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Baby schläft nur auf mir und ich komme kaum runter

Gestartet von regenjacke_nils_87 · 28. September 2026

regenjacke_nils_87Eröffnung
Moin zusammen, ich brauche mal euren Blick. Unser kleiner Sohn schläft tagsüber fast nur auf mir oder meiner Frau. Ablegen klappt manchmal zehn Minuten, meistens wacht er sofort auf und guckt, als hätten wir ihn verraten. Ich weiß vom Kopf her, dass Babys Nähe brauchen. Trotzdem merke ich, wie ich innerlich unruhig bin, weil Haushalt, große Schwester und Schlafmangel drücken. Abends klingt er dann noch wie eine kleine Baustelle und ich frage mich, ob wir irgendwas falsch machen. Wie habt ihr das gemacht, ohne komplett durchzudrehen? Trage ist da, Sofa auch, Kaffee sowieso.
schreibfauuul
@regenjacke_nils_87, das klingt sehr nach Baby und nicht nach Fehler. Ich habe beim ersten Kind Ablegen behandelt wie Bombenentschärfung. Atmen anhalten, Fußboden meiden, Decke millimetergenau. Und zack, Augen auf. Beim zweiten war ich entspannter. Tagschlaf in der Trage war dann einfach Babydienst. Nicht „ich komme zu nichts“, sondern „ich halte gerade das Baby am Laufen“. Das hat im Kopf geholfen. Praktisch: Wasser, Snack, Handy, Kopfhörer in Reichweite, bevor du dich hinsetzt. Und mit deiner Frau Schichten sprechen, auch wenn es nur 45 Minuten sind. Du brauchst auch mal Arme ohne Baby.
juergen_54
@regenjacke_nils_87, bei uns war Ablegen lange ein Glücksspiel. Ich würde es weiter probieren, aber ohne Tagesziel daraus zu machen. Einmal am Vormittag, einmal am Nachmittag, wenn er tief schläft. Wenn es klappt, schön. Wenn nicht, zurück auf den Bauch oder in die Trage. Wichtig fand ich: nicht jeden missglückten Versuch als Rückschritt sehen. Babys lernen das nicht wie Fahrradfahren mit Plan. Manchmal können sie es zwei Tage, dann wieder nicht. Und zur großen Schwester: Bei uns half eine Kiste mit Sachen, die es nur gab, wenn Baby auf mir schlief. Bücher, Sticker, kleine Tiere. Dann war sie nicht ganz raus aus der Nummer.
rasenmähermann
@regenjacke_nils_87, dieses Gefühl „ich bin nur noch Matratze mit Puls“ kenne ich. Bei unserem zweiten Kind habe ich irgendwann aufgehört, Tagschlaf wie ein Projekt zu behandeln. Schlaf auf mir war Schlaf. Punkt. Nicht schön für Rücken und Kopf, aber kein Scheitern. Mir half ein kleiner Rahmen: Wasser, Handy auf leise, Kopfhörer, Snack in Reichweite, bevor das Baby einschläft. Dann war ich nicht gefangen wie unter einem umgekippten Schrank. Und einmal am Tag habe ich bewusst nicht abgelegt. Das klingt komisch, aber es nahm Druck raus. Beim anderen Schläfchen durfte ich es versuchen. Wenn du merkst, du wirst innerlich kribbelig, geb kurz ab, auch wenn der Kleine meckert. Fünf Minuten Bad oder Balkon sind kein Luxus. Das ist manchmal der Unterschied zwischen „müde“ und „gleich platze ich“.
