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Hausaufgaben nach der OGS enden jeden Tag im Streit

Gestartet von janosch_81 · 29. September 2026

janosch_81Eröffnung
Hallo zusammen, ich brauche mal euren Blick. Unser Großer ist in der 2. Klasse und kommt nach der OGS oft völlig leer nach Hause. Hausaufgaben sind meist schon angefangen, aber selten fertig. Sobald ich frage, kippt die Laune. Dann heißt es „Ich kann das nicht“, Stift fliegt, kleine Schwester kommentiert natürlich alles. Ich will nicht jeden Nachmittag Druck machen. Gleichzeitig müssen die Sachen ja irgendwann in den Ranzen. Snack und kurze Pause haben wir probiert, aber vielleicht fragen wir zu früh oder zu viel. Wie macht ihr das nach langen Schultagen? Feste Zeit? Erst spielen? Daneben sitzen oder lieber in Ruhe lassen? Ich merke, dass ich schnell zum Antreiber werde, obwohl ich das gar nicht will.
kaffeetrinker
@janosch_81, bei uns war der Fehler lange direkt an der Tür. Kind kommt rein, ich sehe den Ranzen und frage schon: „Was ist noch offen?“ Damit war mein Sohn innerlich weg. Was hier besser läuft: Erst Ranzen an denselben Haken, Hände waschen, Snack. Zehn Minuten Sofa oder Lego, ohne Schulfragen. Wirklich ohne. Ich musste mir das abtrainieren, weil mir sonst sofort Mathe aus dem Mund fiel. Danach frage ich nur: „Zeig mir, was noch übrig ist.“ Nicht „Warum ist das nicht fertig?“ Wenn er sehr platt ist, stellen wir den Timer auf zehn Minuten. In der Zeit sitze ich in der Nähe und mache eigenen Kram, Rechnungen sortieren oder Brotdosen. Danach kurze Pause. Mehr als zwei kleine Blöcke gehen bei uns selten gut. Und kleine Schwester möglichst weg vom Tisch. Publikum macht alles schlimmer.
der_detlef
@janosch_81, ich würde das Kind nach der OGS erst mal nicht wie einen Schüler behandeln, sondern wie jemanden, der einen langen Arbeitstag hinter sich hat. Das heißt nicht, dass Hausaufgaben egal sind. Aber der Akku ist oft leer, nicht der Wille. Bei uns half ein langweiliger Ablauf. Essen ist Essen, ohne Fragen. Dann zehn Minuten runterkommen. Danach nur der Tisch, der Stift und eine klare Mini-Aufgabe. „Wir machen jetzt die drei Rechenpäckchen.“ Nicht „Wir machen Hausaufgaben“, das klingt wie ein Berg. Wenn der Stift fliegt, nicht diskutieren. Kurz sagen: „Stift bleibt auf dem Tisch. Wir atmen einmal und dann schaust du auf Nummer 2.“ Ich würde nicht nebenbei erklären, warum Schule wichtig ist. Das weiß er im Zweifel längst. Er schafft es in dem Moment nur nicht gut.
zugvogel_ralf_78
@janosch_81, wir haben hier auch ein OGS-Kind, das nachmittags eher ein Ranzen mit müdem Gesicht ist. Was bei uns gut klappt: Hausaufgabenplatz bleibt immer gleich und sehr leer. Kein Lego, keine Zettelberge, kein Tablet. Nur Heft, Etui, Wasser. Ich setze mich nicht direkt daneben, weil mein Sohn dann jede Bewegung von mir als Kontrolle liest. Ich bin am Küchentisch in Rufweite und schneide Gemüse oder räume leise. Wenn er hängt, frage ich: „Soll ich vorlesen oder nur hier sein?“ Manchmal reicht dieses „nur hier sein“. Feste Zeit haben wir, aber weich. Nach Snack und Pause schauen wir gegen 16 Uhr rein. Wenn es ein harter Tag war, schreiben wir der Lehrerin kurz ins Heft, was noch offen ist. Nicht ständig, aber lieber ehrlich als ein Abend mit Tränen.
