Wir sind gerade im Urlaub und mein 16-Jähriger würde am liebsten jeden freien Moment im WLAN hängen. Ich weiß, er braucht auch Kontakt zu Freunden und will nicht mehr mit uns Muscheln sortieren wie mit sechs. Trotzdem nervt es mich, wenn er beim Essen schon fragt, wie das Passwort ist.
Ich will keinen täglichen Krieg ums Handy anfangen. Gleichzeitig will ich nicht zwei Wochen lang nur seinen Hinterkopf sehen. Wie macht ihr das mit Teenagern im Urlaub? Feste Offline-Zeiten? Gemeinsame Ausflüge als Pflicht? Oder lieber locker lassen und auf einzelne gute Momente hoffen?
Mein Teenager will im Urlaub nur noch im WLAN hängen
Gestartet von marcus.w · 13. August 2026
@marcus.w, ich würde nicht den ganzen Urlaub zum Handy-Referendum machen. Bei uns klappt eher ein Rahmen: Essen ohne Handy, ein gemeinsamer Programmpunkt am Tag, Rest ist verhandelbar. Wenn ich versuche, jeden Leerlauf zu kontrollieren, verliere ich nur Nerven und er macht innerlich dicht.
Ich sage vorher: „Mir ist wichtig, dass wir nicht nur nebeneinander her wohnen.“ Dann darf er mitreden. Wandern um 8 Uhr wäre bei meinem Sohn Folter, Minigolf am Abend ging plötzlich. Und WLAN zu Freunden ist nicht automatisch gegen uns. Manchmal ist es seine Art, im fremden Ort nicht ganz aus seiner Welt zu fallen.
@marcus.w, ich würde einzelne Anker setzen. Frühstück zusammen, abends eine Runde raus, ein Ausflug, bei dem er mit auswählen darf. Dazwischen nicht jede Minute bewerten. Mein 15-Jähriger ist im Urlaub deutlich eher dabei, wenn er nicht das Gefühl hat, er wird aus seinem Leben herausgerissen.
Was bei uns gar nicht klappt: „Jetzt leg das Ding weg, wir machen Familie.“ Da ist sofort Theater. Besser: „Um 19 Uhr essen wir zusammen, Handy bleibt im Zimmer.“ Klar, ruhig, ohne Grundsatzrede. Und wenn dann beim Eis doch ein Gespräch über Musik oder Freunde kommt, nicht direkt pädagogisch ausnutzen. Einfach laufen lassen.
Ich würde auch auf den eigenen Ton achten. Wenn wir Eltern schon mit Augenrollen aufs Handy schauen, ist der Streit fast fertig. @marcus.w, vielleicht kannst du ihm zwei feste Wünsche nennen und ihn den Rest mitgestalten lassen. Zum Beispiel: Mahlzeiten ohne Handy und jeden zweiten Tag etwas gemeinsam. Er darf Vorschläge machen, auch wenn es nicht dein Traumprogramm ist.
Bei uns war ein Urlaub besser, als ich aufgehört habe, alte Kinderbilder wiederhaben zu wollen. Mein Sohn wollte nicht mehr Sandburg mit Papa, sondern abends Burger, Kopfhörer und einmal ernst genommen werden. Das tat kurz weh, war aber ehrlicher. Nähe sieht mit Teenagern anders aus.
Danke euch, ich habe gestern Abend mit meinem Sohn am Strandkiosk gesprochen, nicht im Ferienhaus am Tisch. Das war schon mal besser. @reboot_now, dein Satz mit dem Handy-Referendum hat gesessen. Genau dahin wollte ich schon rutschen.
Wir haben jetzt drei feste Punkte: Frühstück ohne Handy, ein gemeinsamer Ausflug alle zwei Tage und abends eine halbe Stunde raus, wenn es nicht schüttet. Den Rest lasse ich eher laufen. Er hat sogar selbst vorgeschlagen, morgen die Route zum Aussichtspunkt rauszusuchen. Ich musste mir auf die Zunge beißen, nicht sofort noch fünf Wünsche nachzulegen.
@marcus.w, ich finde gut, dass du nicht jedes Display zur Grundsatzfrage machst. Mit Teenies ist Urlaub ja auch nicht mehr wie früher, wo man mit Eimer und Schaufel alles retten konnte. Unser Sohn braucht im Urlaub auch Kontakt zu seinen Leuten. Wenn ich das komplett kleinrede, macht er dicht.
Bei uns hilft vorher ein ehrlicher Satz: „Ich will Zeit mit dir, nicht dein Handy besiegen.“ Dann wird es weniger Kampf. Zwei feste Sachen am Tag reichen mir. Essen, kurze Runde, einmal zusammen einkaufen oder kochen. Wenn er danach wieder schreibt, atme ich durch.
