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Unser Baby schläft tagsüber nur in der Trage

Gestartet von rasenmähermann · 16. August 2026

rasenmähermannEröffnung
Hallo zusammen, unser Kleiner ist jetzt acht Wochen alt und schläft tagsüber fast nur in der Trage. Ablegen klappt manchmal fünf Minuten, dann ist Alarm. Nachts ist es okay, nicht traumhaft, aber okay. Ich merke, dass ich langsam unsicher werde, weil aus der Familie Sprüche kommen wie „Ihr gewöhnt ihm das nie wieder ab“. Meine Frau ist noch entspannt, aber auch müde. Ich trage gern, nur komme ich tagsüber kaum zu irgendwas. Wie seid ihr damit umgegangen? Einfach tragen und durch? Oder habt ihr feste Versuche zum Ablegen gemacht? Ich will keinen Kampf draus machen, aber mein Rücken meldet sich auch schon freundlich.
werkbank_willi
@rasenmähermann, acht Wochen ist wirklich noch winzig. Unser Baby war auch ein Kontaktbaby und ich hatte nachts diese Kopf-Filme: Wir verbocken den Schlaf, wir machen alles falsch, das Kind schläft nie allein. War Quatsch, aber müde klingt Quatsch sehr überzeugend. Trage heißt nicht, dass ihr euch ein Problem baut. Für so ein kleines Baby ist Körper einfach der sichere Ort. Ich würde eher schauen, wie ihr euch entlastet. Gute Trage richtig einstellen lassen, Wasser und Snack bereitstellen, vielleicht im Sitzen tragen oder auf dem Pezziball wippen, wenn der Rücken meckert. Ablegen haben wir ohne Ehrgeiz probiert. Nach 20 Minuten Tiefschlaf, warmes Tuch ins Bettchen, langsam ablegen, Hand noch drauf. Wenn es klappte, schön. Wenn nicht, wieder hoch. Kein Test, ob das Baby „schon kann“. Es ist kein kleiner Azubi ;)
Stromer_81
Bei K1 haben wir uns von solchen Sprüchen total verrückt machen lassen. Besuch saß da, alle wollten das Baby sehen, und wir dachten, wir müssten beweisen, dass Ablegen klappt. Ergebnis: Baby wach, Mutter fertig, ich mit Puls. Bei K2 waren wir strenger. Wer kommt, bringt Essen oder hängt Wäsche auf. Niemand kommt zum Baby-wachgucken. Tagschlaf in der Trage war dann einfach der Plan, nicht das Scheitern. @rasenmähermann, dein Rücken ist trotzdem ein echtes Thema. Wechselt euch ab, wenn es geht. Und macht die Aufgaben klein. Wenn du trägst, ist dein Job vielleicht nur Baby und Wasser trinken. Nicht nebenbei noch Küche, Mails und Staubsauger. Care-Arbeit sieht oft aus wie Rumstehen mit Baby, ist aber Arbeit. Das musste ich auch erst kapieren.
papierkram_hasser
@rasenmähermann, acht Wochen und Trage klingt für mich nicht nach Problem, sondern nach Baby. Blöd ist eher der Chor aus der Familie. Der singt gern laut, aber selten hilfreich ;) Bei unserer Tochter war Tagschlaf lange nur auf uns möglich. Ich habe damals auch gedacht, wir bauen uns da etwas ein, was nie wieder weggeht. Ist nicht passiert. Es hat sich in Wellen gelöst. Erst ein Schläfchen im Kinderwagen, später mal zehn Minuten im Bett, dann wieder gar nicht. Kein gerader Weg. Was ich wichtig fand: Deine Partnerin und du müsst nicht beweisen, dass euer Baby ablegbar ist. Wenn Besuch kommt, darf der Kaffee kalt bleiben und das Baby in der Trage pennen. Fertig. Für deinen Rücken vielleicht schauen, ob die Trage gut sitzt. Kleine Änderungen an Höhe und Gurt haben bei mir viel gebracht. Und wenn Ablegen geübt wird, dann ohne Publikum und ohne Ziel, bitte jetzt 90 Minuten zu schaffen.
