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ET in drei Wochen und mein Kopf dreht abends komplett frei

Gestartet von bastian.k · 27. August 2026

bastian.kEröffnung
Hallo zusammen, ich lese schon länger mit und jetzt muss ich doch mal schreiben. Der ET ist in drei Wochen. Tagsüber freue ich mich total, baue Wickelkommode auf und nicke bei allen Listen. Abends liege ich wach und sehe nur noch Kreißsaal, Notfälle, Parkplatzsuche, Baby schreit und ich stehe nutzlos daneben. Meine Freundin ist erstaunlich ruhig und sagt, ich soll einfach da sein. Klingt simpel, aber mein Kopf macht daraus eine Prüfung. Kennt ihr das kurz vor der Geburt auch so heftig?
werkbank_willi
@bastian.k, ja, kenne ich. Bei mir kam die Panik auch abends, wenn alles still war. Tagsüber konnte ich noch die Kliniktasche prüfen, nachts war ich sicher, dass ich bei der Geburt entweder falsch atme, falsch stehe oder den Autoschlüssel verliere. Mir halfen sehr konkrete Dinge. Einmal Route zur Klinik fahren, Parkhaus anschauen, Nummer der Hebamme sichtbar speichern, Snacks und Wasser in die Tasche. Nicht zehn Ratgeber lesen. Die haben mein Kopfkino eher gefüttert. Lieber drei Handgriffe, die du wirklich machen kannst. Und „einfach da sein“ ist nicht wenig. Du bist nicht der Arzt und nicht die Hebamme. Du bist der vertraute Mensch neben ihr. Du kannst ihre Hand halten, Besuch abwehren, Wasser reichen, zuhören und im Zweifel sagen: „Ich bin hier.“ Das klingt klein, ist aber in dem Moment riesig. Angst heißt nicht, dass du ungeeignet bist. Sie heißt nur: Da kommt etwas Großes.
rasenmähermann
Ich würde auch sagen: Mach die Aufgabe kleiner. Nicht „Ich muss eine Geburt meistern“, sondern „Was brauchen Baby und Mama heute oder in dieser Stunde?“ Bei der Geburt kann das ganz banal sein. Wasser, Lippenpflege, frisches Shirt, Handy weg, Hebamme holen, ruhig bleiben. Bei unserem ersten Kind wollte ich innerlich alles richtig machen und war dadurch eher hibbelig. Beim zweiten habe ich mir gesagt: brauchbar reicht. Ich muss nicht glänzen. Ich muss ansprechbar sein. Sprich vorher mit deiner Freundin über zwei oder drei klare Sachen. Will sie Musik oder Ruhe? Darfst du sie anfassen, wenn es hart wird, oder lieber fragen? Welche Sätze nerven sie? Meine Frau wollte keine Sportcoach-Sprüche. Sie wollte kurze Sätze und sonst Ruhe. Das hätte ich ohne Gespräch falsch gemacht. Und schlaf, wenn du kannst. Müder Kopf macht aus jeder Sorge einen Katastrophenfilm.
C.A.M.
@bastian.k, dieses abendliche Kopfkino hatte ich vor dem ersten Kind auch. Tagsüber war ich der Typ mit Akkuschrauber und Liste, nachts lag ich da und dachte: Gleich merkt jemand, dass ich gar keinen Papa-Führerschein habe. > Ich habe Angst, im Kreißsaal nutzlos zu sein. Das ist ein fieser Gedanke, aber er stimmt selten. Du musst dort nicht glänzen. Du musst eher ruhig bleiben, zuhören und kleine Dinge tun. Wasser reichen, Stirn kühlen, Hebamme holen, nicht beleidigt sein, wenn deine Freundin in dem Moment keine langen Gespräche will. Was mir geholfen hätte: vorher zwei Sätze mit meiner Frau klären. Will sie Berührung oder eher Abstand? Soll ich reden oder eher still da sein? Der Rest kommt dann Stück für Stück. Du wirst nicht perfekt sein. Musst du auch nicht :)
bine_1985
@bastian.k, ich schreibe mal aus Mama-Sicht. Bei mir war es unter der Geburt am hilfreichsten, wenn mein Partner nicht versucht hat, die Lage zu retten. Er war einfach da. Ruhig, nah, aber nicht dauernd mit Fragen über mir. Was mich vorher sehr beruhigt hätte, waren klare Mini-Absprachen. Wenn ich die Augen zu habe, bitte nicht reden. Wenn ich die Hand hinstrecke, darf er sie nehmen. Wasser anbieten, aber nicht alle zwei Minuten. Keine Kommentare wie „gleich hast du es geschafft“, wenn niemand das wirklich weiß ;) Deine Freundin sagt, du sollst einfach da sein. Das klingt klein, ist aber riesig. Wenn du sehr nervös bist, sag ihr das ruhig einmal vorher. Nicht zehnmal im Kreißsaal. Dann weiß sie, was in dir los ist, und du musst keine Show spielen.
