Hinweis (EU AI Act): Unsere Bilder sind KI-generierte Symbolbilder. Texte werden redaktionell verantwortet – KI unterstützt nur bei Planung und Rechtschreibung. Mehr erfahren

Mein Teenie redet kaum noch mit mir

Gestartet von dirk_b · 8. August 2026

dirk_bEröffnung
Moin zusammen, ich brauche mal euren Blick. Mein Sohn ist 15 und redet seit ein paar Wochen fast nur noch das Nötigste mit mir. Schule okay, Essen okay, Fußballtraining geht er hin. Also kein kompletter Rückzug, aber dieses lockere Erzählen ist weg. Ich will nicht bohren und auch nicht beleidigt wirken. Gleichzeitig fehlt mir der Kontakt. Wenn ich frage, kommt „nichts“ oder „weiß nicht“. Abends ist die Zimmertür zu. Ich klopfe an, bekomme aber oft nur ein knappes „was?“. Wie bleibt ihr dran, ohne daraus ein Verhör zu machen?
reboot_now
@dirk_b, ich kenne das sehr gut. Bei meinem Sohn hat direktes Fragen fast nie etwas gebracht. Je größer meine Sorge, desto kleiner seine Antworten. Besser lief es nebenbei. Auto fahren, Pizza holen, Fahrrad reparieren, irgendwas, bei dem man nicht frontal am Tisch sitzt. Ich würde die Tür respektieren und trotzdem kleine Signale setzen. Klopfen, kurz fragen: „Ich mache mir Tee, willst du auch?“ Wenn nein, kein Kommentar. Beim Essen keine große Runde „Was ist los mit dir?“. Eher eigene kleine Sachen erzählen und Lücken lassen. Manchmal kommt dann zwei Stunden später ein Satz aus dem Nichts. Den nicht sofort mit zehn Fragen erschlagen :)
nordwind_84
@dirk_b, solange Schule, Essen, Schlaf und ein paar normale Momente noch da sind, würde ich Rückzug erstmal nicht mit Kontaktabbruch verwechseln. Teenager brauchen Höhlen. Aber sie brauchen auch Eltern, die nicht beleidigt vor der Höhle sitzen. Bei uns gilt: anklopfen, Nein akzeptieren, aber Respekt bleibt. Wenn der Ton mies wird, sage ich klar: „Du musst nicht reden, aber so reden wir hier nicht.“ Nähe eher niedrigschwellig. Lieblingssnack hinstellen, zusammen Spiel schauen, kurze Fahrten anbieten. Und wenn du wirklich Sorge hast, benenne sie ruhig einmal: „Ich merke, du bist stiller. Ich bin da, auch wenn du gerade nichts erzählen willst.“ Dann aushalten.
daddelopa
@dirk_b, ich finde gut, dass du nicht sofort Alarm machst. Mein Sohn hatte auch Phasen, da kamen auf zehn Sätze von mir ungefähr anderthalb Grunzlaute zurück. Ich musste lernen, das nicht jedes Mal als Ablehnung zu lesen. Was bei uns gar nicht ging: nach der Schule direkt fragen. „Wie war es?“, „Was war los?“, „Warum bist du so still?“ Da war er dicht. Besser lief es später, wenn nebenbei etwas passierte. Spülmaschine ausräumen, Einkauf aus dem Auto, kurze Runde zum Kiosk. Ich würde einmal klar sagen: „Ich merke, du redest gerade weniger. Ist okay. Wenn was ist, bin ich da.“ Dann wirklich ruhig bleiben. Nicht alle zwei Tage nachlegen. Teenager hören solche Sätze, auch wenn sie gucken, als hätte man gerade die Bedienungsanleitung vom Toaster vorgelesen.
spielplatz_hannes
@dirk_b, ich bin alleinerziehend und kenne diese Sorge sehr. Wenn nur wir zwei am Tisch sitzen und vom Teenie kommt nichts, klingt die Wohnung plötzlich doppelt leer. Bei uns helfen feste kleine Kontaktpunkte, die nicht nach „Jetzt reden wir über Gefühle“ riechen. Dienstag Pizza aus dem Ofen, Freitag kurz einkaufen, Sonntag Fußball schauen. Manchmal reden wir dabei über gar nichts Wichtiges. Aber er weiß: Ich bin da und ich halte das Schweigen aus. > Schule okay, Essen okay, Fußballtraining geht er hin. Das würde mich erstmal beruhigen. Ich würde trotzdem Augen offen halten: Schlaf, Freunde, Essen, Stimmung, plötzlicher kompletter Rückzug. Aber wenn diese Punkte stabil sind, würde ich weniger ziehen. Eher kleine Türen offen lassen. „Ich fahre tanken, kommst du mit?“ reicht manchmal schon.
reboot_now
@dirk_b, noch ein Gedanke, weil ich mich da selbst ertappt habe: Ich wollte früher jedes gute Gespräch wiederholen. Wenn mein Sohn einmal im Auto offen war, habe ich beim nächsten Mal innerlich schon das große Vater-Sohn-Gespräch erwartet. Das hat er natürlich gemerkt. Inzwischen nehme ich die kleinen Sätze dankbarer. Wenn er sagt „Mathe war nervig“, antworte ich nicht mit fünf Fragen, sondern erstmal nur „Klingt anstrengend“. Manchmal kommt dann noch was. Manchmal nicht. @manuel hat recht mit dem Satz „Ich bin da“. Den würde ich nicht ständig erklären. Einmal ruhig sagen, dann im Alltag zeigen. Lieblingsmüsli kaufen, Training nicht vergessen, anklopfen, nicht beleidigt sein. Das ist auch Kontakt, nur nicht so, wie wir Erwachsenen ihn gern hätten.
papapause_81
@dirk_b, ich finde es stark, dass du den Kontakt nicht erzwingen willst. Mein Sohn ist zwar erst acht, aber ich merke schon jetzt: Wenn ich meine Sorge zu groß auf den Tisch lege, macht er eher zu. Bei Teenagern ist das sicher nochmal eine andere Liga. Vielleicht hilft dir ein kleines inneres Bild: Du musst nicht jedes Mal durch die Tür, du musst nur das Licht im Flur anlassen. Also verlässlich sein, normale Angebote machen, nicht beleidigt werden. Ich würde mir auch selbst jemanden zum Sortieren suchen, nicht den Sohn. Freund, Partnerin, Spaziergang, Forum. Dann landen weniger schwere Elterngefühle bei ihm. Er soll spüren, dass du da bist, aber nicht, dass er dich beruhigen muss. Das ist manchmal ein schmaler Grat.
Mein Teenie redet kaum noch mit mir | papa.de Forum