Unser Sohn ist zwei und eigentlich schon länger gern selbst ins Bett gelaufen. Seit zwei Wochen bleibt er aber unten an der Treppe stehen, hebt die Arme und sagt „tragen“. Wenn ich nein sage, gibt es Tränen und er hängt an meinem Bein.
Ich bin unsicher, ob das gerade Nähebedarf ist oder ob wir uns ein neues Abendtheater bauen. Tagsüber ist viel los, große Schwester, Kita, ich arbeite wieder mehr. Meine Frau sagt, dann trag ihn halt, er ist noch klein. Ich merke aber, dass ich abends schneller genervt bin, wenn alles wieder länger dauert. Kennt ihr solche Rückschritte?
Unser Zweijähriger will abends plötzlich wieder getragen werden
Gestartet von elb_papa_87 · 1. August 2026
@elb_papa_87, ich würde das erstmal nicht als Theater lesen. Mit zwei ist „ich kann das“ und „trag mich“ oft am selben Tag wahr. Gerade wenn tagsüber viel los ist, kommt abends die Rechnung.
Vielleicht baust du es begrenzt ein: „Ich trage dich bis zur Treppe oben, dann läufst du bis zum Bad.“ Oder andersrum. So bekommt er Nähe, aber ihr habt trotzdem einen Ablauf. Bei uns half auch eine klare kleine Wahl: auf Papas Arm bis zur Tür oder an Papas Hand laufen. Nicht fünf Optionen. Und wenn du merkst, du bist genervt, lieber vorher sagen: „Ich trage kurz, dann ist Schluss“, statt beim Tragen innerlich zu kochen.
@elb_papa_87, das hatten wir nach Kita-Start auch. Plötzlich wieder tragen, wieder Becher halten, wieder „Baby sein“. Ich habe erst gedacht, jetzt verlieren wir alles, was schon geklappt hat. War Quatsch. Es war eher ein Auftanken.
Wir haben daraus ein kleines Ritual gemacht: Ich trage bis zum Kinderzimmer und mache dabei drei übertriebene Schritte wie ein Roboter. Danach darf sie den Schlafanzug selbst holen. Das war für sie Nähe und Spiel, für mich absehbar. Nach ein paar Wochen lief sie wieder öfter selbst. Ich würde also nicht hart werden, aber einen Rahmen setzen, damit du abends nicht komplett ausfranst.
@elb_papa_87, bei uns kam das auch aus dem Nichts. Erst wollte unsere Kleine alles allein machen, Treppe, Schlafanzug, Zähneputzen. Dann plötzlich Arme hoch und „Papa tragen“. Ich habe mich erst gefragt, ob ich damit ein neues Fass aufmache.
Am Ende war es viel unspektakulärer. Ich habe ihr gesagt: „Ich trage dich bis zur Lampe, dann laufen deine Füße weiter.“ Das war klar genug und trotzdem weich. Manchmal wollte sie danach noch an die Hand, manchmal nicht.
Was @Klinker_Klaus schreibt, passt für mich. Nicht als Rückschritt sehen. Abends ist bei Kindern oft der Akku leer, dann wollen sie kurz wieder klein sein. Ich kenne das nach langen Arbeitstagen auch, nur hebt mich keiner die Treppe hoch :) Wichtig wäre mir nur, dass du nicht jeden Abend neu verhandelst. Gleicher Satz, gleicher Ablauf, dann ist es für euch beide leichter.
@abendbrot_papa, „Auftanken“ trifft es. Unser Sohn hatte so eine Phase kurz bevor das Baby kam. Tagsüber war er stolz wie Bolle, abends stand er da wie ein nasser Sack und wollte getragen werden. Ich habe erst innerlich die Alarmglocke gehört: Jetzt wird er wieder klein. War Quatsch.
Wir haben daraus ein kleines Spiel gemacht. Ich war der Kran, er war die schwere Ladung. Aber der Kran fuhr nur bis zum Teppich im Flur. Danach musste die Ladung selbst zum Bett rollen. Klingt bekloppt, hat hier aber den Stress rausgenommen.
@elb_papa_87, ich würde auf die Tränen nicht mit langer Rede antworten. Kurz anerkennen: „Du willst getragen werden, ich sehe das.“ Dann dein Plan. Wenn du heute nein, morgen ja, übermorgen vielleicht machst, wird es für ihn schwerer. Nähe geben und trotzdem Rahmen halten passt zusammen.
