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Mein Sohn weint jeden Morgen beim Abschied

Gestartet von sandkastenchef · 29. August 2026

sandkastenchefEröffnung
Moin zusammen, ich brauche mal euren Blick. Unser Sohn ist 3 und seit ein paar Wochen weint er fast jeden Morgen beim Kita-Abschied. Er geht eigentlich gern hin, erzählt nachmittags von Freunden und malt dort viel. Aber morgens im Flur klammert er sich an mein Bein, als würde ich ihn am Bahnhof aussetzen. Die Erzieherinnen sagen, nach zwei bis fünf Minuten ist er meistens im Spiel. Trotzdem fährt mir das jedes Mal in den Bauch. Ich merke auch, dass ich dann länger bleibe, noch mal erkläre, noch mal drücke. Wahrscheinlich mache ich es damit nicht besser. Habt ihr ein Ritual, das wirklich hilft? Oder ist das einfach eine Phase, die man ruhig durchstehen muss? Danke euch.
kaffee_junkie
@sandkastenchef, bei uns war der Abschied auch eine Zeit lang der Endgegner. Unsere Tochter war fast 3 und konnte nachmittags fröhlich erzählen, morgens aber Drama bis zur Garderobe. Geholfen hat ein Mini-Ritual, immer gleich. Jacke an den Haken, einmal drücken, ich sage: „Ich hole dich nach dem Garten wieder ab“, dann winken am Fenster. Kein zweites Drücken, kein Zurückgehen. Wenn ich zurückkam, war es vorbei. Wenn ich klar ging, war sie schneller klar. Ich musste vor allem mich sortieren. Ich war innerlich weich wie Pudding, sie hat das gemerkt. Seit ich ruhig und freundlich bleibe, ist es besser. Vielleicht fragst du die Erzieherinnen, ob eine feste Person ihn morgens übernimmt. Handwechsel von dir zu ihr, kurzer Satz, fertig. Das war bei uns Gold wert.
e_wie_edgar
@sandkastenchef, dass er nachmittags gut erzählt, ist schon mal ein gutes Zeichen. Morgens im Flur ist aber oft ein anderer Film. Da geht es nicht um Logik, sondern um Trennung in einem müden kleinen Kopf. Ich würde den Abschied sehr kurz und sehr gleich halten. Nicht kalt, aber klar. Also nicht fünfmal erklären, warum du wiederkommst. Ein Satz, immer derselbe: „Ich hole dich nach dem Snack wieder ab.“ Oder was bei euch stimmt. Dann drücken, winken, gehen. Wenn du selbst innerlich wackelst, merkt er das sofort. Ich kenne das. Man will noch retten, noch trösten, noch zeigen, dass man kein harter Kerl ist. Aber oft macht genau das den Abschied größer. Frag die Erzieherinnen mal konkret, wie lange er danach weint. Bei uns waren es manchmal zwei Minuten. Für mich fühlte es sich morgens wie eine halbe Stunde an.
Klinker_Klaus
@kaffee_junkie hat das mit dem Mini-Ritual gut beschrieben. Bei uns war wichtig, dass ich nicht jeden Morgen neu verhandelt habe. Mein Sohn wollte plötzlich noch Wasser, dann noch Auto zeigen, dann noch am Fenster winken, dann doch wieder mitkommen. Ich dachte erst, ich bin besonders liebevoll, wenn ich alles mitmache. In echt wurde es jeden Tag länger. Wir haben dann zwei feste Schritte gemacht: Haken, Umarmung, Satz. Danach hat die Erzieherin übernommen. Ich habe vorher mit ihr abgesprochen, dass sie wirklich direkt da ist. Das hat mir geholfen, weil ich nicht das Gefühl hatte, ihn einfach stehen zu lassen. Zu Hause kannst du das spielerisch üben. Mit Kuscheltier Kita spielen, abholen spielen, winken spielen. Nicht als Training mit Druck, eher damit sein Kopf den Ablauf kennt. Und morgens wenig reden. Wenn der Akku leer ist, sind viele Worte nur Lärm.
sandkastenchef
Danke euch, ich bin der @sandkastenchef und wollte kurz rückmelden. Wir haben jetzt seit einer Woche das Mini Ritual von @kaffee_junkie und @e_wie_edgar getestet. Jacke an den Haken, einmal drücken, Satz sagen, winken am Fenster. Kein extra Auto zeigen, kein „nur noch kurz“. Die ersten zwei Tage waren ehrlich hart. Ich hatte das Gefühl, ich lasse ihn im Stich. Die Erzieherin hat aber gesagt, nach zwei Minuten sitzt er am Frühstückstisch. Das hat mir geholfen, nicht im Flur weich zu werden. Heute hat er geweint, aber weniger. Und nachmittags hat er erzählt, dass er mit Paul gebaut hat. Ich versuche jetzt, morgens nicht meine eigene Sorge auf ihn draufzulegen. @Klinker_Klaus, dein Satz mit dem nicht jeden Morgen neu verhandeln war genau der Punkt. Ich wollte lieb sein und habe dadurch alles länger gemacht. Mal sehen, wie die nächste Woche läuft.
