Unser Sohn ist sieben und hatte bisher Spaß im Schwimmkurs. Nicht mutig wie ein Delfin, aber er ist rein, hat mitgemacht und war danach stolz. Seit zwei Wochen steht er am Beckenrand und sagt, er will nicht. Letztes Mal kamen sogar Tränen.
Der Trainer meint, ich soll ihn ruhig mal „ein bisschen schubsen“, natürlich nicht wörtlich. Ich merke aber, dass mir das Bauchweh macht. Ich will nicht, dass Wasser mit Druck verknüpft ist. Andererseits hat der Kurs Geld gekostet und er wollte selbst hin.
Kennt ihr so einen plötzlichen Knick? Dranbleiben, Pause machen, anderes Bad? Ich will nicht aus einer kleinen Angst ein großes Ding bauen.
Mein Sohn will beim Schwimmkurs plötzlich nicht mehr ins Wasser
Gestartet von bolzplatz_benni · 2. August 2026
@bolzplatz_benni, ich wäre beim Wasser sehr vorsichtig mit Druck. Nicht, weil Kinder nie über Hürden gehen sollen, sondern weil Angst im Wasser schnell am Körper hängt. Wenn er am Beckenrand weint, lernt er durch Schubsen nicht Mut, sondern: Meine Grenze zählt hier nicht.
Ich würde erstmal rausfinden, ob etwas passiert ist. Hat er Wasser geschluckt? Wurde getaucht? Hat ein anderes Kind gelacht? Manchmal reicht ein kleiner Moment, den Erwachsene kaum bemerken.
Für den nächsten Termin könntest du mit ihm vorher vereinbaren: Er muss nicht alles mitmachen, aber er kommt mit und setzt sich an den Rand. Vielleicht Füße rein, vielleicht nicht. Der Trainer sollte das mittragen. Wenn der nur auf Durchziehen setzt, wäre ich skeptisch. Ziel ist nicht diese eine Stunde zu retten, sondern dass dein Sohn langfristig gern und sicher schwimmt.
@bolzplatz_benni, hatten wir ähnlich. Mein Großer wollte plötzlich nicht mehr ins tiefe Becken, obwohl er vorher stolz gesprungen war. Nach langem Rumstochern kam raus: Ein anderes Kind hatte ihn beim Untertauchen am Fuß erwischt. Für den Trainer war das nichts, für meinen Sohn war es riesig.
Wir haben dann zwei Wochen nur Quatsch im Nichtschwimmerbecken gemacht. Tauchringe ansehen, nicht holen. Wasser ins Gesicht spritzen lassen, aber er durfte Stopp sagen. Danach ging es langsam wieder.
Ich würde den Kurs nicht sofort kündigen, aber auch nicht den harten Weg nehmen. Sprich mit dem Trainer klar: Kein Schubsen, kein Bloßstellen vor der Gruppe. Wenn dein Sohn nur am Rand sitzt, ist das für den Moment okay. Mut wächst manchmal, wenn keiner danebensteht und zählt. Und ja, das Geld nervt. Aber ein Kind, das Wasser hasst, kostet euch später mehr Nerven.
Danke euch, ich wollte kurz ein Update geben. Ich habe mit meinem Sohn nicht direkt vor dem Schwimmbad gesprochen, sondern abends beim Lego. Da kam dann raus, dass er beim letzten Mal Wasser in die Nase bekommen hat und alle gelacht haben. Wahrscheinlich nicht böse, aber für ihn war es mies.
Ich habe beim Trainer angerufen und um einen ruhigeren Einstieg gebeten. Heute sind wir hin, ohne Ziel „du musst mitmachen“. Er durfte erst nur am Rand sitzen, dann mit den Füßen rein. Am Ende war er kurz im flachen Becken. Kein großer Triumph, aber er ging nicht weinend raus.
@der_detlef, dein Satz mit Grenze zählt hat mir geholfen. Ich musste mich bremsen, nicht zu schnell stolz sein zu wollen. Nächste Woche machen wir wieder nur den nächsten kleinen Schritt.
@bolzplatz_benni, das Update klingt gut. Gerade beim Schwimmen finde ich kleine Schritte wichtig, weil der Körper sofort Alarm macht. Wenn Wasser in Nase und Gelächter zusammenhängen, ist es logisch, dass er nicht einfach wieder reinspringt.
Ich würde vor dem nächsten Kurs eine Mini-Abrede machen. Zum Beispiel: „Du gehst mit rein, setzt dich an den Rand, alles Weitere schauen wir dort.“ Dann hat er einen klaren Auftrag, der machbar ist. Wenn er mehr schafft, super. Wenn nicht, ist der Auftrag trotzdem erfüllt.
Und ich würde dem Trainer klar sagen, dass Druck gerade nicht hilft. Manche Trainer meinen es gut, aber ein Kind mit Tränen am Beckenrand braucht kein Publikum. Es braucht einen sicheren Wiedereinstieg. Ihr seid da auf einem guten Weg.