@elb_papa_87, ich wäre da auch nicht zu streng mit dem „eigentlich kann er das“. Unsere Tochter kann ihre Schuhe anziehen, außer wenn sie müde ist, Hunger hat, ein falscher Mond steht oder ich zu optimistisch gucke. Dann kann sie gar nichts mehr :)
Bei uns hilft ein Mini-Ritual mit Wahl. „Willst du auf Papas Arm bis zur Tür oder an Papas Hand bis zum Bad?“ Beides führt in die richtige Richtung, aber sie hat nicht das Gefühl, dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird.
Ich finde den Hinweis von @abendbrot_papa gut, das nicht als Verlust zu sehen. Manchmal will ein Kind kurz spüren: Ich muss nicht immer groß sein. Wenn der Tag lang war, ist das Bett der Ort, wo alles rauskommt. Ich würde es begrenzen, liebevoll und verlässlich. Und wenn du mal platt bist, darfst du auch sagen: „Heute trägt Papa nicht, heute gehen wir ganz langsam zusammen.“
@holzleim_holger, „neues Fass aufmachen“ dachte ich bei unserem Sohn auch. Gerade wenn sie etwas schon konnten, fühlt sich Rückschritt schnell wie Niederlage an. Dabei ist es oft nur müde, Nähe tanken, Tag verarbeiten.
@elb_papa_87, ich würde daraus kein Grundsatzthema machen. Wenn du ihn zehn Minuten trägst, verlernt er nicht das Laufen. Du kannst trotzdem einen Rahmen setzen: „Ich trage dich bis zur Zimmertür, dann kletterst du ins Bett.“
Bei uns wurde es besser, als ich nicht mehr beweisen wollte, dass er groß ist. Tagsüber durfte er groß sein. Abends durfte er nochmal klein sein. Danach war oft sogar weniger Theater.
@abendbrotpapa, der falsche Mond hat mich erwischt. Bei uns ist es ähnlich. Unsere Kleine kann allein laufen, außer wenn Schlafanzugzeit ist. Dann sind die Beine plötzlich aus Pudding.
Ich mache inzwischen einen Deal draus: Ich trage dich bis zum Teppich, dann gehst du die letzten drei Schritte wie ein Bär. Manchmal klappt es, manchmal bin ich der Lastenesel. Aber es bleibt freundlich.
@baustellenchef, dieses Babythema hatten wir auch. Wenn ein Geschwisterchen viel getragen wird, wollen die Großen eben auch mal beweisen: Ich passe auch noch auf Papas Arm. Eigentlich logisch. Nur abends mit Rücken aua vergisst man die Logik kurz.
@abendbrotpapa, ich muss immer noch über den falschen Mond lachen. Gestern war hier wieder Puddingbein-Alarm. Unser Vierjähriger konnte den ganzen Tag rennen, klettern, Sofa springen. Um 19 Uhr vor der Treppe war er plötzlich ein hilfloses Rehkitz.
Ich trage jetzt nicht mehr komplett bis ins Bett, weil mein Rücken meckert. Aber ich mache eine feste Strecke. Bis zur Treppe auf dem Arm, dann zwei Stufen selber, dann Hand halten. Das wird gar nicht groß besprochen.
@elb_papa_87, ich glaube, wenn man daraus kein Machtspiel macht, wird es auch schneller wieder langweilig. Nähe ja, Dauerdienst nein.
@e_wie_edgar, „kein Grundsatzthema“ finde ich wichtig. Gerade abends ist bei uns alles größer als es ist. Ein Becher in der falschen Farbe kann dann schon Weltuntergang sein. Da würde ich Laufen nicht zum Charaktertest machen.
Bei unserem Sohn half eine Mischung aus Nähe und Rahmen. „Ich trage dich bis zur Badezimmertür, danach stapfst du wie ein Bär.“ Manchmal wurde daraus ein Spiel. Manchmal nicht. Dann blieb ich ruhig.
Wenn ich anfing mit „Du bist doch schon groß“, ging es schief. Er hörte wohl nur: Deine Müdigkeit passt mir gerade nicht. Seit ich weniger rede, klappt es besser.
@abendbrotpapa, ich würde das abends nicht zu groß machen. Bei uns war Tragen auch plötzlich wieder Thema. Tagsüber konnte unser Sohn rennen wie ein kleiner Presslufthammer, abends vor der Treppe war er ein nasser Sack.
Ich habe dann eine feste Strecke angeboten: bis zur Lampe trage ich, danach gehst du mit meiner Hand. Wenn er protestierte, blieb ich ruhig. Nicht diskutieren, nicht predigen.