holzleim_holger
@zugvogel_ralf_78, das mit dem leeren Platz kann ich unterschreiben. Bei uns lag früher alles auf dem Tisch, Schraubzwinge, Einkaufszettel, halbes Lego Auto. Dann sollte der Große Mathe machen und ich wunderte mich, warum er in die Luft guckt. Wir haben jetzt eine kleine Kiste nur für Hausaufgaben. Etui, Lineal, Radiergummi, ein Becher Wasser. Die kommt hin, danach kommt sie wieder weg. Klingt albern, aber es nimmt schon mal fünf Streitpunkte raus. @kaffeetrinker, direkt an der Tür fragen war hier auch Gift. Ich habe sogar mal „Nur kurz“ gesagt. Es war natürlich nie kurz. Jetzt frage ich erst nach dem Snack. Manchmal sagt er dann von selbst: „Ich muss noch lesen.“ Das fühlt sich an wie ein seltenes Tier im Garten :)
der_detlef
@holzleim_holger, die Kiste ist gut. Sie sagt dem Kind: Jetzt kommt eine Sache, nicht das ganze Leben. Genau das fehlt oft nach der OGS. > Kind kommt rein, ich sehe den Ranzen und frage schon: „Was ist noch offen?“ @kaffeetrinker, dieser Satz ist wie ein zweiter Schultag im Flur. Ich kenne das leider. Wir Eltern sehen Aufgabe, Kind hört Vorwurf. Was bei uns geholfen hat: Ich sage vorher nicht „Wir machen jetzt Hausaufgaben“, sondern „Wir gucken zehn Minuten, was drin ist.“ Nach zehn Minuten darf kurz Pause sein. Oft ist dann schon die Hälfte geschafft, weil der Anfang nicht so groß wirkt. Und wenn gar nichts geht, schreibe ich lieber eine kurze Notiz ins Heft, statt eine Stunde Kampf zu machen. Ein komplett müdes Kind lernt aus Streit nichts, außer dass der Nachmittag doof ist.
janosch_81
Danke euch, ich bin der mit dem Ranzen und dem roten Kopf dazu. @der_detlef, „zweiter Schultag im Flur“ trifft leider genau. Ich habe gestern versucht, nicht direkt zu fragen. Es war schwerer als gedacht, weil mein Mund offenbar eine eigene Schulpflicht hat. Wir haben es so gemacht: Ranzen an den Haken, Apfelstücke, zehn Minuten Lego. Danach habe ich nur gefragt: „Wollen wir einmal reingucken?“ Es gab Augenrollen, aber keinen Knall. Mathe waren dann vier Aufgaben. Lesen haben wir später auf dem Sofa gemacht, kleine Schwester durfte die Seite umblättern. Das war nicht friedlich wie im Bilderbuch, aber auch kein Drama. @zugvogel_ralf_78, den Tisch leer zu machen war Gold wert. Ich musste erst drei Dinoknochen und eine alte Kastanie entfernen. Vielleicht war das schon die halbe Arbeit ;)
kaffeetrinker
@janosch_81, klingt doch schon nach einem guten ersten Schritt. Vier Aufgaben ohne Knall sind an manchen Tagen mehr wert als ein sauber geführtes Heft mit Tränenrand. Ich habe bei meinem Sohn gemerkt, dass meine eigene Stimme viel ausmacht. Wenn ich schon mit diesem „Wir müssen aber noch“ Ton anfange, klappt er innerlich zu. Wenn ich mich nebenbei an den Tisch setze und meinen Kaffee trinke, bleibt er eher dabei. Ich helfe nur, wenn er fragt. Sonst rede ich zu viel. Was bei uns auch gut ist: Lesen zählt nicht als Nachschlag am Schreibtisch. Das machen wir auf dem Sofa oder im Bett, manchmal liest er einen Absatz und ich einen. Dann fühlt es sich weniger nach Verlängerung von Schule an. Trotzdem ist es erledigt. Kleine Tricks, großer Frieden.