Stromer_81
@schreibfauuul, Bombenentschärfung trifft es leider genau. Ich bin bei K1 rückwärts aus dem Zimmer geschlichen wie ein Einbrecher mit Bandscheibe. @regenjacke_nils_87, bei uns wurde es besser, als wir feste kleine Versuche hatten. Nicht den ganzen Tag testen, sondern einmal nach dem Stillen oder der Flasche, wenn der Arm wirklich schwer war. Dann vorgewärmtes Laken, Hand noch zwei Minuten auf dem Bauch, fertig. Wenn die Augen aufgingen, habe ich nicht geflucht. Na ja, meistens nicht ;) Was ich unterschätzt habe: Trage richtig einstellen. Ich hatte anfangs alles zu locker und danach Nacken wie Beton. Eine Hebamme hat einmal dran gezogen und plötzlich war das Kind höher, mein Rücken besser und ich konnte sogar Brote schmieren. Nicht elegant, aber brauchbar.
schreibfauuul
@juergen_54 schreibt es gut: probieren ja, aber ohne Tagesziel. Ich habe damals heimlich Tabellen im Kopf geführt. Drei Minuten abgelegt, acht Minuten, wieder null. Totaler Quatsch, aber müder Kopf sucht halt Zahlen. @regenjacke_nils_87, wenn dein Sohn auf euch schläft, macht ihr gerade nichts kaputt. Ihr baut auch keinen kleinen Tyrannen. Der ist einfach noch sehr neu hier und euer Brustkorb ist für ihn wahrscheinlich die beste Heizung mit Herzschlag. Was hier geholfen hat: Ich habe mir für diese Schlafphasen bewusst leichte Sachen gesucht. Alte Hörspiele, leise lesen, Fotos sortieren. Keine Steuer, keine Mails, nichts mit Ärger. Dann war es weniger „ich komme zu nichts“ und mehr „okay, Babydienst im Sitzen“. Klingt klein, hat meinen Kopf aber gerettet.
juergen_54
@schreibfauuul, diese Kopf Tabellen hatte ich auch. Bei Kind eins habe ich innerlich Buch geführt wie ein Paketdienst. Abgelegt um 10:14, wach um 10:19, Vater enttäuscht um 10:20. Hat niemandem geholfen. @regenjacke_nils_87, ich würde tagsüber wirklich kleiner denken. Wenn dein Sohn auf dir schläft, schläft er. Das ist erst mal kein Fehler. Ihr dürft es euch dabei so bequem wie möglich machen: Wasser in Reichweite, Handy leise, Kissen in den Rücken, vielleicht Hörbuch auf einem Ohr. Ablegen würde ich weiter testen, aber nicht dauernd. Ein Versuch vormittags, einer nachmittags, wenn er richtig schwer wird im Arm. Wenn es klappt, gut. Wenn nicht, zurück auf den Brustkorb. So bleibt es ein Versuch und wird kein Dauerkampf.
flaschenpost_lars
@regenjacke_nils_87, unser Kleiner ist vier Monate und schläft tags auch gern wie ein nasser Sandsack auf uns. Ich habe am Anfang gedacht, ich müsste ihn „richtig“ ins Bett kriegen. Ergebnis: Baby wach, ich genervt, Kaffee kalt. Was besser läuft: Ich plane einen Schlaf am Tag als Trage Schlaf ein. Da mache ich keinen Haushalt mit Anspruch, sondern laufe einmal durchs Viertel oder räume ganz stumpf drei Sachen weg. Danach darf es auch wieder Sofa sein. Meine große Tochter versteht inzwischen: Wenn Papa Baby auf dem Bauch hat, ist Vorlesen möglich, Fangen nicht. > Schlaf auf mir war Schlaf. Punkt. @rasenmähermann, genau den Satz habe ich meiner Frau vorgelesen. Hat uns beide kurz entspannt. Danke dafür.