@Klinker_Klaus, genau, kein Charaktertest. Abends ist der Tank leer. Da braucht ein Kind manchmal nochmal Babygefühl. Solange du einen Rahmen setzt und nicht komplett als Lastesel endest, finde ich das okay.
Kurzes Update von der Puddingbein-Front: Der Teppich-Deal funktioniert bei uns erstaunlich gut. Ich trage bis zum Teppich, dann stampft unser Kleiner die letzten Meter wie ein alter König zum Bad.
Gestern wollte er erst wieder komplett getragen werden. Ich habe nur gesagt: „Bis Teppich, dann deine Beine.“ Kein Vortrag. Er meckerte, ging aber. Danach wollte er beim Zähneputzen wieder auf den Arm. Da habe ich ihn kurz gedrückt und dann auf den Hocker gestellt.
@Klinker_Klaus, dein Satz mit Nähe und Rahmen trifft es. Ich muss nicht hart sein, aber ich muss auch nicht jeden Abend den Gabelstapler spielen.
@holzleim_holger, der „alte König zum Bad“ hat mich lachen lassen :) Genau so sieht es bei uns auch manchmal aus. Tagsüber wild wie ein Känguru, abends plötzlich schwer wie nasser Beton.
Ich finde euren Teppich-Deal gut, weil er Nähe gibt und trotzdem einen kleinen eigenen Schritt lässt. Bei uns war wichtig, nicht dauernd zu sagen: „Du bist doch schon groß.“ Das machte alles schlimmer. Besser war: „Ich helfe dir bis zur Tür, den Rest schaffst du mit mir daneben.“
@abendbrotpapa, abends sind hier auch alle Akkus rot. Wenn ich dann mit Prinzipien komme, verliere ich gegen einen Schlafanzug mit Dinosauriern.
Wir machen es ähnlich wie @holzleim_holger. Feste Strecke tragen, dann ein kleines Ritual: Drei Stampfer, einmal brüllen wie ein Löwe, ab ins Bad. Klingt albern, aber es nimmt den Kampf raus. Wichtig war bei uns, dass ich es nicht jeden Abend neu verhandle. Sonst wird aus dem Flur eine Tarifrunde.
@Klinker_Klaus, „nasser Sack vor der Treppe“ passt perfekt. Ich glaube, wir Eltern überschätzen abends manchmal, wie viel Wille da noch übrig ist. Das Kind kann laufen, ja. Aber können und gerade schaffen sind zwei verschiedene Dinge.
Bei uns half die Frage: Braucht er Nähe oder will er bestimmen? Meist war es Nähe. Dann gab es eine Portion Tragen ohne Kommentar. Wenn daraus ein Spiel wurde, kam der Rahmen: bis zum Bad, dann Füße selber. Das war für alle fairer.
@baustellenchef, der Schlafanzug mit Dinosauriern gewinnt hier auch regelmäßig gegen Erziehungsgrundsätze. Ich habe aufgehört, abends aus jedem Meter Flur eine Charakterfrage zu machen.
Bei uns ist es jetzt so: Ich trage bis zur Badezimmertür, dann macht meine Tochter zwei „Riesenstapfer“ alleine rein. Manchmal klappt es, manchmal hängt sie wie ein Mehlsack an mir. Dann ist eben Mehlsackabend. Wichtig ist für mich nur, dass ich vorher sage, was kommt. Nicht plötzlich absetzen, wenn sie eh schon im roten Bereich ist.
@Klinker_Klaus, „können und gerade schaffen“ trifft bei uns genau ins Schwarze. Meine Tochter kann abends ihr ganzes Zimmer umräumen, aber den Weg zum Bad schafft sie angeblich nur mit königlicher Sänfte.
Wir machen vor dem Schlafen noch unseren kleinen Tank-Moment. Zwei Minuten auf dem Teppich sitzen, einmal fest drücken, dann geht es oft besser. Nicht immer. Aber ich merke, wenn ich diese Nähe vorher gebe, muss sie sie sich nicht auf der Treppe holen. Und ich bin dann auch weniger genervt.
@holzleim_holger, ich würde an eurem Teppich-Deal festhalten. Nicht als Vertrag mit Kleingedrucktem, sondern als vertrauten Ablauf. Abends ist der Tank leer, da hilft ein bekannter Weg mehr als eine Diskussion über Prinzipien.
Wir sagen manchmal: „Ich helfe dir starten.“ Dann trage ich zwei Meter, setze ihn ab und gehe sehr langsam nebenher. Wenn er wieder hoch will, frage ich kurz: „Nähe oder müde Beine?“ Klingt komisch, aber manchmal sagt er wirklich „Nähe“. Dann ist klar, worum es geht.