@bolzplatz_benni, stark, dass du nochmal nachgefragt hast. Dieses Lachen der anderen ist für Erwachsene schnell „war doch nichts“, aber Kinder merken sich genau den Moment, in dem sie sich klein gefühlt haben.
Bei meinem Sohn beim Fußball war es ähnlich. Einmal Ball ins Gesicht, ein paar Kinder lachten, danach wollte er nicht mehr ins Tor. Erst als ich aufgehört habe mit „Du kannst das doch“, konnte er sagen, was los war.
Vielleicht könnt ihr zusätzlich außerhalb vom Kurs einmal Spaßwasser machen. Kein Üben, kein Trainer, nur Planschen im flachen Becken. Damit Wasser nicht nur Kurs und Druck heißt. Aber wirklich ohne heimliches Trainingsprogramm, das merken die sofort ;)
@bolzplatz_benni, das mit dem Wasser in der Nase und dem Lachen erklärt viel. Unser Fünfjähriger ist mal beim Kinderturnen vom Kasten gerutscht. Nichts passiert, aber zwei Kinder kicherten. Danach war der Kasten wochenlang der Endgegner.
Wir haben dann nicht „Turnen“ geübt, sondern Vertrauen. Erst daneben stehen, dann anfassen, dann einmal hoch und sofort wieder runter. Beim Schwimmen wäre für mich ähnlich: Wasser wieder mit Kontrolle verbinden. Er entscheidet mit, wie weit er geht, aber ihr bleibt dran.
Vielleicht könnt ihr vor dem Kurs ein kleines Zeichen ausmachen. Daumen quer heißt: Ich brauche Pause. Dann muss er nicht vor allen erklären, warum es gerade zu viel ist. Manchmal hilft schon, einen Ausweg zu kennen.
Danke euch für die vielen ruhigen Antworten. @matze_schmidt, dein Satz mit dem Körperalarm hat mir geholfen. Ich habe gestern nicht „Schwimmen“ gesagt, sondern nur gefragt, ob wir nach dem Abendessen mal in der Badewanne U-Boot spielen. Er wollte erst nicht, dann doch mit Taucherbrille.
Wir haben nur Blubberblasen gemacht und ich habe mich extra dämlich angestellt. Er hat gelacht. Für den nächsten Kurs nehme ich mir vor: hingehen, anschauen, kein großes Ziel.
@bolzplatz_benni, das klingt nach einem guten Schritt. Ich würde den Schwimmlehrer kurz vorab ansprechen, aber ohne lange Geschichte vor deinem Sohn. Nur knapp: „Er hatte einen blöden Moment mit Wasser in der Nase. Bitte heute langsam.“
Kinder merken, ob Erwachsene zusammen ein Geländer bauen oder ob alle gespannt auf sie starren. Wenn er nur am Rand sitzt und am Ende mit trockenen Haaren rausgeht, kann das trotzdem ein guter Kurstag sein.
@bolzplatz_benni, bei meinem Sohn war es mal ähnlich beim Sprungbrett. Ich habe den Fehler gemacht und gefragt: „Hast du noch Angst?“ Das hat ihn jedes Mal wieder in die Szene geschoben.
Besser lief: „Heute schauen wir, was geht.“ Dann war Plan A Füße ins Wasser, Plan B nur duschen, Plan C zuschauen. Klingt weich, war aber wirksam. Nach drei Terminen ist er wieder rein. Nicht, weil ich gedrückt habe, sondern weil er sein Gesicht wahren konnte.
@treppenwitz_tobi, „Endgegner Kasten“ trifft es perfekt :) Bei uns war es die Rutsche im Freibad. Ein Kind rief „Baby“, danach war die Rutsche monatelang Gift. Ich habe erst zu viel erklärt.
Geholfen hat, dass ich mit ihm außerhalb vom Trubel hin bin. Nur anfassen, wieder weg. Dann oben sitzen, wieder runterlaufen. Irgendwann rutschte er auf meinem Schoß. Beim Schwimmen würde ich auch den Stolz schützen. Bloß nicht vor der Gruppe verhandeln.
@bolzplatz_benni, falls nach dem Kurs Fragen kommen, würde ich sie klein halten. Nicht „Warum wolltest du nicht rein?“, sondern eher beim Kakao: „Heute war schwer, oder?“ Dann Pause. Mein Sohn erzählt oft erst, wenn ich nicht so aussehe, als hätte ich innerlich ein Klemmbrett.
Und falls er reingeht, nicht zu groß feiern. Ein ruhiges „Du hast dich getraut, obwohl es schwer war“ reicht. Zu viel Jubel kann auch wieder Druck machen.
@bolzplatz_benni, ich würde auch mit dem Trainer klären, dass kein Spruch kommt wie „Na, heute aber mutig sein“. Gut gemeint, aber für Kinder manchmal wie Scheinwerfer ins Gesicht.
Bei meiner Tochter war nach einem Fahrradsturz der beste Satz: „Wir fahren bis zur Laterne und dann gucken wir.“ Nicht „Du kannst das doch“. Beim Schwimmen vielleicht: umziehen, Beckenrand, Füße rein, Ende offen. Kleine Bretter statt große Brücke, sozusagen.