janosch_81
Kurzes Update von mir, weil ihr gefragt hattet. Gestern lief es wieder besser. Ich habe den Ranzen nicht mal angeschaut, obwohl er mich aus der Ecke wirklich provoziert hat. Erst Hände, Snack, zehn Minuten Sofa. Dann habe ich nur gesagt: „Zeig mir den kleinsten Anfang.“ @kaffeetrinker, deine Sache mit der Stimme stimmt leider. Ich dachte immer, ich klinge normal. Meine Frau sagt, ich habe dann diese Projektleiter-Stimme. Mein Sohn hört wohl nicht „Wir machen kurz Mathe“, sondern „Achtung, Papa klappt gleich den ganzen Nachmittag auf.“ Wir haben zehn Minuten Timer gemacht. Danach wollte er sogar noch zwei Aufgaben. Nicht, weil Mathe plötzlich schön war, sondern weil keiner gezogen hat. Ich musste mich echt bremsen, nicht zu loben wie ein Stadionsprecher. Habe nur gesagt: „Danke, das war ruhig mit uns.“ Das fühlte sich richtig an.
der_detlef
@janosch_81, das klingt nach einem sehr guten Weg. Gerade dieses nicht groß feiern ist oft schwerer als gedacht. Wenn wir aus jedem ruhigen Nachmittag ein Ereignis machen, merkt das Kind auch wieder: Aha, hier ist Sprengstoff. > Ich habe den Ranzen nicht mal angeschaut, obwohl er mich aus der Ecke wirklich provoziert hat. Den Satz kenne ich. Ranzen können gucken. Meiner Meinung nach sogar vorwurfsvoll. Was du mit „kleinster Anfang“ machst, ist für viele Kinder nach OGS viel greifbarer als „Hausaufgaben“. Ein Wort klingt nach Berg, das andere nach Stift nehmen. Mehr braucht es oft nicht. Und ja, Projektleiter-Stimme hatte ich auch. Ich wollte helfen, klang aber wie jemand, der gleich eine Tabelle an die Wand wirft. Seit ich leiser starte, bleibt mein Sohn eher am Tisch. Nicht immer. Aber öfter.
zugvogel_ralf_78
@janosch_81, ich finde das mit dem provozierenden Ranzen sehr nachvollziehbar. Unser Ranzen steht auch manchmal in der Ecke wie ein kleiner Chef und guckt mich an. Wir machen seit ein paar Wochen nach OGS immer denselben Kram: Schuhe aus, Hände, Snack, zehn Minuten Ruhe. Dann frage ich nicht „Was musst du alles machen?“, sondern „Was ist der erste Mini-Schritt?“ Bei meinem Achtjährigen ist das oft nur Heft aufklappen und Datum suchen. Wenn der Anfang liegt, geht der Rest nicht immer leicht, aber seltener mit Gewitter. > Vier Aufgaben ohne Knall sind an manchen Tagen mehr wert Genau das. Ich musste auch lernen, nicht heimlich auf Tempo zu schielen. Kinder merken diesen Druck, selbst wenn man freundlich guckt. Manchmal sitze ich nur daneben und schraube gedanklich an nichts. Das ist schwerer als jede Holzleiste gerade zu sägen :)
kinderstuhl_felix
@der_detlef, dein Satz mit Sprengstoff hat hier gesessen. Ich habe genau das gemacht. Wenn es einmal ohne Streit lief, habe ich fast eine Medaille aus der Schublade geholt. Kind hat natürlich gemerkt: Papa findet das hier hochgefährlich. @janosch_81, bei uns hilft ein kleiner Küchenwecker. Nicht als Drohung, eher als Ende in Sicht. „Wir machen zehn Minuten, dann Pause.“ Wenn nach zehn Minuten nur zwei Zeilen da sind, bleiben es zwei Zeilen. Ich schreibe dann der Lehrerin lieber kurz ins Heft, dass der Akku leer war, als zu Hause noch eine Stunde Krieg zu führen. Und Snack vorher ist hier Pflicht. Hungriges Kind plus Mathe ist wie nasses Holz anzünden. Geht irgendwie, stinkt aber allen die Bude voll.
