Die deutsche Gesellschaft wird zunehmend älter. Der demografische Wandel führt dazu, dass immer mehr Menschen im höheren Alter auf Pflege angewiesen sind. Familien geraten dadurch oft in die Situation, sich um ihre Eltern oder Großeltern kümmern zu müssen. Dies stellt viele vor große Herausforderungen: Berufliche Verpflichtungen, eigene gesundheitliche Einschränkungen oder räumliche Distanz machen es den meisten unmöglich, die Pflege selbst zu übernehmen.
In solchen Fällen wird häufig der Weg in ein Pflegeheim in Betracht gezogen, obwohl dies in den seltensten Fällen dem Wunsch der Betroffenen entspricht. Für diese Menschen bietet die 24-Stunden-Pflege eine wertvolle Alternative. Sie ermöglicht eine individuelle Betreuung zu Hause in der vertrauten Umgebung, ohne dass die Pflegebedürftigen ihr gewohntes Umfeld verlassen müssen.

Was wird unter einer 24-Stunden-Pflegekraft verstanden?
Eine 24-Stunden-Pflegekraft ist eine üblicherweise weibliche Betreuungsperson, die in der Regel aus einem osteuropäischen EU-Land stammt. Aus diesem Grunde wird sie umgangssprachlich als ‘polnische Pflegekraft’ bezeichnet. Sie zieht über einen längeren Zeitraum bei der pflegebedürftigen Person ein und kümmert sich um deren Wohlbefinden.
Die polnische Pflegekraft übernimmt nicht nur die Grundpflege, sondern verrichtet auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten und unterstützt bei der Freizeitgestaltung. Diese Art der Betreuung ist besonders dann gefragt, wenn der Vater oder die Mutter nicht in das Pflegeheim möchte und die Angehörigen entlastet werden sollen.
Die Pflegekraft übernimmt eine Vielzahl von Aufgaben, darunter:
- Körperpflege: Hilfe beim Waschen, Anziehen, Zähneputzen und beim Toilettengang
- Haushaltsführung: Einkaufen, Kochen, Putzen und Wäsche waschen
- Mobilität: Unterstützung beim Aufstehen, Hinlegen und Gehen, eventuell auch Transfers in einen Rollstuhl
- Begleitung: Gesellschaft leisten, Unterstützung bei sozialen Aktivitäten und Arztbesuchen
Wichtig zu beachten ist, dass eine 24-Stunden-Pflegekraft keine medizinischen Aufgaben übernehmen darf. Dazu zählen Tätigkeiten wie das Verabreichen von Injektionen, die Wundversorgung oder das Legen von Infusionen und Kathetern. Für solche Aufgaben müssen ambulante Pflegedienste oder Ärzte hinzugezogen werden.
Vorteile der 24-Stunden-Pflege
Die 24-Stunden-Pflege bietet zahlreiche Vorteile, die sie zu einer attraktiven Alternative zum Pflegeheim machen. Die wichtigste Stärke dieser Betreuungsform liegt darin, dass die pflegebedürftige Person in ihrer vertrauten Umgebung verbleiben kann, was sich positiv auf ihr körperliches und emotionales Wohlbefinden auswirkt.
Weitere Vorteile der 24-Stunden-Pflege:
- Individuelle Betreuung: Die Pflegekraft kann sich ganz auf die Bedürfnisse der Person einstellen und den Tagesablauf flexibel gestalten.
- Kontinuität der Pflege: Anders als im Pflegeheim bleibt die Pflegekraft konstant dieselbe, was eine vertrauensvolle Beziehung ermöglicht.
- Entlastung der Angehörigen: Familienmitglieder können sich darauf verlassen, dass ihre Angehörigen gut betreut sind, ohne selbst die Hauptverantwortung tragen zu müssen.
- Weniger soziale Isolation: Die Anwesenheit der Pflegekraft sorgt für regelmäßigen sozialen Kontakt und beugt Einsamkeit vor.
Herausforderungen der 24-Stunden-Pflege
Trotz der vielen Vorteile gibt es auch Herausforderungen, die mit der 24-Stunden-Pflege verbunden sind. Eine der größten Aufgaben ist die dauerhafte Präsenz einer fremden Person im Haushalt. Sowohl die Pflegekraft als auch die pflegebedürftige Person müssen sich an die enge Wohnsituation gewöhnen. Auch kulturelle und sprachliche Unterschiede können zu Missverständnissen führen.
Darüber hinaus erfordert die 24-Stunden-Betreuung eine gute Organisation und rechtliche Absicherung, um sicherzustellen, dass die Pflegekraft ordnungsgemäß angestellt ist und ihre Rechte gewahrt werden.