schreibfauuul
@rasenmähermann, ich musste bei „Sprüche aus der Familie“ direkt seufzen. Babyschlaf zieht Kommentare an wie Marmelade Wespen. Unser Kleiner hat tagsüber auch gern auf mir gewohnt. Ich hatte ihn in der Trage, habe Brot gegessen und Krümel aus seinen Haaren gepult. Nicht mein stolzester Vatermoment, aber alle haben überlebt :) Nähe verwöhnt in dem Alter nicht. Das Baby merkt: Da ist jemand, warm, vertraut, Herzschlag. Mehr Plan hat es doch noch gar nicht. Wenn ihr ab und zu ablegen wollt, dann macht es als Versuch, nicht als Prüfung. Einschlafen lassen, noch ein paar Minuten warten, Po zuerst runter, Hand noch auf dem Bauch lassen. Klappt manchmal. Manchmal nicht. Und ganz ehrlich: Schlaf vor Ordnung. Wenn die Trage euch gerade Schlaf rettet, ist sie ein Werkzeug. Kein Charakterfehler. Haushalt kann auf Notstrom laufen.
bine_1985
Ich schreibe mal aus Mama-Sicht, weil mich solche Familiensprüche damals echt getroffen haben. Man ist müde, wund, hormonell komplett offen und dann sagt jemand „Ihr gewöhnt ihr das an“. Das sitzt. @rasenmähermann, wenn du deine Partnerin schützen willst, hilft manchmal ein klarer Satz nach außen: „Wir machen das gerade so, weil es für uns klappt.“ Nicht erklären, nicht rechtfertigen. Sonst wird daraus eine Runde mit zehn Meinungen. Bei uns war die Trage tagsüber lange mein Rettungsring. Ich konnte essen, kurz raus, sogar mal mit beiden Händen eine Tasse halten. Ablegen war nicht verboten, aber es musste nicht klappen. @Stromer_81 schrieb, Besuch soll Essen bringen oder Wäsche machen. Genau so. Wer nur kommt, um Baby und Eltern zu bewerten, darf später wiederkommen. Das klingt streng, aber im Wochenbett war Ruhe für mich wichtiger als Höflichkeit.
werkbank_willi
@rasenmähermann, ich würde mir den Satz „nur in der Trage“ einmal freundlich umdrehen: Euer Baby schläft. Das ist in dem Alter schon eine ziemlich brauchbare Nachricht :) Bei uns hat der Kopf nachts und tagsüber gern Quatsch erzählt. „Wir machen etwas falsch“, „das Kind lernt nie allein schlafen“, „alle anderen kriegen das besser hin“. Meist war das Müdigkeit mit Mikrofon. > Ihr gewöhnt ihr das an Dazu habe ich irgendwann nur noch gesagt: „Sie ist acht Wochen alt, sie braucht gerade Nähe.“ Nicht erklären, nicht vor Gericht ziehen. Wer helfen will, kann Essen bringen, Wäsche falten oder eine Stunde mit dem Baby im Tuch laufen, wenn ihr das mögt. Wer nur kommentiert, darf Kaffee trinken und leiser sein. Für dich als Vater: Tragezeiten können auch deine Schicht sein. Nicht als Beweis, sondern damit deine Partnerin wirklich mal duschen, schlafen oder stumm an die Wand schauen kann.
windelwechselprofi
@schreibfauuul, das mit den Krümeln aus den Haaren kenne ich leider sehr genau. Unsere Tochter ist jetzt zehn Wochen alt und ich habe letzte Woche ein halbes Brötchen auf ihr verteilt. Sie hat weitergeschlafen, also werte ich das als Zustimmung. @rasenmähermann, wir testen gerade nicht mehr jeden Tagschlaf als neues Forschungsprojekt. Das hat mich am Anfang irre gemacht. Ablegen, warten, weinen, wieder hoch, beide frustriert. Jetzt gibt es pro Tag vielleicht einen vorsichtigen Versuch im Bettchen, wenn sie tief schläft. Wenn es nicht klappt, kommt sie wieder ins Tuch und fertig. Was uns entlastet: Ich übernehme nachmittags eine feste Runde draußen. Gleiche Strecke, Podcast auf einem Ohr, Baby in der Trage. Meine Partnerin weiß dann, diese Stunde gehört ihr. Das ist besser als zehnmal zu sagen: „Sag Bescheid, wenn ich helfen soll.“ Müde Menschen melden sich nämlich oft nicht.
