Unsere Tochter ist jetzt elf Wochen alt und schläft tagsüber fast nur in der Trage oder auf mir. Ablegen klappt manchmal fünf Minuten, dann gehen die Augen auf und sie sucht sofort Körperkontakt. Nachts ist es okay, da schläft sie neben uns im Beistellbett.
Eigentlich finde ich die Trage schön, aber ich merke, dass ich tagsüber kaum esse oder mal dusche, wenn meine Frau arbeitet. Meine Schwiegermutter meinte gestern, wir müssten sie langsam ans Bett gewöhnen, sonst hätten wir später ein Problem.
Ich bin unsicher. Ist das in dem Alter noch normal? Habt ihr kleine Tricks fürs Ablegen, ohne dass es gleich in Stress ausartet?
Baby schläft tagsüber fast nur in der Trage
Gestartet von windelwechselprofi · 25. August 2026
@windelwechselprofi, ja, das klingt für elf Wochen sehr normal. Nicht bequem, aber normal. Unser zweites Kind war auch so ein kleiner Körperkontakt-Sensor. Sobald der Rücken die Matratze roch, war Alarm :)
Ich würde erstmal nicht in „später ein Problem“ denken. Heute braucht sie Schlaf und Nähe, und du brauchst Essen. Also praktisch planen: Trage so einstellen, dass du sicher ein Brot machen kannst, Wasserflasche hinstellen, Snacks griffbereit. Duschen vielleicht dann, wenn deine Frau kurz übernimmt oder Baby wach und satt auf einer Decke liegt.
Ablegen kannst du testen, aber ohne Kampf. Warmes Bett, langsam Po zuerst, dann Rücken, Hand noch drauflassen, nicht sofort wegrennen. Wenn es nicht klappt, war es kein Scheitern. Dann eben wieder Trage. Babys sind keine Projekte, die man mit elf Wochen optimieren muss.
Ich schreibe mal aus Mama-Sicht. Bei uns war die Trage am Anfang auch das, was den Tag gerettet hat. Ich fand nur wichtig, dass mein Mann nicht dachte, er müsse dabei nebenbei noch den ganzen Haushalt schaffen. Baby tragen ist schon etwas.
@windelwechselprofi, redet als Paar konkret darüber, wann du essen und duschen kannst. Nicht heldenhaft durchziehen und abends still sauer sein. Vielleicht übernimmt deine Frau nach Feierabend erst 20 Minuten Baby, bevor ihr über Wäsche oder Abendessen redet.
Zum Ablegen: Bei meiner Tochter ging es besser, wenn ich nicht zu spät dran war. Wenn sie schon völlig drüber war, klammerte sie sich gefühlt an meine Schulter. Also beim ersten Gähnen runterfahren, dunkler Raum, wenig reden. Manchmal klappte es, manchmal nicht.
Und Schwiegermütter meinen es oft gut. Trotzdem müsst ihr nicht jeden Satz zu eurem Tagesplan machen.
@windelwechselprofi, ich nicke bei @rasenmähermann und @bine_1985 mit. Elf Wochen ist bei vielen Babys noch sehr viel „Ich brauche einen warmen Menschen“. Unser Großer hat tagsüber auch nur auf mir oder in der Trage gepennt. Ich saß irgendwann mit Brötchenkrümeln auf dem Pulli da und dachte, das bleibt jetzt bis zur Einschulung so. Blieb es nicht :)
Was mir geholfen hat: Tragezeit als echte Babyzeit zählen. Nicht nebenbei noch Küche, Wäsche und Weltfrieden. Wenn du sie trägst, machst du schon etwas Wichtiges. Und wenn Ablegen mal getestet wird, dann ohne großen Plan. Warmes Bettchen, Hand kurz am Bauch, vielleicht erst nach 15 Minuten Tiefschlaf. Wenn sie wach ist, war es kein Fehler, sondern nur ein kurzer Versuch.
> Heute braucht sie Nähe.
Genau das. Morgen kann wieder anders sein.
