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Abendliches Schreien mit zehn Wochen macht uns mürbe

Gestartet von windelwechselprofi · 11. August 2026

windelwechselprofiEröffnung
Hallo zusammen, unsere Tochter ist jetzt zehn Wochen alt und abends zwischen 18 und 21 Uhr ist hier oft Alarm. Tagsüber klappt es mal besser, mal schlechter, nachts kommen kurze Schlafstücke. Aber abends schreit sie sich richtig fest. Tragen, Federwiege, dunkles Zimmer, alles hilft nur kurz. Meine Partnerin ist dann schnell am Ende, ich auch, und ich merke, wie ich innerlich hektisch werde. Kennt ihr das? Was hat euch geholfen, ohne gleich wieder zehn neue Tricks auszuprobieren?
schreibfauuul
@windelwechselprofi, ja, das hatten wir auch. Bei uns war wichtig, das nicht jeden Abend als neues Rätsel zu sehen. Zehn Wochen ist oft noch viel Verarbeitung vom Tag. Wir haben eine kleine Reihenfolge gemacht: Licht runter, Wickeln, trinken, tragen, leise bleiben. Nicht fünf Methoden parallel. Wenn es weiter schrie, haben wir uns abgewechselt, bevor einer innerlich kocht. Kopfhörer mit leisem Rauschen für den tragenden Elternteil waren kein Luxus, sondern Selbstschutz. Und wenn ihr Sorge habt, lieber einmal Kinderarzt fragen.
bine_1985
Aus Mama-Sicht: Bitte nehmt beide ernst, dass Schreien körperlich durch Mark und Bein geht. Ich fand es schlimm, wenn mein Mann sagte: „Sie ist doch nur müde.“ Ja, aber ich war auch fertig. Besser war, wenn er konkret sagte: „Ich nehme sie jetzt 30 Minuten, du gehst duschen oder legst dich hin.“ Ohne Erwartung, dass ich mich danach wie neu fühle. Und wenn du selbst merkst, dass du hektisch bist, leg sie sicher ab und atme kurz. Das ist kein Versagen.
rasenmähermann
@windelwechselprofi, zehn Wochen und abends Alarm, das macht mürbe. Ich würde es nicht als Prüfung sehen, ob ihr den einen richtigen Knopf findet. Manchmal ist der Tag einfach zu voll im kleinen Kopf. Bei uns war der wichtigste Schritt, ab 17:30 Uhr nicht mehr groß zu experimentieren. Licht runter, leise Stimmen, Windel, trinken, tragen. Wenn es nicht half, war es trotzdem nicht falsch. Was @bine_1985 schreibt, finde ich wichtig. Schreien trifft den Körper, nicht nur die Ohren. Wir hatten eine klare Schicht: Einer trägt 25 Minuten, der andere ist wirklich raus. Nicht daneben sitzen und mit angespanntem Gesicht beobachten. Dusche, Balkon, Kopfhörer, egal. Und wenn ihr merkt, es klingt anders als sonst oder ihr euch Sorgen macht, lieber einmal Kinderarzt anrufen. Nicht aus Panik, sondern damit der Kopf ruhiger ist.
schreibfauuul
@windelwechselprofi, ich nicke bei deinem Text sehr. Wir hatten diese Abende, an denen ich innerlich schon beim ersten Quäken dachte: „Bitte nicht wieder.“ Genau dieser Start machte alles enger. Mir half der Satz: Heute müssen wir das nicht schön machen, nur sicher durchtragen. Unsere Reihenfolge war irgendwann fast langweilig: trinken anbieten, Bäuerchen, frische Windel, Trage, dunkler Flur. Keine App, kein Googeln, keine neue Wunderidee nach acht Minuten. Wenn ich doch wieder anfing, hektisch zu wechseln, wurde unser Baby noch wütender. > Ich nehme sie jetzt 30 Minuten, du gehst duschen Das von @bine_1985 ist Gold. Aber wirklich nehmen, nicht mit Baby vor der Badezimmertür stehen und fragen, wo der Schnuller liegt :) Legt euch zwei Schnuller, Wasserflasche und Tuch vorher hin. Kleine Vorbereitung rettet Nerven.
Stromer_81
Bei Kind eins habe ich diese Abendstunden komplett falsch gelesen. Ich dachte, ich müsste nur noch den perfekten Trick finden. Also Federwiege, Pezziball, anderes Geräusch, anderes Licht. Am Ende war ich nassgeschwitzt und das Baby auch nicht ruhiger. Bei Kind zwei haben wir es schlichter gemacht. @windelwechselprofi, wenn ihr Besuch habt oder tagsüber viel los ist, würde ich da zuerst schauen. Bei uns war ab Nachmittag Schluss mit Baby herumreichen. Nicht, weil alle böse waren, sondern weil unser Kind abends die Quittung bekam. Wer helfen wollte, durfte Essen bringen oder Wäsche falten. @schreibfauuul hat recht: Nicht jeden Abend als neues Rätsel starten. Ihr seid nicht schlecht, wenn sie schreit. Ihr seid dann die sicheren Arme im Sturm. Klingt kitschig, aber nachts um halb neun war das mein Mantra.