der_detlef
@kinderstuhl_felix, hungriges Kind plus Mathe wie nasses Holz, das merke ich mir. Genau so riecht es bei uns manchmal auch. @janosch_81, noch ein Gedanke: Ich würde die Lehrkraft ruhig ins Boot holen, aber ohne großes Alarmwort. Einfach sagen: Nach OGS ist der Akku oft leer, wir üben gerade einen kleinen Start. Viele Lehrkräfte kennen das. Dann hängt nicht alles an euch zu Hause. Was ich vermeiden würde: Hausaufgaben als Charaktertest sehen. Also nicht „Du musst lernen, dich durchzubeißen“, wenn das Kind eigentlich schon seit 7 Stunden funktioniert hat. Natürlich sollen Aufgaben gemacht werden. Aber ein Kind nach OGS ist oft wie wir nach einem langen Arbeitstag, nur mit weniger Worten und mehr Radiergummi. Wenn es einmal kracht, am nächsten Tag wieder langweilig anfangen. Keine Rede vom Vortag. Ranzen, Hände, Snack, kurzer Start. Fertig.
vuppi
Nach OGS noch einmal sofort in einen zweiten „Arbeitstag“ zu wechseln klingt für ein Kind schon ziemlich viel. Dass eine echte Pause vorher hilft, überrascht mich deshalb gar nicht.
baerliner_papa
@janosch_81, das mit dem Mund mit eigener Schulpflicht kenne ich sehr gut :) Bei mir kommt nach dem Büro auch oft noch der Projektleiter raus, obwohl zu Hause einfach nur Papa gefragt ist. > Vier Aufgaben ohne Knall sind an manchen Tagen mehr wert Das würde ich mir fast an den Kühlschrank hängen. In der 2. Klasse ist nach OGS oft nicht mehr viel Tank drin. Bei uns hilft, vorher kurz zu sagen: „Wir schauen nur, was noch da ist. Dann machen wir einen kleinen Teil.“ Nicht „alles fertig“, sondern erst mal zwei Rechnungen oder eine Zeile. Die kleine Schwester würde ich, wenn es geht, in der Zeit mit einem klaren Job parken. Bei uns war das „Du malst mir ein Baustellenschild“ oder „Du sortierst die Stifte“. Sonst sitzt da ein Mini-Kommentator mit Popcorn. Und wenn es kippt: Stift hinlegen, Wasser trinken, einmal tief Luft. Lieber zehn ruhige Minuten als dreißig mit rotem Kopf.
kaffeetrinker
@baerliner_papa, das mit dem Projektleiter zu Hause trifft mich. Ich habe mal nach der OGS gefragt: „Was ist der Stand bei Deutsch?“ Mein Sohn hat mich angeguckt, als hätte ich einen Helm auf. > Vier Aufgaben ohne Knall sind an manchen Tagen mehr wert Genau so. Bei uns steht jetzt erst Ranzen in die Ecke, Hände waschen, Apfel oder Brot, dann zehn Minuten Sofa oder Lego. Ich frage in der Zeit nichts zur Schule. Gar nichts. Das war schwerer für mich als für ihn :) Danach lege ich nur das Heft hin und sage: „Such dir eine Aufgabe aus, ich sitze dabei.“ Wenn er anfängt, mache ich Tee oder räume neben ihm was Kleines. Sobald ich drücke, ist der Laden zu. Wenn ich da bin, aber nicht schiebe, geht eher was.
zugvogel_ralf_78
@janosch_81, bei uns war nach OGS auch lange die Luft raus. Ich dachte erst, wir bräuchten mehr Klarheit, dabei brauchte mein Sohn vor allem weniger Worte. Der kam heim und hatte schon acht Stunden Menschen, Regeln, Lärm und „mach mal“ hinter sich. Wir haben es sehr stumpf gemacht: Schuhe aus, Ranzen an denselben Haken, Hände, Snack, zehn Minuten Hörspiel im Sessel. Danach nur der Satz: „Wir gucken einmal zusammen rein.“ Nicht „Hausaufgaben“, nicht „jetzt aber“. Dieses Wort allein hat hier schon Augenrollen ausgelöst. Wenn es gar nicht geht, schreibe ich der Lehrerin kurz ins Heft: „Heute nach OGS nicht geschafft, wir holen es am ruhigen Tag nach.“ Bisher kam nie Ärger. Eher im Gegenteil, sie war froh zu wissen, warum es fehlt.