rasenmähermann
@flaschenpost_lars, das mit „Vorlesen möglich, Fangen nicht“ ist hier auch die Hausregel. Baby auf Bauch und großes Kind daneben mit Buch war bei uns oft der friedlichste Teil vom Tag. Nicht gemütlich wie im Prospekt, eher warm, schief und mit Krümeln, aber friedlich. @regenjacke_nils_87, pass nur auf deinen eigenen Körper auf. Ich habe zu lange in der krummen Sofa Position gelegen und mich dann gewundert, warum mein Rücken beleidigt ist. Seitdem liegt ein festes Kissen immer am gleichen Ort. Klingt nach Rentnertrick, rettet aber Laune. Und bitte nicht jeden kurzen Schlaf als Niederlage zählen. Zehn Minuten abgelegt sind zehn Minuten. Null Minuten sind auch keine Aussage über euch. Babys lesen keine Pläne. Leider, sonst hätte ich unseren an den Kühlschrank gehängt ;)
papierkram_hasser
@regenjacke_nils_87, noch ein Gedanke: Wenn du merkst, dass du innerlich kribbelig wirst, weil du „nichts schaffst“, mach dir eine sehr kleine Liste. Nicht zehn Punkte. Drei reichen. Zum Beispiel Flasche Wasser füllen, eine Maschine Wäsche starten, Müll raus. Wenn davon einer klappt, war der Tag nicht leer. Bei uns hat das Kopfkino viel Lärm gemacht. Ich saß mit Baby auf mir und sah überall Aufgaben. In echt war die wichtigste Aufgabe gerade dieses warme kleine Bündel. Das klingt kitschig, aber müde Väter dürfen sich das ruhig sagen. @rasenmähermann, „Matratze mit Puls“ ist leider sehr schön. Ich war eine Zeit lang eher Stillkissen mit Steuererklärung im Blick. Beides nicht gesund, aber es geht vorbei. Langsam, aber wirklich.
regenjacke_nils_87
Danke euch nochmal. Ich habe den Satz von @rasenmähermann mit „Vorlesen möglich, Fangen nicht“ gestern direkt benutzt. Babysohn lag auf mir wie ein Sack Kartoffeln mit Atemgeräusch, Tochter kam mit drei Büchern an und wollte danach Pferd spielen. Ich habe gesagt: „Buch geht, Pferd schläft gerade.“ Erst großes Gesicht, dann hat sie mir das Buch auf den Bauch gelegt. @papierkram_hasser, die kleine Liste war auch gut. Ich hatte Wasser, Windeln auffüllen, Müll raus. Geschafft habe ich Wasser und halbe Windeln. Früher hätte ich gedacht, der Tag war nix. Gestern dachte ich: Baby hat geschlafen, Tochter hatte Papa, ich bin nicht explodiert. Das zählt. Kaffee war natürlich kalt. Aber man kann nicht alles haben :)
schreibfauuul
@regenjacke_nils_87, dieses innere „Ich müsste doch jetzt mal was schaffen“ kenne ich sehr gut. Bei uns war Ablegen teilweise wie Bomben entschärfen. Drei Minuten links, acht Minuten rechts, null Minuten im Bett. Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich heimlich Tabellen im Kopf führte und dadurch nur gereizter war. > Baby hat geschlafen, Tochter hatte Papa, ich bin nicht explodiert. Das ist ein ziemlich brauchbarer Tag mit Baby. Nicht glänzend, nicht fototauglich, aber echt. Was bei uns half: Ein Schlaf am Tag war offiziell Kontakt-Schlaf. Da habe ich vorher Wasser, Snack, Handy und Buch hingelegt. Dann war es kein Scheitern mehr, sondern Plan. Und bei den anderen Schläfen durfte ich probieren, aber ohne Kampf. Wenn es nicht klappte, zurück auf den Bauch. Das Baby wusste nicht, dass die Spülmaschine traurig war.
rasenmähermann
@flaschenpost_lars und @regenjacke_nils_87, ich möchte noch eine Lanze für „brauchbar reicht“ brechen. In der Babyzeit habe ich viel zu oft gedacht, der Tag müsste am Ende irgendwie ordentlich aussehen. Wohnung halbwegs okay, Essen halbwegs gekocht, Baby halbwegs abgelegt. Das war Quatsch. Wenn ein Baby tags nur auf euch schläft, ist Schlaf der Erfolg. Punkt. Manchmal ist die beste Tat des Tages, dass niemand komplett überdreht. Mir half ein Zettel am Kühlschrank: Wasser, Essen, frische Windel, einmal rausgucken. Mehr nicht. Wenn ich mehr geschafft habe, schön. Wenn nicht, war der Tag nicht kaputt. Und beim Kribbeln im Kopf: kurz atmen, Füße auf den Boden, Baby riechen. Klingt kitschig, aber es holt einen zurück. Die Wäsche beleidigt einen zwar weiter, aber leiser.