Spielen mit Erzieherin in einer Kita-Gruppe. (mit KI erstellt)
Väter können bei der Kita-Eingewöhnung Sicherheit geben und den Kontakt zur Erzieherin aktiv unterstützen.

Du kannst die Eingewöhnung komplett übernehmen. Fachlich spricht nichts dagegen, und in vielen Kitas ist es inzwischen normal. Wichtig ist nur, dass ihr nicht mittendrin wechselt.

Ein Wechsel der Begleitperson nach dem ersten Trennungsversuch wirft die Eingewöhnung zurück. Dein Kind baut die Beziehung zur Fachkraft über eine vertraute Person auf. Tauscht ihr diese Person aus, beginnt ein Teil der Arbeit von vorn.

Entscheidet also vorher, wer es macht, und plant die Zeit auf diese Person. Wenn ihr euch abwechseln wollt, macht es blockweise nach Abschluss der Eingewöhnung, nicht mitten in der Trennungsphase.

Es ist unangenehm, das eigene Kind weinen zu hören und trotzdem zu gehen. Verabrede dir für die ersten Tage etwas für die halbe Stunde danach, statt im Auto zu sitzen und aufs Handy zu starren.

Wie bekomme ich die Kita-Eingewöhnung neben dem Job hin?

Nimm Urlaub oder einen Monat Elternzeit, denn einen eigenen gesetzlichen Anspruch auf Freistellung für die Eingewöhnung gibt es nicht. Kinderkrankengeld greift hier nicht, das gilt nur bei Krankheit deines Kindes. Wie Freistellung und Kinderkrankengeld geregelt sind, steht in einem eigenen Beitrag.

Rechne im Berliner Modell mit täglich ein bis zwei Stunden in der Kita plus Anfahrt, über zwei bis drei Wochen. Das lässt sich mit einem Vollzeitjob schlecht kombinieren, weil die Zeiten am Vormittag liegen. Beim Münchner Modell sind es mehrere Stunden täglich über fünf bis sechs Wochen.

Elternzeit musst du bei Kindern unter drei Jahren spätestens sieben Wochen vor Beginn beim Arbeitgeber anmelden. Das ist der Grund, warum du die Zusage der Kita früh brauchst. Mehr dazu steht in unserem Elternzeit-Ratgeber.

Was kann ich vor dem ersten Kita-Tag schon vorbereiten?

Beschrifte die Kleidung, bevor der erste Tag kommt. Das klingt nebensächlich, spart dir aber in der ersten Woche viel Sucherei. Wie das haltbar geht, steht in unserem Beitrag zum Beschriften von Kita-Kleidung.

Stell den Morgenablauf zwei Wochen vorher um. Wenn dein Kind bisher um acht aufwacht und die Kita um halb neun beginnt, verschiebst du besser jetzt die Uhrzeit als am ersten Tag.

Sprich zu Hause über die Kita, ohne sie groß anzukündigen. Der Name der Erzieherin und ein Blick auf das Gebäude reichen. Wochenlanges Reden über die Kita baut Druck auf, den dein Kind am ersten Tag nicht braucht.

Packt die Tasche gemeinsam. Hinein gehören Wechselkleidung, Hausschuhe und ein vertrautes Kuscheltier. Frag vorher in der Kita nach, was mitkommen darf. Manche Gruppen wollen kein Spielzeug von zu Hause.

In der letzten Woche vor dem Start klärst du:

  • Bringzeiten mit der Kita abstimmen und beruflich Puffer einplanen.
  • Schlaf- und Essenszeiten an den Rhythmus der Gruppe angleichen.
  • Ein festes Abschiedsritual für jeden Morgen festlegen.
  • Mit der Fachkraft besprechen, welche Worte deinem Kind beim Trösten helfen.
  • Nach dem Abholen Nähe anbieten, statt Fragen zu stellen.

Und leg dir für den vierten Tag nichts Wichtiges in den Kalender. Das ist der Tag, an dem du das erste Mal gehst, und er dauert erfahrungsgemäß länger als geplant.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Eingewöhnung in der Kita?

Nach dem Berliner Modell zwei bis drei Wochen, in kurzen Verläufen etwa eine Woche. Das Münchner Modell ist auf fünf bis sechs Wochen angelegt. Wird dein Kind zwischendurch krank, verlängert sich die Zeit um einige Tage.

Was ist das Berliner Modell bei der Eingewöhnung?

Ein Ablauf in vier Abschnitten, entwickelt am INFANS-Institut in Berlin. Ein Elternteil begleitet das Kind drei Tage lang für ein bis zwei Stunden, am vierten Tag folgt der erste Trennungsversuch. Danach übernimmt die Fachkraft nach und nach Wickeln und Füttern.

Was mache ich, wenn die Kita-Eingewöhnung nicht klappt?

Verkürze die Trennungszeit, statt sie zu verlängern, und vereinbare einen eigenen Termin mit der Bezugserzieherin. Halte das Abschiedsritual kurz und immer gleich, und komm nicht zurück, wenn das Weinen lauter wird. Tut sich nach vier Wochen nichts, sprich über einen Wechsel der Bezugsperson oder einen späteren Start.

Darf mein Kind mit zwei Jahren schon in die Kita?

Ja, das ist ein üblicher Zeitpunkt. In Deutschland besteht ab dem ersten Geburtstag ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Wichtiger als das Alter ist, ob es in der Gruppe eine feste Bezugserzieherin gibt.

Kann ich als Vater die Eingewöhnung allein machen?

Ja, und in vielen Kitas ist das normal. Entscheidend ist, dass ihr die Begleitperson nicht mitten in der Eingewöhnung wechselt. Ein Wechsel nach dem ersten Trennungsversuch wirft einen Teil der Arbeit zurück.

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Michael Schöttler

Gründer von papa.de. Vater von drei Jungs, Unternehmer und dein Wegbegleiter durch alle Phasen des Vaterseins.

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