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Hausaufgaben nach der OGS sind jeden Tag ein Kampf

Gestartet von spielplatz_hannes · 29. August 2026

spielplatz_hannesEröffnung
Hallo zusammen, mein Sohn ist 8, zweite Klasse, und die Hausaufgaben nach der OGS bringen uns gerade fast jeden Tag an den Rand. Er kommt gegen 16 Uhr heim, ist müde, hungrig und will nur kicken oder Lego bauen. Sobald ich das Heft raushole, kippt die Stimmung. Ich verstehe ihn sogar. Der Tag ist lang. Aber wenn wir es auf später schieben, hängt es beim Abendessen noch wie eine dunkle Wolke über uns. Dann wird aus drei Matheaufgaben ein Familiendrama. Ich bin alleinerziehend und muss nebenbei Essen, Wäsche und Training packen. Mir fehlt manchmal die Geduld. Wie macht ihr das nach OGS? Erst Pause? Feste Zeit? Am Wochenende nacharbeiten? Ich will nicht jeden Nachmittag der Hausaufgaben-Polizist sein.
daddelopa
@spielplatz_hannes, ich kenne das aus Schulzeiten mit meinem Sohn. Nach einem langen Tag kam ich mit Fragen und Aufgaben, er kam mit leerem Akku. Das passte nicht zusammen. Ich würde nach der OGS erst etwas Körperliches oder Ruhiges erlauben, aber klar begrenzt. Zum Beispiel essen, 20 Minuten runterkommen, dann ein kurzer Block. Nicht „bis alles fertig ist“, sondern erst mal 15 Minuten. Wenn er merkt, dass es ein Ende gibt, steigt er eher ein. Was bei uns wichtig war: nicht beim ersten Meckern in die große Grundsatzrede rutschen. Ich habe früher sofort erklärt, warum Schule wichtig ist. Mein Sohn hörte nur: Papa redet wieder ewig. Vielleicht kannst du mit ihm am Sonntag einen einfachen Wochenplan malen. Trainingstage, Hausaufgabenzeit, freie Zeit. Nicht perfekt, nur sichtbar. Kinder halten mehr aus, wenn sie sehen, wann Schluss ist.
morgenmuffel_markus
@spielplatz_hannes, wir hatten hier auch diese 16 Uhr Wand. Ich nenne das liebevoll den Kartoffelmodus. Kind ist noch da, aber jede Ansprache prallt ab. Bei uns klappt es am besten mit Essen zuerst. Banane, Brot, irgendwas Handfestes. Dann zehn Minuten Quatsch, bei uns meist Fußballkarten oder kurz auf den Balkon. Danach sitzt einer von uns daneben, aber nicht direkt wie ein Kontrolleur. Ich mache dann Rechnungen, Einkaufszettel oder tue wenigstens so. Hauptsache, er fühlt sich nicht allein am Schreibtisch ausgesetzt. Wenn es gar nicht geht, schreibe ich der Lehrerin kurz ins Heft: „Heute war nach OGS die Luft raus, wir holen eine Aufgabe morgen nach.“ Das passiert nicht dauernd, aber es nimmt Druck. Alleinerziehend ist das natürlich noch mal härter. Vielleicht lieber jeden Tag ein kleiner, machbarer Block als ein perfekter Nachmittag, den keiner durchhält.
der_detlef
@spielplatz_hannes, dein Sohn zeigt dir ziemlich klar: Der Kopf ist nach OGS voll. Das heißt nicht, dass Hausaufgaben egal sind. Es heißt nur, dass der Start anders laufen muss. Ich würde das Heft nicht direkt nach dem Heimkommen zeigen. Erst Essen, trinken, Schuhe aus, einmal runterfahren. Dann eine feste kleine Zeit. Bei uns half: „Wir machen zehn Minuten und schauen dann.“ Nicht: „Wir machen jetzt alles fertig.“ Das nimmt Druck raus. Wenn er loslegt, bleib in der Nähe, aber mach nicht den Lehrer. Ein Satz reicht: „Ich sitze hier, du fängst mit Nummer eins an.“ Wenn er motzt, nicht diskutieren. Kurz spiegeln: „Du bist platt. Trotzdem machen wir jetzt den Anfang.“ Und wenn es jeden Tag kracht, würde ich mit der Lehrkraft reden. Nicht als Beschwerde, eher: Was muss wirklich zu Hause passieren, was ist nach OGS zu viel?