Wir sind gerade mit Baby Nummer zwei wieder in so einer Phase. @windelwechselprofi, bei uns klappt Ablegen tagsüber fast nur, wenn ich vorher wirklich Tempo rausnehme. Also nicht: Baby schläft, schnell hinlegen, dann losrennen. Das merkt unser Kleiner sofort. Ich setze mich erst noch zwei Minuten hin, atme runter, dann langsam in Seitenlage ablegen und die Hand noch kurz dranlassen.
Aber ehrlich: Oft bleibt es trotzdem bei Trage. Dann ist das halt der Mittagsschlaf. Ich habe mir beim ersten Kind auch Sorgen gemacht, ob wir uns da etwas „einbauen“. Bei unserer Tochter war es später trotzdem kein Thema, im Buggy, im Bett oder bei Oma zu schlafen. Das kam nicht über Nacht, aber es kam.
@bine_1985 hat recht: Sprecht ab, was an solchen Tagen liegen bleiben darf. Sonst steht einer mit Baby am Bauch da und fühlt sich trotzdem faul. Das ist Quatsch.
Danke euch allen, das tut echt gut zu lesen. @bine_1985, dein Satz mit „Baby tragen ist schon etwas“ hängt seit gestern bei mir im Kopf. Ich hatte genau diesen inneren Film: Kind in der Trage, nebenbei Küche, Wäsche, Mails, am besten noch gesund kochen. Ergebnis war nur, dass ich schwitzig und genervt durch die Wohnung bin und die Kleine nach zehn Minuten wieder wach war.
Heute habe ich es anders gemacht. Trage an, Podcast leise, Wasser daneben und einfach auf dem Balkon gesessen. Sie hat fast eine Stunde geschlafen. Ich musste mich bremsen, nicht sofort aufzustehen, als ihre Atmung ruhiger wurde.
@flaschenpost_rene, das mit dem Tempo rausnehmen passt hier total. Ablegen klappt noch nicht wirklich, aber ich sehe gerade: Vielleicht ist das gar nicht die Aufgabe für diese Woche. Diese Woche ist eher: Wir kommen beide durch den Tag, ohne dass ich aus allem ein Projekt mache.
@windelwechselprofi, das klingt sehr nach elf Wochen und nicht nach „wir haben etwas falsch gemacht“. Unsere Tochter war damals auch so ein kleines Wärmesuchgerät. Sobald ich sie abgelegt habe, gingen die Augen auf, als hätte jemand einen Alarm eingebaut.
Was bei uns ein bisschen Druck rausnahm: Wir haben den Tag nicht mehr in „geschafft“ und „nicht geschafft“ geteilt. Wenn das Baby in der Trage schlief und ich dabei nur ein Brot gegessen habe, war das ein guter Block. Nicht nebenbei noch Bad putzen, Steuerkram und Sternekoch spielen.
Ablegen haben wir nur einmal pro Schlaf versucht. Wenn es nicht klappte, wieder Trage oder Arm. Kein Kampf daraus machen. Und ja, irgendwann wurde es anders. Nicht über Nacht, eher in kleinen Wellen. Du verbaust da nichts. Du gibst gerade Sicherheit, Wärme und deinen Rücken. Letzterer darf natürlich Pausen haben :)
Ich wollte kurz ein Update geben, weil hier so viele ruhig geschrieben haben. Wir haben die letzten Tage wirklich weniger probiert. Nicht mehr jeder Schlaf als neues Experiment, sondern erst mal Trage an, Kaffee in Reichweite, Wasser auch, und dann kein schlechtes Gewissen.
@schreibfauuul, dein Bild mit den Brötchenkrümeln trifft es leider sehr genau. Ich sah gestern aus wie ein schlecht belegtes Frühstücksbrett. Aber ich war deutlich entspannter.
Einmal habe ich sie nach 25 Minuten Trage neben mich aufs Sofa gelegt. Vorher habe ich mich hingesetzt und noch fünf Minuten gewartet. Das klappte sogar zehn Minuten. Früher wäre ich sofort losgesprungen und hätte drei Dinge angefangen. Diesmal habe ich einfach daneben gesessen. Klingt banal, war aber ein kleiner Sieg.
Danke euch. Es tut gut, nicht ständig das Gefühl zu haben, wir müssten ihr jetzt schon etwas abtrainieren.