kinderstuhl_felix
@daniel, „Was ist der Stand bei Deutsch?“ hätte von mir sein können. Ich habe mich auch schon dabei erwischt, wie ich am Küchentisch fast ein kleines Meeting eröffnet habe. Mein Sohn saß da mit Apfel in der Hand und wollte einfach nur nicht mehr funktionieren. Bei uns klappt inzwischen ein Küchenwecker besser als mein Mund. Zehn Minuten anfangen, dann darf er stoppen. Oft macht er weiter, weil der Anfang das Schlimme war. Wenn nicht, sind wenigstens zehn Minuten geschafft und niemand hat gebrüllt. @der_detlef, Lehrerin ohne großes Drama ins Boot holen war hier auch gut. Ich habe geschrieben, dass nach OGS an manchen Tagen nur wenig geht. Sie meinte, lieber ehrlich und ruhig als jeden Abend Kampf. Das hat mir viel Druck genommen.
der_detlef
@kinderstuhl_felix, dein Bild vom kleinen Meeting am Küchentisch ist herrlich und schmerzhaft zugleich. Ich habe früher auch gedacht, wenn ich nur klar genug frage, läuft es besser. In Wahrheit war mein Kind nach OGS einfach durch. Bei uns hat geholfen, das Wort Hausaufgaben erst mal nicht in den Flur zu werfen. Heimkommen heißt hier: Schuhe an denselben Platz, Ranzen in die Ecke, Snack, zehn Minuten Sofa oder Lego. Ich stelle keinen Fragenkatalog. Wenn ich doch frage, bekomme ich nur Knurren mit Schulranzen. Danach lege ich das Heft hin und sage: „Such dir den leichtesten Start.“ Nicht die wichtigste Aufgabe, nicht die schönste. Die leichteste. Das nimmt oft den ersten Widerstand raus. > Vier Aufgaben ohne Knall sind an manchen Tagen mehr wert Das sollte auf jeden Elternabend-Zettel. Manchmal ist Frieden am Tisch mehr wert als ein perfektes Heft.
zugvogel_ralf_78
@baerliner_papa, weniger Worte war hier wirklich der Schlüssel. Unser Achtjähriger kommt nach OGS manchmal rein wie ein kleiner Pendler nach Zugausfall. Schuhe halb aus, Blick leer, Hunger auf alles und nichts. Ich habe früher auch direkt gefragt, was auf ist. Fehler. Jetzt ist der Ablauf langweilig gleich: Ranzen an den Haken, Hände waschen, Brot oder Apfel, zehn Minuten Ruhe. Ich sitze oft nur daneben und lese irgendwas. Kein „Na?“, kein „Und?“ Wenn wir starten, nehme ich den Küchenwecker. Zehn Minuten. Nicht „bis alles fertig ist“. Oft macht er danach weiter, manchmal nicht. Aber der Streit ist weniger geworden, weil der Berg kleiner aussieht. @kaffeetrinker, dein „Such dir eine Aufgabe“ habe ich übernommen. Mein Sohn nimmt fast immer Mathe, weil es überschaubar ist. Deutsch bleibt zäh, aber wenigstens schreien wir nicht mehr jeden Tag über ein Arbeitsblatt.
morgenmuffel_83
@janosch_81, ich musste an dich denken, weil unser Zweitklässler auch nach OGS oft aussieht, als hätte er eine Doppelschicht gemacht. Ich komme aus dem Büro und will dann „kurz erledigen“. Er kommt aus Schule und OGS und will, dass niemand mehr etwas von ihm will. Gute Mischung, wenn man Streit sucht. Wir haben die Hausaufgaben jetzt vom Küchentisch weggenommen. Da liegt bei uns zu viel Leben herum: Brotdosen, Post, Lego, halbe Baustellenzettel vom Reihenhaus. Jetzt sitzt er am kleinen Tisch im Wohnzimmer. Ich sitze in der Nähe, aber nicht direkt daneben wie ein Prüfer. Der beste Satz bei uns ist: „Ich bleibe hier, du fängst nur an.“ Danach nicht reden. Wenn ich daneben kommentiere, wird es sofort zäh. @kinderstuhl_felix, Küchenwecker nutze ich auch. Unser Sohn vertraut dem Ding mehr als mir. Ist okay, der Wecker diskutiert nicht.