kaffeetrinker
@spielplatz_hannes, wir hatten das mit unserem Sohn in der dritten Klasse ähnlich. Nach Schule und OGS war er wie ein Handy bei 2 Prozent. Ich kam dann mit „Zeig mal Mathe“ und wunderte mich, dass er explodiert. Heute wundere ich mich eher über mich ;) Was bei uns hilft: Heimkommen ohne Fragen. Wirklich keine. Kein „Wie war es?“, kein „Hast du viel auf?“. Erst Brot oder Joghurt, dann 15 Minuten Lego oder Sofa. Danach Timer auf 12 Minuten. In der Zeit wird nur angefangen. Oft läuft es dann weiter, manchmal nicht. Wichtig war bei uns auch der Platz. Am Esstisch war zu viel los. Jetzt macht er es an einem kleinen Tisch im Wohnzimmer, ich räume nebenbei Wäsche. Er ist nicht allein, aber ich hänge ihm nicht im Nacken. Das hat den Kampf deutlich kleiner gemacht.
spielplatz_hannes
Danke euch, hier ist @spielplatz_hannes. Ich habe die letzten Tage mal nicht direkt nach dem Heft gefragt. Das war für mich schwerer als für meinen Sohn, glaube ich. Mein Reflex ist sonst: Wir müssen das erledigen, dann ist Ruhe. In echt war danach aber nie Ruhe, sondern Streit. Wir machen jetzt nach der OGS erst Schuhe aus, Brot oder Banane, dann 15 Minuten Lego oder Sofa. Danach Timer auf 12 Minuten, wie @kaffeetrinker schrieb. Nicht „mach alles fertig“, sondern „wir fangen an“. Das nimmt sichtbar Druck raus. Gestern hat er nach 12 Minuten sogar noch eine Aufgabe drangehängt. Nicht weil ich so toll motiviert habe, sondern weil der Start nicht wie ein Angriff war. @der_detlef, dein Satz mit Kopf voll hat mir geholfen. Ich hatte sein Nein zu oft als Trotz gelesen. Wahrscheinlich war es eher: Ich kann gerade nicht mehr.
flurlicht_felix
@spielplatz_hannes, das klingt nach einem guten Kurs. Bei unserem Schulkind ist nach Hort auch oft nur noch Restakku übrig. Wenn ich dann mit Mathe komme, sieht sie mich an, als hätte ich vorgeschlagen, den Keller zu streichen. Wir haben hier eine kleine Kiste für den Start. Bleistift, Radierer, Spitzer, Trinkflasche. Klingt banal, aber früher begann alles mit „Wo ist der Stift?“ und nach zwei Minuten war schon schlechte Laune. Jetzt liegt die Kiste auf dem Tisch und wir machen nur den ersten Block. Was auch hilft: Ich lese die erste Aufgabe vor, ohne Kommentar. Nicht erklären, nicht verbessern, nicht „ist doch leicht“. Nur ankommen. Wenn sie dann drin ist, ziehe ich mich etwas raus. > Nicht „mach alles fertig“, sondern „wir fangen an“. Das ist bei uns auch der Unterschied zwischen Explosion und halbwegs Frieden. Und wenn es gar nicht geht, schreibe ich lieber kurz ins Heft, statt eine Stunde Kampf zu bauen.