Ich ergänze noch etwas aus eigener Falle: Nicht heimlich mitzählen. Ich habe früher innerlich Buch geführt, wie oft mein Sohn aufs Handy schaut. Dann war ich nach zehn Minuten schon sauer, obwohl noch gar nichts passiert war.
@daddelopa hat recht mit dem Ton. Wenn der erste Satz schon klingt wie Vorwurf, ist der Junge weg. Ich sage lieber: „In einer Stunde gehen wir los, such du aus, ob Hafen oder Eisrunde.“ Das ist konkret und nicht so ein Elternvortrag. Manchmal kommt nur ein Brummen. Manchmal kommt er mit. Beides ist besser als Dauerstreit im Urlaub.
> Mahlzeiten ohne Handy und jeden zweiten Tag ein Programmpunkt
Das finde ich einen brauchbaren Rahmen. Bei uns ist der Fehler oft, dass wir aus Leerlauf sofort Beziehungsalarm machen. Teenie liegt auf dem Bett, Handy vor der Nase, also denkt mein Kopf: Er entfernt sich von uns. Manchmal ist er aber einfach platt, warm, reizüberflutet oder schreibt Quatsch mit Freunden.
@marcus.w, ich würde die guten Momente nicht kaputtreden. Wenn er beim Ausflug 20 Minuten auftaut, dann nicht danach sagen: „Siehst du, ohne Handy geht es doch.“ Einfach stehen lassen. Das war bei uns Gold wert.
@marcus.w, ein Punkt noch: Lass ihn beim Urlaub auch Gesicht wahren. Wenn er erst meckert und später doch mitkommt, bitte keinen Triumph draus machen. Dieses „Na, war doch gar nicht so schlimm“ habe ich leider oft gesagt. Danach war die nächste Tür wieder zu.
Bei uns geht es besser mit neutralen Sachen: „Schön, dass du dabei warst.“ Punkt. Kein Vortrag, kein Nachtreten. Und wenn er im WLAN hängt, aber beim Essen kurz lacht oder eine Geschichte erzählt, würde ich das als Kontakt zählen. Teenager zeigen Nähe manchmal in sehr kleinen Portionen ;)
Ich bin alleinerziehend unterwegs und kenne dieses Gefühl, dass der Urlaub unbedingt gut werden muss. Weil man ja denkt, man hat nur diese paar Tage. Genau dann wird man schnell eng.
@marcus.w, ich plane mit meinem Sohn inzwischen einen Pflichtpunkt und einen Kannpunkt. Pflicht ist etwas, das mir wichtig ist, zum Beispiel gemeinsames Essen draußen. Kannpunkt darf er mit wählen, etwa Minigolf, See, Stadtbummel oder gar nichts. Wenn gar nichts dran ist, ist das auch ein Plan. Seit ich weniger rette, kommt von ihm öfter selbst was. Nicht immer, aber öfter.
@marcus.w, ich war letztes Jahr der Vater, der im Urlaub unbedingt Familienmomente sammeln wollte. Ergebnis: Ich habe ständig geguckt, ob alle dankbar genug sind. Spoiler: waren sie nicht.
Dieses Jahr habe ich vorher gesagt, was mir wichtig ist: einmal am Tag zusammen essen, ein Ausflug, bei dem jeder eine Sache bestimmen darf, und sonst auch Leerlauf. Mein Großer hing trotzdem viel am Handy. Aber er kam abends mit zum Hafen, weil er nicht vorher schon drei Vorträge kassiert hatte. Ich musste lernen, dass ein guter Urlaub nicht dauernd nach Postkarte aussehen muss.
Ich würde auch die eigene Handyzeit anschauen, ohne daraus eine Beichte zu machen. Bei uns habe ich gemerkt, dass ich im Urlaub selbst ständig Mails, Fußballnews und Wetter checke. Dann wirkt mein Gemecker beim Teenie eher dünn.
@marcus.w, ich lege mein Handy beim Essen sichtbar weg und sage nicht viel dazu. Kein Heldentum, einfach Vorbild im Kleinen. Wenn ich doch draufgucke, gebe ich es zu. „Ich checke kurz die Route.“ Das ist ehrlicher als so zu tun, als wären nur die Jugendlichen abhängig. Danach kann ich klarer sagen: Essen bleibt handyfrei.
@marcus.w, vielleicht lohnt sich auch die Frage, was du dir vom Urlaub wünschst. Nicht als Vorwurf an dich, sondern ehrlich. Manchmal kämpfe ich nicht gegen das Handy, sondern gegen den Abschied vom kleinen Kind, das früher alles mit mir machen wollte.
Wenn ich das merke, werde ich weicher. Dann kann ich sagen: „Ich vermisse es, mit dir einfach loszuziehen.“ Das ist etwas anderes als „Du hängst nur noch am Handy.“ Beim ersten Satz bleibt manchmal ein Spalt offen. Beim zweiten geht die Jalousie runter. Teenager merken ziemlich genau, ob wir traurig oder kontrollierend sind.