treppenhaus_ronny
@sandkastenchef, bei uns war der Kita Flur auch lange die Bühne für großes Gefühl. Unsere Tochter konnte da schreien, als würde ich sie am Bahnhof vergessen. Nachmittags kam sie dann raus und war beleidigt, dass ich schon da bin. Was mir geholfen hat: Ich habe meinen eigenen Text geübt. Klingt komisch, aber wenn ich unsicher war, hat sie es sofort gemerkt. Bei uns war der Satz: „Ich hole dich nach dem Vesper. Du bist hier sicher.“ Dann Kuss, winken, gehen. Nicht kalt, aber klar. > Ich wollte lieb sein und habe dadurch alles länger gemacht. Ja, genau. Ich habe auch gedacht, noch ein Buch anschauen hilft. Tat es nicht. Es gab nur fünf neue Stellen, an denen sie Nein sagen konnte. Und daheim morgens etwas Luft einbauen, wenn es geht. Hektik im Treppenhaus ist bei uns wie Benzin auf kleine Sorgen.
e_wie_edgar
@sandkastenchef, schön, dass du nochmal schreibst. Dass es weniger wird, obwohl noch Tränen da sind, ist schon viel. Man erwartet schnell, dass ein Tipp sofort alles wegzaubert. Bei kleinen Kindern ist es oft eher wie ein Weg, den man ein paar Mal zusammen geht, bis er vertraut ist. Ich finde gut, dass die Erzieherin dir sagt, wie schnell er danach ins Spiel findet. Das ist kein Trostpflaster, sondern eine echte Info. Morgens ist Abschied. Fünf Minuten später ist oft schon ein anderer Zustand. Achte nur darauf, dass ihr das Ritual nicht jeden dritten Tag ändert, weil es einmal wieder schlimm war. Rückschritte kommen, besonders nach Wochenende, Krankheit oder wenn zu Hause Stress ist. Dann nicht denken: Alles kaputt. Einfach wieder gleich machen. Und ja, dein Gefühl darf auch da sein. Kurz im Auto durchatmen ist erlaubt. Habe ich öfter gemacht, als ich zugeben wollte ;)
kaffee_junkie
@sandkastenchef, freut mich, dass das Mini Ritual bei euch greift. Bei uns war der schwere Teil nicht der Satz, sondern dass ich danach wirklich gegangen bin. Ich stand sonst noch im Flur, habe gezögert, nochmal gewunken, nochmal erklärt. Für meine Tochter war das wie: Aha, Papa ist selbst unsicher. Unser Satz ist bis heute: „Ich hole dich nach dem Spielen wieder ab.“ Dann Kuss, drücken, winken. Wenn sie weint, darf sie weinen. Ich sage nicht mehr: „Ist doch nicht schlimm.“ Für sie ist es ja in dem Moment schlimm. Nach ein paar Wochen war es morgens viel kürzer. Nicht jeden Tag schön, aber klarer. Und klarer hilft Kindern manchmal mehr als tausend liebe Worte, auch wenn es einem selbst im Bauch zieht.
Klinker_Klaus
@treppenhaus_ronny, dein Satz mit der Bühne im Flur ist Gold. Genau so fühlt sich das an. Alle Jacken, alle Eltern, eine Erzieherin, irgendwo fällt noch ein Schuh runter und mein Kind merkt: Hier passiert gerade etwas Großes. @ sandkastenchef, falls ihr noch weiter testen wollt: Wir haben morgens alles rausgenommen, was extra Stress macht. Kein neues Spielzeug mitnehmen, keine lange Auswahl beim Pulli, kein „willst du noch schnell“. Zwei klare Sachen: Jacke oder Weste, Papa trägt bis zur Tür oder Kind läuft selbst. Je weniger ich labere, desto besser. Ich habe früher bei Tränen zehn Sätze gesagt. Heute eher einen warmen Satz und dann Übergabe an die Erzieherin. Das fühlt sich erstmal hart an, ist aber bei uns viel friedlicher geworden.
grillmeister_88
@sandkastenchef, bei unserer Kleinen war es nach Krankheit oder Ferien immer wieder stärker. Erst dachte ich jedes Mal: Mist, alles von vorn. War aber nicht so. Das Ritual war noch da, sie brauchte nur wieder ein paar Tage, bis der Weg im Kopf saß. Was bei uns nicht gut war: morgens über den ganzen Tag reden. „Heute gibt es Turnen, dann Essen, dann Schlafen, dann hole ich dich.“ Das war ihr zu viel. Jetzt sage ich nur: „Ich hole dich nach dem Schlafen.“ Oder eben nach dem Garten, je nach Kita Tag. Und ganz ehrlich: Manchmal bin ich danach selbst mit Kloß im Hals zur Arbeit gefahren. Das darf auch sein. Wichtig war nur, dass ich es nicht im Flur an ihr festhalte.
e_wie_edgar
@dennis, du hast es gut beschrieben. Weniger reden ist oft schwerer als mehr reden. Wir wollen trösten und erklären, aber ein kleines Kind hört im Stress manchmal nur Wortsalat. Der Körper fragt: Bleibt Papa sicher oder wackelt er? @ sandkastenchef, falls du morgens selbst nervös bist, such dir vorher einen festen Satz auch für dich. Bei mir war es: Ich darf gehen, auch wenn mein Kind traurig ist. Das klingt hart, aber es trennt zwei Dinge. Trauer ist erlaubt. Der Kita Tag kann trotzdem gut werden. Nachmittags würde ich nicht groß auswerten. Lieber kurz: „Heute war der Abschied schwer, und dann hast du gebaut.“ So bekommt das Kind die ganze Geschichte zurück, nicht nur den Tränenmoment.
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