Stromer_81
@rasenmähermann, wir hatten bei K1 diesen inneren Druck, dass ein Baby doch irgendwann „richtig“ schlafen müsse. Spoiler: Es schlief richtig, nur eben auf uns. Bei K2 waren wir entspannter und plötzlich war die Trage kein Problem mehr, sondern ein Werkzeug. > Ihr gewöhnt ihr das an Den Satz kannst du freundlich in die Tonne treten. Ein Baby sucht Nähe, Wärme, Geruch und Bewegung. Das ist kein Trick gegen euch. Wenn es euch körperlich zu viel ist, dann darf man schauen, wie ihr euch abwechselt, welche Trage gut sitzt und wann ihr kleine Pausen bekommt. Aber nicht, weil das Baby etwas falsch lernt. Bei uns half: morgens eine sichere Tragerunde, danach einmal Ablegen versuchen, ohne Drama. Wenn es nicht ging, zurück in die Trage. Und Besuch bekam klare Aufgaben. Suppe bringen ja, Baby wachgucken nein.
bine_1985
Ich mag ergänzen, weil @bine_1985 das so gut beschrieben hat. Aus Mama-Sicht war für mich nicht die Trage das Problem, sondern die Kommentare drumherum. Wenn man müde ist und der Körper noch nicht wieder einem selbst gehört, klingt „Ihr macht euch abhängig“ wie ein Vorwurf. @rasenmähermann, dein Job kann da sehr praktisch sein. Nicht groß erklären, nicht diskutieren, sondern ruhig sagen: „Wir machen das gerade so, weil unser Baby damit schläft.“ Punkt. Wenn jemand weiterbohrt, Thema wechseln oder Kaffee anbieten. Was mir damals geholfen hätte: Mein Partner hätte sich selbst die Trage genommen, ohne dass ich fragen muss. Nicht als Held, sondern als normaler Teil vom Tag. Eine Stunde, in der ich duschen, essen oder einfach stumm aufs Sofa gucken konnte. Nähe fürs Baby und Luft für Mama, das ist eine ziemlich gute Kombi.
rasenmähermann
@rasenmähermann meldet sich nochmal :) Ich finde es schön, wie viele hier schreiben, dass die Trage kein Fehler ist. Bei unserem ersten Kind dachte ich auch, ich müsse tagsüber unbedingt ein Bettchenziel erreichen. Ergebnis: Baby wach, ich genervt, alle müde. Beim zweiten Kind war mein Maßstab viel bodenständiger: Hat jemand geschlafen? Hat jemand gegessen? Ist keiner auf Lego getreten? Guter Tag. Wenn ihr etwas ändern wollt, dann nur in Miniportionen. Erst nach zwanzig Minuten tiefem Schlaf hinsetzen. Dann vielleicht Trage lockern. Vielleicht bleibt es dabei. Vielleicht klappt Ablegen einmal pro Woche. Das ist kein Wettkampf. Und bitte Kommentare filtern. Wer „Ihr verwöhnt sie“ sagt, darf gern eine Waschmaschine anstellen oder Essen bringen. Dann ist er wenigstens nützlich ;)
schreibfauuul
@windelwechselprofi, ein halbes Brötchen auf dem Baby ist für mich ein offizieller Elternzeitorden. Ich hatte mal Reis auf dem Kopf vom Kind. Es schlief weiter, also habe ich still weitergegessen. Man wird praktisch. Zur Trage: Ich würde mir wirklich kein schlechtes Gewissen machen. Babys haben kein geheimes Programm namens „Eltern manipulieren“. Die wollen Wärme, Geruch, Herzschlag. Das ist ziemlich logisch, wenn man erst seit ein paar Wochen auf diesem lauten Planeten ist. Was uns entlastet hat: einer trägt, der andere macht kurz etwas Sichtbares. Dusche, Essen, Müll, zehn Minuten Augen zu. Nicht beide stehen ums Baby und hoffen, dass Schlaf jetzt endlich wie im Buch aussieht. Und wenn Oma oder Nachbar meint, das müsse anders sein, kann man freundlich sagen: „Heute funktioniert es so.“ Punkt. Nicht jede Meinung braucht eine lange Debatte.
windelwechselprofi
@rasenmähermann, kurzes Update von uns: Wir haben die Trage jetzt nicht mehr als Problem aufgeschrieben, sondern als Werkzeug. Klingt banal, hat aber meinen Kopf entspannt. Unsere Tochter schläft tagsüber weiter fast nur an uns. Ich setze mich nach einer Weile auf den Gymnastikball oder aufs Sofa, damit mein Rücken nicht komplett streikt. Ablegen testen wir einmal am Tag, nicht fünfmal. Wenn es klappt, schön. Wenn nicht, bleibt sie dran. @Stromer_81, dein Satz „Sie schlief richtig, nur eben auf uns“ hängt hier jetzt im Kopf. Genau das war der Dreh. Vorher habe ich jeden Trageschlaf als nicht bestanden gewertet. Und @bine_1985, danke für die Mama-Sicht. Meine Partnerin hat gestern gesagt, dass sie vor allem weniger Kommentare braucht. Also blocke ich die jetzt aktiver ab.
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