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Unsere Tochter will abends plötzlich wieder getragen werden

Gestartet von kaffee_junkie · 17. August 2026

kaffee_junkieEröffnung
Hallo zusammen, unsere Tochter ist fast drei und war beim Einschlafen eigentlich recht stabil. Seit zwei Wochen will sie abends aber wieder getragen werden. Nicht nur kurz kuscheln, sondern richtig auf dem Arm durch den Flur. Wenn ich sie hinlege, weint sie und sagt „Papa tragen“. Ich schwanke zwischen: Sie braucht gerade Nähe, und: Wenn ich das jetzt jeden Abend mache, trage ich sie bis zur Einschulung durch die Wohnung. Meine Frau sieht es entspannter, ich merke aber, dass mein Rücken und meine Geduld abends beide dünn sind. Routine ist gleich geblieben: Schlafanzug, Zähne, Buch, Wasser, Gute Nacht. Kita läuft normal, soweit man das bei Dreijährigen sagen kann. Hattet ihr solche Rückschritte auch? Wie habt ihr Nähe gegeben, ohne jeden Abend eine halbe Stunde Flurwandern zu machen?
grillmeister_88
@kaffee_junkie, ja, hatten wir. Bei unserer Tochter kam das immer in Wellen. Mal nach Krankheit, mal nach einem Kita-Wechsel in der Gruppe, mal ohne für uns sichtbaren Grund. Ich würde es nicht gleich als neue Dauerregel sehen. Was bei uns half: Tragen ja, aber mit klarem Rahmen. Ich habe gesagt: „Ich trage dich bis zur Tür und zurück, dann kuscheln wir im Bett.“ Am Anfang gab es Protest, aber weniger als bei komplettem Nein. Wichtig war, dass ich ruhig blieb und nicht nach der dritten Runde heimlich doch fünf draus machte. Vielleicht kannst du aus dem Tragen einen kurzen Tank-Moment machen. Ein Lied im Arm, dann ins Bett, Hand auf den Rücken. Wenn sie wieder raus will, freundlich gleich bleiben. Und Rücken ernst nehmen. Nähe ist gut, aber ein kaputter Papa am Bettrand hilft auch keinem. Dreijährige dürfen traurig sein, wenn die Runde kürzer ist.
flaschenpost_robin
@kaffee_junkie, bei uns war „tragen“ manchmal gar nicht Tragen, sondern die Frage: Bleibst du noch bei mir, wenn der Tag vorbei ist? Unser Zweijähriger konnte das natürlich nicht so sagen, also hing er an mir wie ein nasser Schlafsack. Wir haben dann eine feste Reihenfolge gebaut. Erst einmal hochnehmen am Fenster, drei Dinge draußen suchen, Auto, Baum, Laterne. Dann ins Bett und ich blieb noch zwei Minuten mit Hand auf dem Bauch. Timer leise auf Vibration, nicht als Druck fürs Kind, eher für mich, damit aus zwei Minuten nicht zwanzig werden. Wenn er wieder hoch wollte, habe ich gesagt: „Hochnehmen ist fertig. Ich bin hier.“ Das gab erst Gemecker. Nach ein paar Abenden war es okay. Vielleicht steckt bei euch auch Müdigkeit dahinter. Wenn wir zu spät dran waren, wurde unser Kind anhänglicher und gleichzeitig wilder. Früher starten hat mehr gebracht als strengere Worte.
e_wie_edgar
@kaffee_junkie, ich würde da auch nicht sofort ein großes Fass aufmachen. Fast drei ist so ein Alter, da können sie tagsüber schon unfassbar viel und abends sind sie wieder ganz klein. Das ist kein Rückschritt, eher leerer Tank. > Nicht nur kurz kuscheln, sondern richtig auf dem Arm durch den Flur. Bei uns half ein Satz, der jeden Abend gleich war: „Ich trage dich bis zur Tür und dann kuscheln wir im Bett.“ Am Anfang gab es Protest, klar. Ich habe ihn nicht diskutiert, nur ruhig wiederholt. Wichtig war, dass ich nicht heimlich immer länger getragen habe, weil ich müde war. Genau dann wurde es bei uns zäh. Vielleicht auch tagsüber einmal kurz fragen, ob in der Kita gerade etwas anders ist. Nicht verhören, eher beim Lego nebenbei. Manchmal kommt dann ein Satz, der alles erklärt.
sandkastenchef
@kaffee_junkie, bei uns war es ähnlich, nur hieß es nicht „tragen“, sondern „Papa sitzen“. Ich sollte auf dem Teppich sitzen, bis mir beide Beine eingeschlafen sind. Wenn ich zu früh aufstand, war Weltuntergang. Was geholfen hat: Wir haben den Körperkontakt vorgezogen. Nach Zähneputzen gab es fünf Minuten „Akku laden“ auf dem Teppich. Kein Handy, kein Aufräumen nebenbei, nur Kind auf dem Schoß. Danach Buch, dann Bett. Wenn danach noch Tragen kam, habe ich gesagt: „Einmal bis zum Bad und zurück, dann Bett.“ Bei uns war der häufigste Fehler, dass ich abends schnell fertig werden wollte. Das hat sie sofort gemerkt. Wenn ich innerlich schon bei Spülmaschine und Sofa war, wurde sie klammeriger. Klingt nervig, aber zehn echte Minuten waren am Ende kürzer als vierzig Minuten Kampf.