Flexibilität und individuelle Betreuung
Ein großer Vorteil der 24-Stunden-Pflege ist die Flexibilität, die sie bietet. Die Pflegekraft ist vor Ort und kann sich an den Tagesrhythmus der pflegebedürftigen Person anpassen. Diese individuelle Betreuung ist besonders wertvoll, wenn sich der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen ändert und die Pflege schnell angepasst werden muss.
Umgang mit dem Tod
In vielen Fällen begleiten 24-Stunden-Pflegekräfte ihre betreuten Personen bis in die letzten Lebensphasen. Der Umgang mit dem Tod ist für Pflegekräfte und Angehörige gleichermaßen eine herausfordernde Aufgabe, die viel Einfühlungsvermögen erfordert. Durch die enge Bindung, die über die Zeit zwischen der Pflegekraft und ihrem Schützling entsteht, kann der Abschied jedoch in Würde und im vertrauten Umfeld gestaltet werden.
Soziale Vorteile der 24-Stunden-Pflege
Das 24-Stunden-Pflegemodell ist mit einigen sozialen Vorteilen verbunden. Viele ältere Menschen, die allein leben, leiden unter Isolation und Einsamkeit. Die Anwesenheit der Pflegekraft sorgt für regelmäßige soziale Interaktion und bietet emotionale Unterstützung, was das psychische Wohlbefinden der pflegebedürftigen Person entscheidend verbessert.
Entlastung für die Angehörigen
Die 24-Stunden-Pflege ist nicht nur eine Erleichterung für die direkt Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen. Die Pflegekraft übernimmt viele Aufgaben, sodass die Familie entlastet wird und sich auf andere Dinge konzentrieren kann. Dies schafft Freiraum für eine positivere und emotional intensivere Beziehung zwischen Angehörigen und Pflegebedürftigem.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die rechtliche Situation beim 24-Stunden-Pflegemodell ist klar geregelt. Häufig wird das sogenannte Entsendemodell genutzt, bei dem die Pflegekraft über eine deutsche Agentur wie pflegehilfe-senioren.de vermittelt wird, aber in ihrem Heimatland angestellt bleibt. Die Agentur übernimmt dabei den administrativen Aufwand und sorgt dafür, dass die Pflegekraft sozialversichert ist.
Alternativ besteht die Möglichkeit, die Pflegekraft direkt in Deutschland anzustellen. Dies ist jedoch mit einem großen bürokratischen Aufwand verbunden, da Arbeitsverträge, Sozialabgaben und Arbeitszeiten geregelt werden müssen. Es ist wichtig, dass die Pflegekraft geregelte Arbeitszeiten und Pausen hat, die der deutschen Rechtslage entsprechen, da sie trotz ihrer Präsenz nicht durchgehend arbeiten darf.
Kosten der 24-Stunden-Pflege
Die Kosten für eine 24-Stunden-Pflege variieren je nach Betreuungsaufwand und der Qualifikation der Pflegekraft. Im Durchschnitt bewegen sich die monatlichen Kosten zwischen 2.500 und 3.500 Euro. Zusätzlich müssen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung berücksichtigt werden.
Zur Deckung der Ausgaben können verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden. Das Pflegegeld, das je nach Pflegegrad gestaffelt ist, kann gegengerechnet werden. Zudem gibt es Zuschüsse für Pflegehilfsmittel und steuerliche Vergünstigungen.
Kostenpunkt (Entsendemodell) | Durchschnittliche Höhe pro Monat |
24-Stunden-Pflegekraft | 2.500 – 2.700 Euro |
Pflegegeld (abhängig vom Pflegegrad) | 316 – 901 Euro |
Zuschuss für Pflegehilfsmittel | bis zu 40 Euro |
Fazit
Die 24-Stunden-Pflege stellt eine wertvolle und günstige Alternative zum Seniorenheim dar. Sie ermöglicht es pflegebedürftigen Menschen, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben, würdig zu altern und dabei individuell betreut zu werden.
Obwohl die Kosten und die rechtlichen Anforderungen berücksichtigt werden müssen, überwiegen die Vorteile dieser Betreuungsform, vor allem dann, wenn die häusliche Umgebung altersgerecht eingerichtet ist. Die individuelle Betreuung, die soziale Unterstützung und die Entlastung der Angehörigen machen die 24-Stunden-Pflege zu einer praktikablen Lösung für viele Familien, für die ein Pflegeheim für ihre Angehörigen nicht infrage kommt.