der_detlef
@spielplatz_hannes, das liest sich richtig gut. Vor allem, dass du deinen eigenen Reflex bemerkt hast. Das ist oft der schwerste Teil. Wir Eltern sehen das Heft und denken an Pflicht, Schule, Lehrerin, morgen. Das Kind fühlt nur: Ich bin leer und jetzt kommt Papa auch noch mit Papier. Die 12 Minuten sind ein guter Rahmen. Kurz genug, dass dein Sohn nicht innerlich aufgibt, lang genug, dass etwas passiert. Wenn er danach weiter macht, schön. Wenn nicht, habt ihr trotzdem angefangen. Ich würde der Lehrerin ruhig sagen, wie ihr es gerade macht. Nicht als große Ausrede, sondern als Info: Nach OGS geht nur ein kurzer Start gut, wir bleiben dran. Viele Lehrer kennen das. Und bitte nicht jeden guten Tag gleich zum neuen Standard erklären. Wenn er einmal 25 Minuten schafft, heißt das nicht, dass ab morgen immer 25 Minuten drin sind. Kinder sind keine Automaten, leider auch nicht bei Hausaufgaben ;)
kaffeetrinker
@spielplatz_hannes, ich nicke hier sehr. Unser Sohn ist auch 3. Klasse und kommt nach OGS oft rein wie ein Handy bei 2 Prozent. Früher habe ich direkt gefragt: „Was habt ihr auf?“ Zack, schlechte Laune auf beiden Seiten. Was bei uns am besten klappt: Schuhe aus, Hände waschen, Snack, 15 Minuten Lego oder Sofa. In der Zeit frage ich gar nichts zur Schule. Danach lege ich nur Heft und Stift hin und sage: „Wir starten mit einer Aufgabe.“ Nicht: „Wir machen alles fertig.“ Wenn er drin ist, läuft oft mehr. Wenn nicht, schreibe ich kurz an die Lehrerin, dass heute der Akku leer war. Seit ich da ruhiger bin, macht er sogar eher mit. Klingt komisch, aber weniger Druck spart am Ende Zeit :)
spielplatz_hannes
Danke euch nochmal, hier ist @spielplatz_hannes. @daniel, das mit den 2 Prozent trifft es genau. Gestern habe ich zum ersten Mal wirklich die Klappe gehalten, als er reinkam. Das war für mich wie Zähneputzen mit links. Er hat gegessen, zehn Minuten mit dem Ball im Flur jongliert (ein Bilderrahmen hat knapp überlebt) und dann kam von ihm: „Haben wir Mathe?“ Das gab es sonst nie. Wir haben dann nur die ersten zwei Aufgaben gemacht und danach war Pause. Später ging der Rest plötzlich ohne großes Theater. Ich merke, dass ich oft aus meiner eigenen Sorge heraus drücke. Lehrerin, Heft, morgen, alles im Kopf. Mein Sohn sieht nur einen müden Papa mit Arbeitsauftrag. Daran arbeite ich jetzt.
der_detlef
@spielplatz_hannes, dein letzter Satz ist wichtig. Wir sehen den Arbeitsauftrag, das Kind sieht Beziehung. Wenn Papa direkt mit Heft kommt, fühlt sich das schnell an wie: Erst leisten, dann bist du okay. Das heißt nicht, dass Hausaufgaben egal sind. Aber der Weg dahin zählt. Ich würde das weiter klein halten. Ein fester Platz, kurze Startzeit, eine erste Aufgabe. Danach lobst du nicht nur das Ergebnis, sondern den Start: „Du hast angefangen, obwohl du müde warst.“ Und wenn ein Tag kippt, ist nicht alles wieder kaputt. Dann war es ein schwerer Tag. Am nächsten Tag wieder gleich anfangen. Eltern sind da ein Geländer. Nicht schieben, nicht ziehen, aber verlässlich daneben stehen.
flurlicht_felix
@der_detlef, das mit dem Geländer nehme ich mit. Bei unserem Schulkind merke ich auch, wie schnell ich innerlich drücke, obwohl ich äußerlich noch ruhig aussehe. Kinder haben dafür aber einen Sensor. Die merken schon am Atmen, ob Papa gleich das Heft zückt. @spielplatz_hannes, bei uns hilft ein sichtbarer kleiner Anfang. Bleistift spitzen, Datum schreiben, erste Aufgabe markieren. Das zählt schon als Start. Früher habe ich das belächelt, heute sehe ich: Der Einstieg ist der Berg, nicht die Aufgabe selbst. Wenn dann nach zehn Minuten Schluss ist, ist wenigstens nicht alles im Streit gelandet. Und manchmal kommt später noch ein zweiter kurzer Block. Ich finde zwei friedliche Mini Runden besser als eine Stunde Drama am Esstisch.
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