grillmeister_88
@kaffee_junkie, bei unserer Tochter kam das auch kurz vor drei. Tagsüber wollte sie alles „alleine, Papa“, abends sollte ich sie tragen wie ein Baby. Erst dachte ich, ich mache ihr damit etwas wieder kaputt. War Quatsch. Sie war einfach durch. @e_wie_edgar trifft es mit dem leeren Tank ziemlich gut. Bei uns war der Abend vorher zu voll: Kita, Spielplatz, noch schnell einkaufen, dann Zähne, Buch, Bett. Für sie war das wie ein langer Flur ohne Haltestelle. Wir haben dann nach dem Abendbrot zehn Minuten Kuscheln auf dem Sofa fest eingebaut. Kein Handy, kein Aufräumen nebenbei. Danach durfte sie wählen: auf dem Arm bis zur Zimmertür oder an meiner Hand laufen. Meist reichte schon die Wahl. Manchmal habe ich sie getragen. Rücken meckert, Kind schläft, Frieden im Haus :)
Klinker_Klaus
@kaffee_junkie, ich würde da nicht zu sehr in „Konsequenz“ denken. Klar, wenn dein Rücken kaputt ist, brauchst du eine Grenze. Aber das Bedürfnis dahinter darf trotzdem ernst sein. Bei uns hilft der Satz: „Ich trage dich bis zum Teppich, danach laufen deine Füße.“ Das ist klar und nicht kalt. Wenn mein Sohn dann motzt, bleibe ich bei dem Satz und mache nicht noch zehn Erklärungen. Je mehr ich rede, desto mehr verhandelt er, und dann ist niemand entspannt. > Wenn ich nein sage, bricht sie komplett zusammen Dann ist das Nein vielleicht zu groß für den Moment. Mach es kleiner. Nicht „Ich trage dich nicht mehr“, sondern „Ich trage dich bis zur Tür“. Dazu Körperkontakt vorher, wie @sandkastenchef schrieb. Bei müden Kindern ist Nähe oft der schnellere Weg als ein Vortrag über große Mädchen.
e_wie_edgar
@kaffee_junkie, ich würde das wirklich als müden Akku lesen. Tagsüber groß sein kostet Kraft. Abends kommt dann das kleine Kind wieder raus und sagt nicht „Ich brauche Nähe“, sondern „Trag mich“. Bei uns half ein fester Satz, der nicht jedes Mal neu verhandelt wurde: „Ich nehme dich bis zur Tür, dann gehen wir zusammen zum Bett.“ Manchmal auf dem Arm, manchmal Hand in Hand. Wenn mein Rücken dicht war, habe ich das gesagt: „Mein Rücken kann heute nicht tragen, aber mein Arm ist da.“ Das war ehrlicher als genervt zu schleppen. Wichtig finde ich, daraus keinen Test zu machen. Nicht fragen: „Du bist doch schon groß, oder?“ Das beschämt schnell. Lieber Nähe geben, klare Grenze dazu, und dann weiter im Abendablauf. Meist wurde es nach ein paar Wochen von allein weniger.
kaffee_junkie
Danke euch, das nimmt mir echt Druck. Ich hatte im Kopf schon wieder dieses „Wenn ich jetzt nachgebe, trage ich sie bis zur Einschulung“. Klingt beim Schreiben selbst absurd, aber abends um halb acht fühlt sich sowas erstaunlich logisch an. @Klinker_Klaus, deinen Satz mit „bis zum Teppich“ haben wir gestern getestet. Ich habe sie vom Bad bis zum Teppich getragen, dort gab es noch eine Minute Kuscheln, dann durfte sie ihre drei Dinge Gute Nacht sagen. Erst gab es Protest, aber keinen Komplettabsturz. @e_wie_edgar, das mit dem nicht testen ist ein guter Punkt. Ich sage oft „Du bist doch schon groß“. Eigentlich meine ich Ermutigung, bei ihr kommt aber wohl eher Druck an. Heute versuche ich: „Du bist müde, ich helfe dir bis zum Bett.“ Mal sehen.
volker_vw
@kaffee_junkie, dieses „bis zur Einschulung“ kenne ich aus dem Kopfkino. Bei Sprache, Schlaf, Trockenwerden, allem. Man denkt sofort, jeder Schritt zurück baut ein dauerhaftes Problem. Meist ist es nur ein schwerer Tag im Kinderkörper. Unser Sohn wollte eine Zeit lang abends wieder gefüttert werden. Ich war kurz innerlich im Drama. Dann haben wir es entdramatisiert: drei Löffel von Papa, Rest selbst. Nach zwei Wochen war es weg. Er brauchte wohl einfach dieses „Kümmer dich um mich“. Beim Tragen würde ich auch auf deinen Rücken achten. Nähe heißt nicht, dass du dich kaputtmachst. Setz dich aufs Bett, Kind auf den Schoß, einmal richtig drücken, dann ins Bett rutschen lassen. Das ist nicht weniger liebevoll, nur rückenschonender.
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