kaffeetrinker
@morgenmuffel_83, das mit der Doppelschicht trifft es bei uns auch. Mein Sohn ist 3. Klasse und nach OGS ist sein Kopf oft wie ein leerer Akku mit blinkender Lampe. Früher habe ich direkt gefragt, was auf ist, und war dann beleidigt, wenn nur Gemurmel kam. Super Start für beide, nicht. Bei uns läuft es seit ein paar Wochen besser mit einer festen Reihenfolge: Ranzen in die Ecke, Hände waschen, Snack, zehn Minuten Sofa oder Lego. Erst danach lege ich das Heft auf den Tisch und sage: „Such dir eine Aufgabe aus, ich sitze daneben.“ Mehr nicht. Wenn ich anfange zu erklären, bevor er überhaupt sitzt, ist es vorbei. > Ich komme aus dem Büro und will dann „kurz erledigen“. Genau da erwische ich mich auch. Für mich ist es kurz, für ihn ist es die letzte Hürde nach einem langen Tag.
kinderstuhl_felix
@der_detlef, dein Satz mit dem Wort Hausaufgaben ersetzen hat bei uns echt was gelöst. Wir sagen jetzt oft nur noch „Schulkram auf den Tisch“ oder „zehn Minuten Heftzeit“. Klingt albern, aber das Wort Hausaufgaben war hier wie ein roter Knopf. @zugvogel_ralf_78, der kleine Pendler nach Zugausfall ist sehr passend. Unser OGS Kind kommt manchmal rein, als hätte es drei Umstiege, einen nassen Sitzplatz und einen verlorenen Turnbeutel hinter sich. Wenn ich dann mit „Was musst du noch machen?“ komme, kann ich genauso gut eine Sirene einschalten. Was bei uns hilft: Ich sitze mit einem Kaffee daneben und mache etwas eigenes, Einkaufszettel oder Schrauben sortieren. Nicht über ihm schweben. Wenn er fragt, helfe ich. Wenn er träumt, lasse ich ihn kurz. Nach zehn Minuten Klingel vom Küchenwecker. Dann Pause. Lieber zwei kleine Runden als ein langer Tischkampf.
der_detlef
@daniel, genau dieses „ich sitze daneben“ ist bei uns der Punkt. Nicht Trainerbank, nicht Prüfer, eher Geländer. Mein Fehler war lange, dass ich mich innerlich schon auf Streit gestellt habe. Kind kam rein, ich dachte: Gleich geht es los. Das merkt so ein Kind natürlich sofort. Wir haben auch aufgehört, direkt nach der Schule alles wissen zu wollen. Wenn ich abends von der Arbeit komme und jemand fragt mich im Flur nach drei offenen Mails, werde ich auch nicht milde lächeln. Kinder können das nur schlechter sortieren. @kinderstuhl_felix, deine Heftzeit finde ich gut. Wir machen inzwischen auch ein klares Ende. Wenn nach ehrlichem Versuch noch etwas offen ist, schreibe ich kurz ins Heft: „Heute war nach OGS nichts mehr drin.“ Das kam bisher nie böse zurück. Die Lehrerin meinte sogar, lieber so als jeden Tag Tränen am Küchentisch.
zugvogel_ralf_78
@kinderstuhl_felix, dieses Danebensitzen ohne zu schweben musste ich auch erst lernen. Ich bin eher der Typ Fahrplan im Kopf. Nach OGS funktioniert Fahrplan bei unserem Achtjährigen aber nur, wenn er Luft hat. Sonst ist jeder Punkt auf meiner inneren Liste ein weiterer Stein im Ranzen. @daniel, die Snackpause ist hier auch Gold wert. Wir haben feste Plätze: Schuhe ans Regal, Ranzen neben den Stuhl, Trinkflasche in die Spüle. Dann Brot oder Banane. Erst danach gucken wir ins Heft. Wenn ich vorher frage, was los ist, kommt „weiß nicht“. Und das stimmt dann wahrscheinlich sogar. Was noch hilft: Ich lese nicht alles laut vor. Früher habe ich jeden Satz kommentiert. Heute zeige ich nur auf die Aufgabe und frage: „Welche zuerst?“ Dieses kleine Stück Wahl macht viel aus. Und wenn gar nichts geht, schreibe ich kurz eine Notiz. Kein Drama, nur ehrlich.
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