papierkram_hasser
@windelwechselprofi, falls es euch tröstet: Bei unserer Tochter war die Phase um diese Zeit auch ein Brett. Ich habe damals jede Kurve gedeutet. Zu wenig Schlaf, zu viel Schlaf, Bauch, Hunger, falsches Lied. Manche Dinge stimmten mal, aber meistens war es einfach Abend und sie war durch. Was uns geholfen hat, war ein kleiner Notfallplan für die Eltern. Wer hat zuletzt gegessen? Wer hat Wasser? Wer ist kurz davor, unfair zu werden? Dann Baby sicher ablegen, einmal raus aus dem Zimmer, tief atmen, wieder rein. Das ist kein Versagen. @bine_1985, danke für die Mama-Sicht. Meine Frau sagte auch: „Sag nicht, ist doch normal, sag lieber, ich sehe, dass du nicht mehr kannst.“ Seitdem habe ich weniger erklärt und mehr übernommen. Das war deutlich hilfreicher.
werkbank_willi
@windelwechselprofi, ich war in der Babyzeit schnell in diesem Kopfkino: Wenn ich es nicht beruhigen kann, bin ich ungeeignet. Totaler Quatsch, aber nachts glaubt man viel Mist. Ein Baby schreit nicht gegen euch. Es schreit, und ihr seid da. Das ist schon viel. Bei uns halfen Mini-Aufgaben, damit ich nicht in Panik rotiere. Wasser für meine Frau hinstellen, Tuch holen, Licht dimmen, Trage anlegen, langsam gehen. Nicht fünf Sachen gleichzeitig. Wenn ich ruhigere Bewegungen hatte, wurde nicht immer das Baby ruhig, aber die Lage fühlte sich weniger wild an. @schreibfauuul, deine Reihenfolge finde ich gut. Man kann sie auch auf einen Zettel schreiben. Klingt albern, aber mit Babygeschrei im Ohr ist mein Hirn damals auf Werkseinstellung gefallen :)
windelwechselprofi
Danke euch allen. @schreibfauuul, @bine_1985, @sven, das hat gestern Abend schon geholfen, zumindest uns Erwachsenen. Wir haben nicht mehr alle zehn Minuten gewechselt, sondern wirklich die Reihenfolge gemacht. Ich war mit ihr im dunklen Flur, meine Partnerin hat geduscht. Sie hat trotzdem geschrien, aber ich war weniger im Suchmodus. Der Satz „nicht schön machen, nur sicher durchtragen“ von @schreibfauuul hängt jetzt bei mir fest. Ich glaube, ich wollte jeden Abend beweisen, dass ich es kann. Dabei braucht sie wohl eher Arme und weniger Papa mit Forscherblick. Wir werden trotzdem beim nächsten Kinderarzttermin ansprechen, ob körperlich alles passt. Nicht panisch, eher für den Kopf. Und Besuch am späten Nachmittag streichen wir erstmal. Oma wird meckern, aber sie darf dann Suppe vorbeibringen ;)
bine_1985
@windelwechselprofi, schön, dass ihr gestern etwas ruhiger durchgekommen seid. Aus Mama-Sicht ist dieses „ich will beweisen, dass ich es kann“ manchmal spürbar, auch wenn es lieb gemeint ist. Dann steht der Partner mit viel Druck im Raum und ich denke: Jetzt muss auch noch sein Gefühl gerettet werden. Das ist unfair für beide. Was mir damals geholfen hätte: weniger Erklären, mehr klare Sätze. „Ich nehme sie bis 20 Uhr.“ „Du musst nicht entscheiden.“ „Ich komme wieder, wenn ich merke, ich kippe.“ Das gibt Halt. Und wegen Oma: Ja, meckern lassen :) Besuch ist kein Grundrecht, wenn ihr abends am Limit seid. Suppe vor die Tür stellen, winken, fertig. Das ist nicht unhöflich, das ist Wochenbett und Babyzeit. Auch nach zehn Wochen darf man noch Schutz brauchen.
abendbrotpapa
@windelwechselprofi, ich habe bei unserer Tochter in solchen Phasen gemerkt, dass ich tagsüber schon Kraft sparen musste. Wenn ich bis 18 Uhr alles schaffen wollte, Haushalt, Einkauf, Nachrichten beantworten, war ich beim Schreien leer. Dann wurde ich innerlich härter, obwohl ich liebevoll sein wollte. Vielleicht schaut ihr nicht nur auf den Abend, sondern auch auf den Nachmittag. Essen für euch früh klären, Wasser bereitstellen, keine späten Besuche, keine großen Pläne. Bei uns gab es eine Zeit lang ab 17 Uhr nur noch Überlebensmodus mit Brot, Banane und gedimmtem Licht. Nicht hübsch, aber brauchbar. @bine_1985, dein Punkt mit „du musst nicht entscheiden“ ist stark. Meine Partnerin war oft die Zentrale für alles. Erst als ich Kopf und Hand übernommen habe, wurde es fairer. Also nicht fragen, wo alles liegt, sondern vorher wissen.
zugluft_arne
@windelwechselprofi, Schichtdienst hat uns damals gezwungen, die Nächte und Abende sehr schlicht zu planen. Wenn ich nach Frühdienst abends dran war, habe ich vorher geschlafen, auch wenn der Rasen aussah wie ein Feldversuch. Wenn ich Spätdienst hatte, gab es keine Heldentaten um 23 Uhr, sondern nur kurze Übergabe und dann das, was real ging. Vielleicht hilft euch ein kleiner Plan, der nicht perfekt sein muss. Wer hat vor dem Abendessen Pause? Wer trägt zuerst? Wann wird gewechselt? Was ist der Satz, wenn einer nicht mehr kann? Bei uns war es: „Ich bin rot.“ Dann keine Debatte, Baby sicher übergeben oder kurz ablegen. @heiko, dein Punkt mit Wasser und Essen für Eltern ist banal und wichtig. Ich war mit leerem Magen ein schlechter Tragepapa. Mit Brot in der Hand deutlich besser.
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