Hallo zusammen, meine Tochter ist 9 und jedes zweite Wochenende bei mir. Seit ein paar Wochen sagt sie freitags vor der Abholung, dass sie Bauchweh hat. Wenn sie dann hier ist, ist es oft nach einer Stunde weg. Sonntags kommt manchmal das gleiche in die andere Richtung.
Ich will sie ernst nehmen, aber ich merke, wie ich innerlich sofort anfange zu suchen: Will sie nicht zu mir, ist bei der Mutter was, mache ich zu viel Druck?
Die Übergaben sind eigentlich ruhig. Trotzdem hänge ich danach oft mit Knoten im Bauch da. Wie reagiert ihr, ohne das Kind zu befragen wie bei der Polizei?
Tochter hat vor dem Wechselwochenende Bauchweh und ich werde sofort nervös
Gestartet von schrauberbude · 1. Oktober 2026
@schrauberbude, aus Mama Sicht: Bitte nicht vor ihr anfangen, das Bauchweh zu deuten. Kinder spüren sofort, wenn Erwachsene nervös werden oder verletzt sind. Dann tragen sie plötzlich eure Gefühle mit.
Ich würde es warm und klar halten. „Dein Bauch tut weh, das ist blöd. Wir machen dir eine Wärmflasche, und der Wechsel bleibt trotzdem wie geplant.“ Damit sagst du: Ich glaube dir, aber dein Bauch muss nicht den ganzen Ablauf tragen.
Auch wichtig: Nicht an der Tür mit der Mutter darüber sprechen, während deine Tochter daneben steht. Lieber später kurz sachlich. Und Wörter wie „musst zu Papa“ vermeiden. Es ist einfach der normale Wechsel.
@schrauberbude, ich kenne das aus Bonusvater-Sicht. Wechselweh ist oft kein Urteil über einen Haushalt. Es ist der Moment dazwischen. Abschied von hier, Ankommen dort, andere Regeln, andere Gerüche, andere Zahnbürste. Für Kinder ist das viel.
Was hilft, ist verlässliche Langweile. Gleicher Ablauf, gleiche Tasche, kein Drama, kein großes Sonderprogramm als Ausgleich. Bei uns gab es freitags immer erst etwas Kleines zu essen und dann eine ruhige Sache. Kein „Jetzt machen wir es besonders toll, damit du gern hier bist“. Das macht wieder Druck.
Wenn das Bauchweh stark ist oder bleibt, natürlich Arzt. Aber wenn es nach dem Ankommen weg ist, würde ich zuerst an den Wechsel selbst denken. Ruhige Erwachsene sind da echt die halbe Miete.
@schrauberbude, @sofa_general_01 hat das mit dem Moment dazwischen gut beschrieben. Ich kenne dieses Bauchweh aus Patchwork auch. Bei uns war der Fehler am Anfang, dass alle Erwachsenen sofort innerlich einen Fall aufgemacht haben. Kind sagt Bauchweh, wir gucken uns an wie bei einer Prüfung. Zack, Kind merkt: Oh, das ist groß.
Was bei uns geholfen hat: nicht diskutieren, nicht nach Beweisen suchen, aber auch nicht wegwischen. „Mist, Bauchweh. Wir nehmen Tee mit ins Auto, und zu Hause legst du dich kurz aufs Sofa.“ Danach ganz normal weiter.
Sonntags würde ich den Ablauf genauso langweilig machen. Tasche, Kuscheltier, kurzer Blick, ob alles drin ist, dann los. Kein langes „Willst du wirklich?“ Das klingt lieb, macht aber oft mehr Last. Sie darf traurig sein. Ihr Erwachsenen bleibt das Geländer.
@schrauberbude, ich würde sehr auf die Wörter achten. Nicht „du musst jetzt zu Mama“ oder „du musst zu Papa“, sondern eher: „Heute ist Freitag, wir fahren jetzt los.“ Das nimmt diesem Wechsel ein bisschen Kampf raus.
Bei meiner Tochter war Bauchweh oft ein Signal für zu viel Gefühl auf einmal. Nicht gelogen, nicht gespielt. Der Bauch hat halt gesprochen, weil der Mund noch keine gute Form hatte. Wenn sie dann merkte, dass ich nicht verletzt bin, wurde es leichter.
> Wenn sie dann hier ist, ist es oft nach einer Stunde weg.