Stromer_81
@bastian.k, bei K1 habe ich genau den Fehler gemacht: Ich wollte alles richtig machen und war dadurch für meine Frau eher ein vibrierender Kühlschrank. Ich googelte, fragte, räumte, fragte wieder. Irgendwann sagte sie nur noch: „Setz dich bitte hin.“ Das war verdient. Bei K2 war mein Plan viel kleiner. Wasser, Snacks, Handy leise, Besuch später abwehren, Hebamme ernst nehmen. Mehr nicht. Das hat mich deutlich brauchbarer gemacht. Vielleicht hilft dir für die Nacht jetzt schon ein Zettel neben dem Bett. Drei Dinge, die geklärt sind: Tasche, Route, Nummern. Und drei Dinge, die nicht planbar sind. Die dürfen dann da stehen, ohne dass du sie nachts lösen musst. Du bist nicht nutzlos, nur weil du nicht alles steuern kannst. Vatersein fängt manchmal genau damit an, dass man danebensteht und trotzdem bleibt.
werkbank_willi
@bastian.k, ich war vor der Geburt abends auch plötzlich komplett auf Sendung. Tagsüber alles okay, nachts lag ich wach und dachte an Kliniktasche, Route, Parkplatz, Katze, Snacks, Nummern. Mein Kopf tat so, als müsste ich eine Mondlandung planen. Was mir geholfen hat: einmal die Handgriffe klären. Tasche fertig, Babyschale im Auto, Route zur Klinik, zweite Route im Kopf, Ladekabel, Wasser, Müsliriegel. Danach habe ich mir verboten, jeden Abend neu zu planen. Im Kreißsaal war ich nicht der Held. Ich war eher der ruhige Typ mit Wasserflasche. Hand halten, mitatmen, Hebamme zuhören, nicht alles kommentieren. Das reichte mehr, als ich vorher dachte. > Angst, nutzlos zu sein Nutzlos bist du nicht, wenn du ruhig bleibst. Du musst nicht glänzen. Du musst da sein. Und wenn du unsicher bist, frag die Hebamme leise, was gerade hilft.
rasenmähermann
@bastian.k, mach die Aufgabe kleiner. Nicht „Ich werde Vater und muss ab jetzt alles können“, sondern: Was braucht deine Partnerin heute Abend? Was braucht das Baby später in der ersten Stunde? Was brauchst du, damit du nicht komplett hohl drehst? Bei uns half vor der Geburt ein Mini-Zettel am Kühlschrank. Drei Wünsche meiner Frau: wenig reden, keine Uhrzeit-Kommentare, Hand nur anbieten und nicht festklammern. Drei Dinge für mich: Wasser trinken, essen, atmen. Klingt albern, war aber Gold wert. Und nach der Geburt gilt erst recht: brauchbar reicht. Du musst nicht sofort der perfekte Papa sein. Windel krumm, Body falsch herum, Baby schreit trotzdem. Passiert. Dann macht man es noch mal. @Stromer_81 mit dem vibrierenden Kühlschrank hat recht. Zu viel Aktion ist manchmal mehr Last als Hilfe. Ruhig und ansprechbar ist oft der beste Job.
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