Das passt für mich total zu Ankommen. Ich würde daraus nicht machen: Bei mir ist alles gut, also liegt es am anderen Haushalt. Genauso wenig umgekehrt am Sonntag. Lieber: Ihr Körper braucht eine Stunde, bis er merkt, wo er gerade ist.
Vielleicht hilft ein gleiches kleines Ritual bei beiden Türen. Gleicher Satz, gleiche Umarmung, kein Drama.
@schrauberbude, aus Mama Sicht kann ich @frau_wagner nur zustimmen. Bitte nicht vor ihr besprechen, ob das Bauchweh „wegen Mama“ oder „wegen Papa“ kommt. Auch nicht mit Blicken. Kinder lesen das leider sehr gut.
Bei meiner Großen gab es nach Stress auch oft Körperzeichen. Bauch, Kopf, plötzlich ganz klein sein wollen. Das war nicht gespielt. Sie brauchte dann nicht fünf Fragen, sondern Nähe und einen klaren nächsten Schritt.
Ich würde ihr vielleicht einen festen kleinen Wechselbeutel machen, den sie selbst kennt. Nicht als großes Thema, eher als Sicherheit. Kuschelsocken, kleines Buch, Taschentücher. Und dann immer derselbe Satz: „Dein Bauch darf sich komisch fühlen, wir fahren trotzdem ruhig los.“
Wichtig finde ich: Sie darf beide Zuhause mögen und beide vermissen. Wenn sie merkt, dass euch das nicht kaputt macht, muss ihr Bauch weniger Arbeit leisten.
@schrauberbude, ich finde gut, dass du hier fragst und nicht sofort an dir oder der Mutter zweifelst. Dieses Bauchweh ist oft der Moment dazwischen. Nicht hier, nicht dort, alles wackelt kurz. Das kann sich echt im Körper melden.
Bei uns half eine sehr langweilige Spur. Gleiche Tasche, gleicher Satz, gleicher Snack im Auto. Keine großen Gespräche im Türrahmen. Kein „freust du dich?“ und kein „ist alles gut bei Mama?“. Nur: „Heute ist Freitag, wir fahren gleich. Dein Bauch darf weh tun, ich bin da.“
Wenn sie dann angekommen war, war oft nach einer Stunde wieder Leben drin. Ich würde trotzdem notieren, wann es kommt und wie lange es dauert. Nicht als Beweis gegen jemanden, sondern damit du ruhiger wirst und Muster siehst.
@schrauberbude, aus Mama Sicht noch ein Punkt: Bitte versuch, deine Sorge nicht mit den Augen an sie weiterzugeben. Ich weiß, das ist schwer. Kinder merken aber sofort, wenn Erwachsene innerlich schon den großen roten Knopf drücken.
Bei uns war der Satz hilfreich: „Dein Bauch meldet sich, weil heute Wechsel ist. Wir machen jetzt Schritt für Schritt.“ Dann Schuhe, Jacke, Tasche, los. Nicht kalt, aber klar. Wenn man zu viel fragt, muss das Kind plötzlich erklären, was es selbst noch nicht sortieren kann.
@anke_p hat recht mit dem Nichtdeuten vor dem Kind. Auch ein leiser Kommentar in der Küche kann hängenbleiben. Ich würde Erwachsenenkram erst besprechen, wenn sie nicht dabei ist. Für das Kind sollte der Wechsel nicht wie ein Gerichtstermin klingen.
Ich wollte kurz zurückmelden, weil ihr mich echt runtergeholt habt. Letztes Wochenende habe ich bewusst nicht im Türrahmen gefragt, ob sie sich freut. Ich habe nur gesagt: „Heute ist Freitag, wir fahren los, dein Bauch darf mitkommen.“ Klingt komisch, hat aber geholfen.
Im Auto gab es ihren Standardkeks und das gleiche Hörspiel wie sonst. Nach zwanzig Minuten hat sie gefragt, ob wir später Pfannkuchen machen. Da war mein Kopf schon deutlich leiser.
@erik, dieses „Moment dazwischen“ passt. Ich habe vorher zu schnell gedacht, es müsse ein Zeichen gegen mich oder gegen ihre Mutter sein. Vielleicht ist es manchmal einfach Abschied plus neuer Ort plus müdes Kind. Sonntag beim Zurückfahren war auch kurz Bauchweh da. Das hat mir gezeigt, es ist wohl wirklich der Wechsel und nicht eine Seite.